Musikhighlights: KW-32

Work-Music-Balance

Eine Arbeitswoche geht zu Ende: zerknitterte Krawatten werden gebügelt und abgenutzte Bleistifte gespitzt. Unsere Musikredaktion groovt auch langsam in ihre Feierabendroutine, vorher haben wir aber noch die spannensten Releases dieser Woche für euch:
Musikhighlights der Woche KW 32
Musikhighlights der Woche KW 32

Frisch-Gepresst: Unser Musiktipp dieser Woche ist das Album "A Hero`s Death" von "Fountaines D.C." Eine ausführliche Rezension gibt es hier.

Liela Moss - "Who the Power"

Album-VÖ: 07.08.20

„Wenn man schon die moderne Psyche dekonstruiert, dann kann man genauso gut dazu tanzen.“ Mit diesen Worten beschreibt Liela Moss ihr zweites Solo-Album „Who the Power“. Tatsächlich hört man im Opener des neuen Albums einen deutlichen Unterschied zum bisherigen Output der Künstlerin. Statt den introspektiven Gothic-Balladen des Vorgängers „My Name Is Safe in Your Mouth“ von 2018 präsentiert „Turn Your Back Around“ einen treibenden Beat und eingängige Synth-Pop-Klänge. Ein poppiges Highlight, das aber nicht die volle Sound-Palette von „Who The Power“ beschreibt.

Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und Produzenten Toby Butler, mit dem sie auch in der Band The Duke Spirit zusammenspielt, hat Moss ein abwechslungsreiches Art-Pop-Album geschaffen, das nicht selten an die 80er-Werke von Kate Bush erinnert. Trotz wilder Percussion und epischer Synthesizer-Melodien verschafft sich die Britin mit ihrer kraftvollen Stimme jedoch mühelos immer wieder den nötigen Raum. Die titelgebende Frage des Albums beantwortet sie dementsprechend schon im ersten Song nachdrücklich: „I’m the Power!“

Martin Pfingstl

Zugezogen Maskulin - "10 Jahre Abfuck"

Album-VÖ: 07.08.20

10 Jahre ist es her, dass Grim104 und Testo das erste Mal Musik unter dem Namen Zugezogen Maskulin veröffentlicht haben. Nun veröffentlichen sie ihr drittes Studioalbum „10 Jahre Abfuck.“ 

Besonders soundtechnisch haben sich die zwei Rapper neu orientiert. Das liegt vor allem an dem Executive Producer Ahzumjot, der außerdem als einziger Feature-Gast auf dem Album vertreten ist. „10 Jahre Abfuck“ klingt nicht ganz so aggressiv wie seine Vorgänger. Ballernde 808s und Adlibs im Hintergrund erwecken zwar im ersten Moment den Eindruck, dass der Sound massentauglich sei, doch beim genaueren Hinhören, merkt man, dass das nicht der Fall ist. Denn die vielen verschiedenen Samples, wie zum Beispiel die Stimme von „Kai der Brecher“, verleihen der Platte ihre Ecken und Kanten. Sie hebt sich so stark vom Mainstream ab. Besonders textlich sind sich Zugezogen Maskulin treu geblieben. Wie gewohnt nehmen die Rapper kein Blatt vor den Mund und schrecken auch nicht vor schwierigen gesellschaftlichen Themen zurück. Sie benutzen in ihren Texten auch häufig Horrorfilm-artige Szenen, besonders Grim104. Doch diesmal ist der wohl gruseligste Track „Jeder Schritt.“ Hier zeigen Zugezogen Maskulin die Übergriffigkeit von Männern. Von Poser-Feministen, die nicht vor dummen Anmachen scheuen, bis hin zum besoffenen Perversling:

„Eine Geile will mein Schwert zwischen die Beine, darum steigt sie doch aus alleine?“

Zugezogen Maskulin in "Jeder Schritt"

Auch sonst ist das neue Album nicht weniger politisch als seine Vorgänger. Die neue Platte ist kein „klassisches“ Zugezogen Maskulin Album. Besonders vom Sound her haben sich die zwei Rapper verändert. So wirkt es am Anfang doch ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn „Brrrrr“-Adlibs im Refrain auftauchen. Doch am Ende sind sie sich treu geblieben. Grim und Testo sind immer noch weit davon entfernt, langweilige Musik zu machen. Plus, einige Songs haben definitiv großes Moshpit-Potential!

