Insolvenz

Wissenschaftler: „Wir können helfen“

Seit 48 Jahren ragt der Berliner Fernsehturm über der Hauptstadt und zählt zu einem der Wahrzeichen Berlins. Zu verdanken ist das dem Leipziger Unternehmen IMO. Doch die meldeten Insolvenz an und das, obwohl die Wissenschaft Rat gewusst hätte.
Das Wahrzeichen Berlins ist eines von vielen IMO-Bauwerken

Neben dem Fernsehturm hat die Industriemontagen Leipzig, kurz IMO, eine lange Liste an Bauwerken aus eigener Produktion vorzuweisen. So waren sie Anfang des 20. Jahrhunderts für das Dach des Neuen Rathauses in Leipzig zuständig. Auch zur Fußball-WM 2006 waren sie am Bau von über zehn Stadien, darunter auch die Allianzarena in München, beteiligt. Zu weiteren Projekten der IMO Leipzig zählen der Stahlbau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main, die Elbphilharmonie in Hamburg und diverse moderne ostdeutsche Kraftwerke nach dem Mauerfall.

Veränderung nimmt keine Rücksicht

Die Firma mit Sitz in Paunsdorf blickt auf eine Geschichte von über 100 Jahren Tradition zurück. Zu DDR-Zeiten war die IMO primär für den Bau von Atomkraftwerken und Infrastruktur zuständig. Das änderte sich nach der Wende und führte dazu, dass das Unternehmen modernere Kraftwerke für die neuen Bundesländer bauen sollte. Zum Nachteil für das Unternehmen änderte die Bundesregierung ihre Energiepolitik und wandte sich vom Bau von Großkraftwerken ab. Mit dem Beginn der Energiewende brach für die IMO ein großer Geschäftszweig weg.

Ein zweites Standbein für das Leipziger Unternehmen war der Zweigstelle in St. Petersburg, Russland. Ungünstigerweise fiel auch dieses, durch die von der Bundesregierung verhängten Russlandsanktionen, weg. Mit einer so starken Veränderung des Marktes scheint die IMO nicht gerechnet zu haben. Auch Insolvenzverwalter Lothar Schwartz sieht die Energiewende und die Russlandsanktionen als maßgebliche Gründe für die Insolvenz. Außerdem schließt man bei dem Leipziger Unternehmen einen Wechsel zu grüner Energie vorerst aus.

Sie können ja nicht aus dem fahrenden Zug sofort umsteigen, dass macht für die IMO Leipzig keinen Sinn.

Wolfgang Topf, Geschäftsführer bei IMO

Der Lauf der Dinge

Das Drama für die IMO hat am Freitag, dem 21. Juli, begonnen. An diesem Tag wurde die Zahlungsunfähigkeit beim Insolvenzgericht Leipzig beantragt. Am 24. Juli stand dann fest, dass Prof. Dr. Nicolas Schneider der vorläufige Insolvenzverwalter des Leipziger Unternehmens wird. Einen Tag später begannen die Auftakts-Gespräche. Es galt zu klären: Was nun zu erledigen ist. Es wurden die ersten Kundengespräche geführt und die Mitarbeiterfrage wurde angerissen. Zwei Ziele kristallisierten sich heraus - zum einen der Unternehmenserhalt und zum anderen der Belegschaftserhalt. Letzterer betrifft allein in Leipzig 230 Festangestellte.

Ich möchte gerne dazu sagen, dass die Mitarbeiter den Mut fassen sollen, dass es weitergeht und auf ihre Leistungen vertrauen.

Wolfgang Topf, Geschäftsführer bei IMO

Die Niederlassungen in Kasachstan und St. Petersburg seien von der Insolvenz allerdings nicht betroffen.

Erste Hilfe Fraunhofer

Beim Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) relativiert man die Situation der IMO. So gebe es politische Veränderungen in diversen Formen und damit müssten Unternehmen rechnen. Jedoch könne man mit einem Risikomanagement eine Menge dagegen unternehmen. Es sei ratsam, unterschiedliche Zweige aufzubauen und in verschiedenen Regionen tätig zu sein. Außerdem verweist Steffen Preissler vom Fraunhofer-Zentrum darauf, dass die Wissenschaft Unterstützung leisten könne. Wissenschaftler hätten einen anderen Blick. So würden Firmen sich an deren Kunden und dem Markt orientieren. Dabei kämen dann bestenfalls finanzielle Risikoanalysen zustande, aber keine politischen. Preissler geht davon aus, dass die IMO Leipzig gute Chancen hat, wieder solvent zu werden.

Weiteres dazu können Sie im Studiogespräch von mephisto 97.6 Redakteurin Raphaela Fietta und Moderatorin Ina Beyer nachhören:

Ein Studiogespräch von Raphaela Fietta
Ein Studiogespräch von Raphaela Fieta
 

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