Flüchtlinge in Leipzig

Wohin mit den Flüchtlingen?

Die Nachrichten der vergangenen Tage waren von den Ausschreitungen in Heidenau bestimmt. Am Montag sollten Flüchtlinge aus Leipzig dorthin verlegt werden. Unter anderem konnte das jedoch durch eine spontane Protestaktion vor Ort verhindert werden.
Blockade vor der Sporthalle in Connewitz
Blockade vor der Sporthalle in Connewitz

Was passierte gestern vor der Sporthalle in Connewitz? mephisto 97.6-Redakteurin Eva Wittekind fasst die Lage zusammen:

Mephisto 97.6-Redakteurin Eva Wittekind fasst die Situation um die Flüchtlinge in der Sporthalle in Connewitz zusammen
 

In der Sporthalle der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur waren seit fünf Tagen rund 60 Flüchtlinge einquartiert worden. Neben der Ernst-Grube-Halle war es damit die zweite Notunterkunft für Flüchtlinge in Leipzig.

Am Montag entschied die Landesdirektion Sachsens kurzfristig, dass die Flüchtlinge, die aus der Zeltstadt in Chemnitz, verlegt werden sollen. Die Unterbringung in der Sporthalle sei ohnehin nur eine provisorische Lösung gewesen. Diese musste im Vorfeld aufgrund heftiger Regenfälle geräumt werden. Zudem sei die Halle als Baustelle gekennzeichnet. Deshalb müsse für die Flüchtlinge eine alternative Unterbringung gefunden werden. Die Landesdirektion brachte zunächst die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau bei Dresden ins Gespräch. Ein Bus für den Transport der Flüchtlinge stand Montag bereit. Am Abend wurde die Entscheidungsgewalt an den Polizeipräsidenten Merbitz übertragen.

In Heidenau war es nahe einer Flüchtlingsunterkunft am vergangenen Wochenende zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Rechtsextremen gekommen. Dabei wurden mehr als 30 Polizisten verletzt.

Protest in Connewitz 

Am Montag fanden sich spontan rund 150 Menschen bei der Turnhalle in Connewitz ein, um gegen die Verlegung der Flüchtlinge zu demonstrieren. Auch Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete der Grünen und Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete der Linken waren vor Ort und nahmen an Verhandlungen über den Verbleib der Flüchtlinge teil. Auch eine Verteilung der Flüchtlinge auf die Ernst-Grube-Halle und Grillenburg, einen Ort in der sächsischen Schweiz, stand zur Debatte. Die Johanniter boten an, die gesamte Gruppe in der von ihnen betreuten Ernst-Grube-Halle unterzubringen.

Lazar kritisierte in diesem Zusammenhang die Organisation seitens der Landesregierung, insbesondere die des Innenministeriums, da eine solche Situation abzusehen gewesen sei. Dennoch sei man mit der derzeitigen Lage überfordert. Der Pressesprecher der Stadt Leipzig Matthias Hasberg bezeichnete den Umgang mit den Flüchtlingen als "äußerst unsensibel".

Bis in den späten Abend waren Demonstranten vor Ort. Eine endgültige Entscheidung wurde nicht getroffen. Bernd Merbitz, Polizeipräsident Leipzigs entschied in Abstimmung mit anwesenden Vertretern der Landesdirektion, dass die Flüchtlinge die Nacht von Montag auf Dienstag noch in der Halle verbleiben dürften.

Die aktuelle Situation

Im Verlaufe des 25. August wurde nun eine endgültige Entscheidung gefällt. Nach Angaben der Landesdirektion wurde die Verlegung nach Heidenau durch die Demonstranten verhindert. Die 51 Flüchtlinge aus HTWK-Sporthalle werden in die Ernst-Grube-Halle verlegt. Noch bis Freitag soll auch der letzte umgezogen sein, denn bis dahin ist eine Versorgung in der HTWK-Sporthalle sichergestellt.

Lisa Tuttlies berichtet über die Situation an der HTWK-Sporthalle

 

 

 

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Moritz Wetter
25.08.2015 - 15:01