Live-Lesung

Wortakrobaten zu Gast im Studio

Vier Leipziger Lesebühnenexperten und Poetryslammer haben ihr gewohntes Bühnenumfeld für uns verlassen und ihre Texte live im Studio vorgetragen.
PoetrySlammer
Marsha Richarz, Jan Lindner, Bonny Lycen und Nils Matzka

Liebesgedichte an Flüsse

Seit 2015 treibt sich Bonny Lycen mit ihren Gedichten auf Poetryslams und Lesebühnen umher und ist seither wohl auch ein wenig zur Bühnensau geworden. 2012 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband "Herzeigen". Heute schenkt sie jedoch nicht nur den eigenen Worten Aufmerksamkeit, sondern hilft als Logopädin auch anderen beim Sprechen. Die Arbeit als Therapeutin hat starken Einfluss auf das Schreiben und ihre Bühnenperformance.

Bonny hat einen besonderen Text mit ins Studio gebracht - ihr erster Slamtext, mit dem sie den Poetry Slam promt gewann. Inspiriert ist dieser aber weniger von ihrer Arbeit, sondern von ihrer vorrigen Wahlheimat Dresden:  

"Liebeserklärung an E." - ein Gedicht von Bonny Lycen
 

Die Elbe hat mich irgendwie inspiriert, hat mich mitgenommen, hat meine Gefühle gut wie schlecht immer wiedergespiegelt - deswegen bedeuted mir der Text sehr sehr viel.

Hasstirade gegen Spießerstudenten

Marsha Richarz hat schon immer irgendwie geschrieben und ist seit vier Jahren auf den Slambühnen unterwegs. Weiterkommen möchte sie bei den Wettbewerben vor allem, um noch einen zweiten Text vortragen zu können. Mittlerweile finden ihre Worte aber nicht nur durch die Bühne ihr Publikum, sondern auch durch Ihr Erstlingswerk "Wort ist ihr Hobby".

Mich nervt es im Studium ein bisschen, dass ich nicht die Wahl habe, wann ich was mache und wann ich was lernen möchte.

Genervt ist Marsha in ihrem Sonderpädagogik und Germanistik auf Lehramt Studium aber nicht nur von den unflexiblen Strukturen. Wie man so etwas in ein literarisches Werk übersetzt zeigt sie in ihrem Text "Julia". Denn nach acht Semestern Studium mit Lehramtsstudentinnen hat Marsha unliebsame Charaktereigenschaften der Kommilitoninnen in der fiktiven Person Julia versammelt:

"Julia" - ein Text von Marsha Richarz.
Marsha Richarz - Julia

Rythmische Beobachtung des getakteten Alltags

Nils Matzka schreibt seitdem er elf ist, ist auch im Theater und in der Musik unterwegs und er veröffentlich regelmäßig auf seinem Blog. Obwohl er also viel ausprobiert, bleibt die Literatur für ihn die adäquateste Ausdrucksform. Denn Gedanken sind schnell zu Papier gebracht, stehen als Worte für sich und brauchen keine Melodie, um vollständig zu sein.

Du hast über Literatur einen direkten Zugang zu dem was du im Kopf hast und es steht dann da und ist dadurch greifbarer.

Trotzdem lässt sich Nils wohl auch gerne von den anderen Kunstformen beeinflussen. Der Text "Im Tickern und Tackern" ist rhytmisch getaktet und nutzt dieses Element bewusst, um den Inhalt zu untermalen:

"Im Tickern und Tackern" - ein Text von Nils Matzka
matzka

Ein Weltende der etwas anderen Art

In der Schule hat Jan Lindner sich eher von den Worten fern gehalten - ging sogar lieber in den Matheleistungskurs. Eine engagierte Lehrerin, Hamlet und Faust brachten ihn dann doch zum Umdenken. Seitdem veröffentlicht er fleißig, initiiert Lesebühnen und trägt seine Texte beim Poetry Slam vor. Vor kurzem erschien sein erster Erzählband "Auf Teufel komm Rausch".

Der Text ist ein bisschen altertümlich vom Stil her, aber man kann das trotzdem mit Wortwitz und Spaß kombinieren.

Als studierter Philosph lässt sich Jan von Klassikern beeinflussen. Das muss aber nicht heißen, dass seine Texte zu klassich ausfallen. "In Kaktus we trust" ist eine absurde Reise an den Fuß des Popokatepetl und erzählt vom verzweifelten Versuch der Anwohner den Weltuntergang aufzuhalten:

"In Kaktus we trust" - Ein Text von Jan Lindner.
Lindner

 

 
 

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Susanne Zimnoch
28.04.2016 - 11:49