Emma Dressel

Tame Impala - "Is It True"

Video-VÖ: 06.08.2020

Als Kevin Parker vor einem Tag auf dem Tame Impala Instagram-Account drei kryptische Fotos eines roten TV-Screens teilte, dauerte es nicht lang, bis die Fans anfingen zu spekulieren. In der Nacht zum Freitag erschien nun das Musikvideo zum Song „is it true“, welcher schon im Februar auf Tame Impala’s vierten Studioalbum „The Slow Rush“ zu finden war.

In einem Interview mit Hypebeast hat Parker direkt nach dem Albumrelease schon einmal verraten, dass „The Slow Rush“ sich um Zeit und deren Wahrnehmung dreht. Das ist auch in dem neuen Video unschwer zu erkennen, wenn direkt am Anfang der mystische rote Screen mit der Aufschrift „from the past to the happening“ zu sehen ist. Nach einigen trippy visuals, die treue Fans ähnlich auch schon aus den vergangenen Live Shows der Band kennen, endet Parker den Song mit den Worten „We’ll see what the future holds“, während man einen Mann, scheinbar von allen Sorgen losgelöst, im Gras liegen sieht. Dann, nach ca. 4 min, ist der kostenlose Trip in Kevin Parkers geniale Verdrehtheit vorbei.

Emma Lübbert

Lola Young - "Woman"

Video-VÖ: 03.08.20

Musikvideos mit Frauen, die lasziv vor der Kamera tanzen gibt es im Internet mittlerweile zu genüge. Getanzt wird hier meist für Männer. Die Frau ist gleichzeitig Schmuckstück und Marketingstrategie. Denn nicht erst seit Hip Hop den wackelnden Arsch zum Statussymbol erklärt hat gilt in der Musikindustrie: sex sells. Die britische Newcomerin Lola Young wollte da anscheinend nicht mitmachen. In ihrem neuen Musikvideo zur Single „Woman“ inszeniert sie, zusammen mit Regisseurin Olivia Rose, nackte Frauen und ihre Körper. Die Frauen tanzen sexy, selbstvergessen und nur für sich selbst. Schon das Intro des Videos stellt den Kontext der Darstellung klar:

„I'm only gonna say this once. What you are about to see is women in all that glory in all that pain, unapoligatic in their selflove and unashamed in this moment of vanity. We are powerful. We are women.“

Lola Young

Es geht um Selbstliebe, Empowerment und darum, sich die Deutungshoheit über den eigenen Körper zu erkämpfen. Der Fokus der Bilder liegt klar auf den Kurven der Frauen. Wir sehen Hüften, Hintern und Brüste: Körperteile, die oft übersexualisiert werden. Die lachenden Gesichter der Frauen feiern diese Kurven und erobern sie so von Fremdzuschreibungen zurück.

„I hope this song and video shows you how wonderful woman’s bodies are in every way shape and form regardless of the context. And that a tit is always just gonna be a fucking tit.“

Lola Young über "Woman"

Der Song „Woman“ bildet die perfekte Soundkulisse für diese eindringlichen Szenen. Youngs Stimme klingt intim und unterstützt das Private in den Bildern. Das Musikvideo wirkt wie ein Tagebucheintrag, der laut vorgelesen wird. Young hat mit ihrem Video eine visuelle Ode an die Schönheit des weiblichen Körpers geschaffen. Mit ihrem Video trifft sie den Zeitgeist und verbildlicht die Stimmen einer neuen Generation von jungen, selbstbewussten und feministischen Frauen. Das ist absolut sehenswert.

Hannan El Mikdam-Lasslop

 

 

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Hannan El Mikdam-Lasslop
07.08.2020 - 15:38
  Kultur