Demonstration

Wurzen schiebt Panik

Das autonome Zentrum Rote Flora sorgte beim G20-Gipfel für viel Aufruhe. Sie planten die "Welcome to Hell" Demonstration in Hamburg. Nun wurde von ihnen eine Demo in Wurzen für Anfang September angemeldet.
Die Polizeidirektion Leipzig ist, wie auch bei Connewitzer Demos, für Wurzen verantwortlich.

Am 2. September 2017 soll in Wurzen eine Demonstration zum Thema "Gegen Rassismus in Wurzen und Sachsen" stattfinden. Vor einer Woche wurde diese angemeldet. Der Anmelder Andreas Blechschmidt kommt aus der autonomen Szene und sei einer der Protagonisten des Zentrums Rote Flora. Er meldete ebenfalls den umstrittenen Protest "Welcome to Hell" zum G20-Gipfel an, der in Krawallen endete. Bisher wurde von den Behörden bloß bestätigt, dass das linke Bündnis "Irgendwo in Deutschland" hinter der geplanten Demonstration in Wurzen stehe.

Hamburger Bilder bleiben

Viele der Bürger denken nun, dass die in einem Monat stattfindende Demonstration ebenso ausarten könnte, wie die vor einigen Wochen in Hamburg. Auch die Stadt hat Befürchtungen:

Das macht es natürlich nicht einfacher, weil auch wenn man befähigt ist, differenziert zu denken und auch wenn Herr Blechschmidt in einem, ich sag mal, durchaus konstruktiven Telefonat, versichert hat, dass es hier nicht um Gewalt geht, sind wir mediengeprägt und haben natürlich die Hamburger Bilder im Kopf.

Cornelia Hanspach, Sprecherin der Stadt Wurzen

Der Veranstalter "Irgendwo in Deutschland" möchte nach eigenen Angaben erreichen, dass ein Kontrast zur staatlichen Sichtweise fokussiert wird. Generell soll die Demonstration gegen den Rechtsextremismus in Wurzen veranstaltet werden, denn das Bündnis behauptet, das Vorgehen der Stadt sei reine Imagepflege.

Die Arbeit sei getan

Die Stadt Wurzen sei sich der Rechten-Szene jedoch bewusst und ist angestrengt mithilfe von diversen Aktionen, diese unter Kontrolle zu halten. So zum Beispiel wurde ein Bürgerbrunch mit Asylbewerbern veranstaltet. 

Ich wünsche mir, dass die Organisatoren dieser Veranstaltung registrieren, die Arbeit, die hier geleistet wird und vielleicht auch das ganze Ding mal umdrehen und Wurzen, von mir aus, als Beispiel dafür nehmen, dass es gelingen kann, einen rechten Ruf der Stadt wegzubekommen mit ganz viel Engagement und ganz viel Kraft.

Cornelia Hanspach, Sprecherin der Stadt Wurzen

Auch die Besitzerin eines Buchhandels in Wurzen, Kristina Jurich, ist der Meinung, dass Wurzen dafür zu klein sei: "Wir haben viele Initiativen, die gegen Rechts arbeiten. Wir haben Nazis hier, aber überall gibt es die und gegen die müssen wir etwas machen." 

Noch ist es bloß Zukunftsmusik

Die Polizei teilte mephisto 97.6 telefonisch mit, dass zuallererst Kooperationsgespräche mit der Stadt in die Wege geleitet werden. Diese dienen der Einordnung der Demonstration im September. Es werde außerdem vorausgeplant, jedoch existieren zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Pläne. Zudem sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, bevor Straftaten bei der Demonstration begangen wurden.

Derzeit sind noch keine Gegendemonstrationen angemeldet.

