Ωracles im Interview

"Wir machen das nicht für den Superfame"

Wie ein Ritterschlag muss es sich anfühlen, von Pete Doherty gelobt zu werden. Genau diese Ehre wurde der Band Ωracles zu teil – und das obwohl die Band erst seit einem Jahr existiert. Das bringt viel Aufmerksamkeit und hohe Erwartungen mit sich.
Die Band Oracles
Ωracles zu Gast im Tanzcafé Ilses Erika in Leipzig

Nils, Joshua, Dennis, Niklas und Hanitra – fünf Freunde, die durch die Musik zusammengefunden haben. Vor gut einem Jahr gründeten sie die Band Ωracles. Zuvor haben alle schon in anderen Projekten und Bands Erfahrungen gesammelt. Nils hat beispielsweise mit seinem Soloprojekt Vomit Heat auf sich aufmerksam gemacht und der ein oder andere wird den Hit "Fireworks" von Joshuas Band beat!beat!beat! aus der Indiedisko noch kennen.

Hanitra kam erst im Frühjahr 2014 dazu und komplettierte somit die Band. Eigentlich spielt sie seit ihrer Kindheit Geige. Bei Ωracles steht sie nun am Keyboard – eine ganz neue Erfahrung also. 

Die erste Probe war sehr anstrengend, weil ich mit Sachen konfrontiert wurde, die ich zuvor noch nicht gemacht habe. Aber dann hat sich herauskristalliert, dass das klappt und da bin ich da irgendwie reingewachsen … worden.

Hanitra

So wächst zusammen, was zusammengehört. Wie ein harmonisches Konzept wirkt das Projekt Ωracles. Die Musik lässt sich am besten als ein Gemisch aus Shoegaze und Krautrock mit psychedelischem Anstrich beschreiben. Passend dazu ist das Cover ihrer ersten EP „Stanford Torus“ im Vintage-Look gestaltet. Das Video zur ersten Single „Melt tonight“ wurde im 70er-Jahre-Stil gedreht und rundet das Ganze ab.

Als kleinen Sommerhit feierte die Presse die erste Single. Auch darüber hinaus wird Ωracles von den Medien eine große Zukunft prophezeit. Darüber freuen sich die fünf Musiker, aber beeinflussen lassen wollen sie sich von dem Druck nicht.

Dass das, was wir machen, gut ankommt, ist sehr schön. Denn natürlich wollen wir Platten verkaufen und Touren spielen. Das geht natürlich gar nicht ohne Aufmerksamkeit, aber sollte der Zuspruch nicht mehr da sein, kann sich auch eine Fanbase von 20 Leuten sicher sein, dass wir Platten machen werden. Denn wir machen das jetzt hier nicht für den Superfame.

Joshua

Sogar das britische Musikmagazin NME ist schon aufmerksam geworden auf die Band aus Deutschland. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Pete Doherty bezeichnete Ωracles als „Shit hot“. Kennen gelernt haben sie sich in Hamburg. Der exzentrische Musiker und die Band haben dort im gleichen Studio ihre Platten aufgenommen. Doch wie geht die Band mit solch einer Unterstützung um?

Es war aufregend, ihn zu treffen und es ist sehr nett, dass er das über uns gesagt hat. Ich glaube aber nicht, dass alles was gerade passiert, darauf basiert, was Pete Doherty über uns gesagt hat.

Joshua

Dass die Band jetzt schon einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht hat, macht sich bei ihrer ersten Clubtour bemerkbar. Ihre Konzerte sind jetzt schon mehr als gut besucht. Ωracles testen ihre Songs vor dem Publikum noch aus. Da wird viel improvisiert, zum Teil gejammt. Auf der Bühne präsentieren sich die Fünf sicher. Sie wirken aufeinander eingespielt, treten als Einheit auf. Joshua erinnert sich daran, dass das aber nicht von Anfang so war.

Das "Sich-auf-der-Bühne-präsentieren" fühlt sich von Mal zu Mal weniger so an, weil man tatsächlich weniger darüber nachdenkt. Bei den ersten zehn Konzerten hat man sich noch Gedanken gemacht wie "Spiel ich das alles richtig, kann ich mich an die Texte erinnern und steh ich dabei die ganze Zeit nur doof rum?" Das fällt irgendwann total von einem ab und man kann sich so schön fallen lassen inzwischen.

Joshua

Einige Mitglieder der Band wohnen in Köln, andere in Berlin. Das Label „Cloud Hills“ sitzt in Hamburg. Das erschwert die Teambildung einer Band. Diese Situation erfordert ein hohes Maß an Organisation und bedeutet: viel reisen. Doch solch eine Fernbeziehung kann für eine Band auch sehr zuträglich sein:

Wir führen eine wertvolle Fernbeziehung. Das funktioniert im Moment gut, weil wir uns konzentriert in bestimmten Phasen treffen. Dann gehen wir die Sachen durch, spielen Konzerte und hocken aufeinander. Danach fährt dann aber jeder wieder in seine respektiven Wohnorte und dann sammeln wir wieder den Saft, um dann wieder was Neues zusammen zu machen. 

Dennis

So fördern sie also die Kreativität und vermeiden ein Aufeinanderhocken. Die Zeichen stehen somit gut für das erste Album. Daran arbeiten Ωracles momentan. Nach der ersten Clubtour geht die Band wieder ins Studio. Nächstes Jahr im Mai soll das Debüt dann erscheinen.

 

Ωracles im Interview mit Musikredakteurin Peggy Strauchmann
 

 

 

Kommentieren

Peggy Strauchmann
08.12.2014 - 15:41
  Kultur

Mehr Informationen finden Sie hier.