Exoskelette

Willst Du mit mir gehen?

Erinnern Sie sich an "RoboCop"? Im Jahr 1987 machte der Kinofilm die Idee von Roboter-Prothesen für Menschen weltberühmt. Heute werden Exoskelette in der Physiotherapie eingesetzt: Sie helfen Querschnittsgelähmten, wieder aufrecht zu gehen.
Der "HAL Robot Suit" der Firma Cyberdyne Care Robotics

Andre van Rüschen ist seit 2002 querschnittsgelähmt. Bei einem Autounfall wurde sein Rückenmark unterhalb des zwölften Brustwirbels durchtrennt. Doch seit zwei Jahren kann van Rüschen trotzdem wieder laufen, zumindest für einige Stunden am Tag. Er nutzt ein Exoskelett, sozusagen eine elektronisch betriebene Prothese, die von den Füßen bis zur Hüfte umgeschnallt wird - und die ihm erlaubt, wieder aufrecht zu gehen, erklärt er. 

Auf einer Art Armbanduhr kann Andre zwischen den Modi Sitzen, Stehen, Gehen und Treppensteigen umschalten. So wird dem Computer im Rucksack übermittelt, welche Bewegung der Exoskelett-Träger als Nächstes ausführen will. Ein Neigungssensor auf Hüfthöhe erkennt, wie van Rüschen beim Laufen seinen Oberkörper neigt und dadurch den körperlichen Schwerpunkt verlagert. 

Ein bisschen wie Autofahren 

Die Bewegung mit dem Exoskelett brauche durchaus Übung, es sei ein bisschen wie Autofahren lernen, sagt van Rüschen. Den größten Vorteil des Exoskeletts sieht er darin, dass er im Alltag wieder mobiler geworden ist. Eine Akkulaufzeit reiche für etwa 4 Stunden - damit kommt van Rüschen meist über den ganzen Tag, da das Exoskelett ja nicht durchgehend benutzt wird. 

Das Gerät wurde von der Firma ReWalk Robotics entwickelt. Sie ist eines von einer Handvoll Unternehmen weltweit, die die Roboter-Prothesen für ein paar Hundert Patienten anbieten. Walter Dippe, Clinical Trainer für ReWalk Robotics, betont: Das Laufen mit dem Exoskelett könne den Betroffenen auch bei der Rehabilitation helfen, indem etwa die Oberkörper-Muskulatur wieder gestärkt werde. 

Elektroden übertragen Impulse an das Exoskelett

Das Exoskelett von ReWalk ist vor allem als Alltagshilfe gedacht. Einen anderen Ansatz verfolgt die Firma Cyberdyne Care Robotics: Ihr Exoskelett wird nur in der Physiotherapie im Krankenhaus eingesetzt. Der sogenannte "HAL Robot Suit" von Cyberdyne wurde für Querschnittgelähmte und Schlaganfallpatienten entwickelt, die noch Restfunktionen in den Beinen haben.

Über Elektroden, die an wichtigen Muskelpartien angebracht werden, lassen sich Bewegungsanstrengungen des Patienten registrieren. So wird beispielsweise die Information, dass ein Exoskelett-Träger sein linkes Bein heben möchte, an den eingebauten Computer weitergeleitet, um dann die Hüft- und Kniegelenke in der Bewegung zu unterstützen. Drei Monate lang müssen die Nutzer des "HAL Robot Suit" fünfmal pro Woche zur Therapie. Tests haben gezeigt, dass die Patienten am Ende der Behandlung weitere Strecken zurücklegen konnten und dabei auch noch schneller waren, erklärt Alexis Brinkemper, Sportwissenschaftler bei Cyberdyne. 

 

Kein Wunderheilmittel 

Obgleich das Exoskelett von ReWalk ebenso wie die Roboter-Prothese von Cyberdyne große Vorteile für Alltag und Rehabilitation von Gelähmten bringen können: Ein Wunderheilmittel sind sie nicht. Die Entwickler der Geräte betonen, dass ihre Roboter-Prothesen nur eine Ergänzung zu Rollstuhl und Physiotherapie darstellen. Ein Stück Freiheit können sie den Betroffenen dennoch zurückgeben. 

Ein Beitrag von mephisto 97.6-Redakteur Tobias Schmutzler über Exoskelette.
 
 

Kommentieren

Tobias Schmutzler
25.03.2015 - 18:29
  Wissen