Weitere Informationen dazu können Sie im Studiogespräch von mephisto 97.6 Redakteur Philip Fiedler mit Moderator Marc Zimmer hören: 

Ein Beitrag von Philip Fiedler
 
 

Kommentare

Dieser Artikel ist tendenziös. Ganz bewusst wird der Anmelder der Demo in die Nähe der Krawalle in Hamburg gerück, es wird eine (Mit-)Verantwortung des Anmelders für die Ausschreitungen suggeriert. Die Bildunterschrift ist Stimmungs- und Panikmache gegen die Demo, und versucht einen Automatismus zwischen linker Demonstration und Ausschreitungen herzustellen. Die rhetorische Frage, die jeder Leser fast zwangsläufig verneinen wird, schürt Ängste und schafft Vorbehalte gegen die Demo.

Zudem werden die Ereignisse in Hamburg verkürzt dargestellt: Die "Welcome-to-Hell"-Demo wurde frühzeitig von der Polizei aufgelöst. Die Krawalle fanden deutlich später statt. Bisher sind keine konkreten Vorwürfe an die Anmelder der Welcome-to-Hell-Demo formuliert worden, dass diese hinter den Krawallen stehen würden. Hier werden Zusammenhänge hergestellt, die in dieser Form nicht bestätigt sind. Seriöser Journalismus sieht anders aus - wie wäre es denn, den Anmelder mal selber zu seiner Motivation etc. zu befragen? Das wäre doch klassischer Journalismus.

Ein*e Redakteur*in schiebt Panik!
Ich kann mich meinem Vorredner inhaltlich nur anschließen. Zusätzlich findet sich im dritten Satz sowohl ein Schreibfehler "Blechschimidt", als auch ein sinnloser Konjunktiv - beides an sich nicht schlimm, aber doch ein Zeichen, dass da wohl was durch die Qualitätskontrolle gerutscht ist.

Abgesehen von unserer scheinbar grundverschiedenen politischen Haltung, wäre es sicherlich möglich gewesen, zum Thema auch einen guten kritischen Beitrag zu formulieren. Das einzige, was der Artikel rüber bringt, ist die Panik der Stadtverwaltung in Wurzen. Diese hätten sie jedoch kritisch hinterfragen und die Hintergründe nüchtern aufzeigen können.

@ein anderer Stefan

Sehr geehrter Stefan,

 

vielen Dank für das Feedback zu unserem Artikel. Bezüglich der Bildunterschrift danken wir für den Hinweis. Die Intonation ist bei unserem Redigierprozess uns nicht so bewusst geworden. Das haben wir nun geändert.

Wir möchten darauf verweisen, dass wir nie eine Verbindung zwischen den Krawallen und Herrn Blechschmidt formuliert hatten. Lediglich, dass die Demonstration in Krawallen endete. 

Außerdem haben unsere Kollegen vom Nachrichtenmagazin versucht, einen Kontakt mit der Roten Flora und Irgendwo in Deutschland herzustellen. Leider erfolglos.

Somit wurden nur die Seiten der offiziellen Behörden der Stadt und der Anwohner beleuchtet.

 

Mit freundlichen Grüßen

@Stephan

Sehr geehrter Stephan,

 

ebenfalls danken wir Ihnen für Ihr Feedback. Der Rechtschreibfehler war durchaus ungünstig und wurde korrigiert. Wir bitten um Verständnis, da wir Studierende in einem Ausbildungsradio sind. Der Konjunktiv wurde von uns bewusst eingesetzt, da wir keine Bestätigungen besitzen, dass Herr Blechschmidt ein Protagonist der Roten Flora ist. Des Weiteren sind wir jederzeit bemüht, kritisch zu berichten. Leider ist es uns nicht immer möglich, zu jeder Seite einen Gesprächspartner zu erreichen. Außerdem ergreifen wir keine Partei für die dargestellten Sichtweisen, sie werden lediglich zitiert und wiedergegeben.

Mit freundlichen Grüßen

Hallo Redaktion, hallo Pia Ebeling,
danke fürs Feedback und für das Aufnehmen der Hinweise. Weiter so! Der Hinweis auf die erfolglosen Kontaktversuche zur "Szene" hätte sich im Artikel auch gut gemacht.
Das I-Tüpfelchen wäre noch ein Nachtrag unter dem Artikel, in dem die Änderungen und deren Grund dokumentiert werden.

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