Wochenmarkt

Bald ohne Marktplatz?

Seit mehr als 800 Jahren kommen Händler aus Nah und Fern nach Leipzig und verkaufen ihre Waren. Auf dem Wochenmarkt vor dem Alten Rathaus herrscht nach wie vor reges Treiben. Immer öfters muss dieser jedoch auf einen anderen Platz ausweichen.
Marktplatz ohne Wochenmarkt?

Es war im Jahr 1165 als Markgraf Otto der Reiche von Meißen Leipzig sein Marktrecht verlieh. Damit war der Grundstein gelegt für den Aufstieg zur Messe- und Handelsstadt. Heute können die Händler zweimal in der Woche ihre unterschiedlichen Waren auf dem großen Wochenmarkt anbieten.

Eigentlich auf dem "Markt", dem Platz vor dem Alten Rathaus. Doch oft müssen die Händler in letzter Zeit weichen. Der Grund: Viele Großveranstaltungen wie das Classic Open, die Kirchenmusiktage oder auch das Stadtfest besetzen den Marktplatz. Diese Veranstaltungen nehmen in ihrer Anzahl zu und so wird der Markt immer öfter auf dem Augustusplatz abgehalten. Doch viele Händler nehmen diesen neuen Standort der Stadt übel.

Großer Unmut der Händler

Schlechte Umsätze, fehlende Stammkundschaft, ungeeigneter Verkaufsort – das alles sorgt für Unmut. Doch nicht nur der Augustusplatz verärgert die Händler. Vor allem von der zweiten Ausweichmöglichkeit des Wochenmarktes sind sie nicht begeistert: Finden auf dem Augustusplatz bereits andere Veranstaltungen statt, zum Beispiel während der Weihnachtszeit, müssen die Verkäufer ihre Stände auf dem Richard-Wagner-Platz in der Nähe der Höfe am Brühl aufbauen. Ein denkbar ungeeigneter Ort, denn dort ist viel zu wenig Platz. Knapp die Hälfte der Stände passe dorthin. Wer dort verkaufen darf, wird per Los entschieden.

Dass das nicht optimal ist, hat auch die Stadt erkannt. Christian Reichelt, Sachgebietsleiter im Marktamt für die Wochenmärkte, erklärt:

"Wir versuchen zu helfen, indem wir die jeweiligen Marktverlegungen bekannt machen und so auch immer wieder einen Werbeeffekt erzielen. Zu unseren Werbemitteln zählen nicht nur Amtsblatt, Internet und Presseinformationen, sondern auch das Schalten kostenpflichtiger Anzeigen, damit unsere Händler möglichst geringe Einbußen haben."

Die Händler sorgen sich um ihre Einnahmen und ärgern sich laut einem Bericht der LVZ darüber, dass das Marktamt den Problemen keine Bedeutung beimisst. Christian Reichelt weist diese Vorwürfe zurück: Es gäbe immer Möglichkeiten zu Gesprächen zwischen Marktgilde und Marktamt.

Endgültige Lösung nicht in Sicht

Doch gibt es nun eine Lösung? Nach Angaben des Marktamtes soll dafür gesorgt werden, dass es nicht zu noch mehr Verschiebungen kommt. Radikale Lösungswege stehen aber nicht zur Debatte:

"Wenn Sie es bisher noch nicht getan haben, dann lade ich Sie herzlich ein, mit mir einmal an einem Freitag unseren Wochenmarkt zu besuchen. Dann sehen Sie, warum die Abschaffung des zentralen Wochenmarktes zugunsten einer Markthalle für uns, aber in erster Linie auch für unsere Händler keine Alternative ist." 

Moderatorin Constanze Müller im Gespräch mit Redakteurin Anna Fischer
 

 

 

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Anna Fischer
21.08.2014 - 19:45