Stadt teilen: Schönefeld

Willkommenskultur in Schönefeld

Im Leipziger Stadtteil Schönefeld sind für 2016 drei neue Flüchtlingsunterkünfte geplant. Es gibt skeptische Stimmen, aber auch eine lebendige Willkommenskultur – ein Besuch im Stadtteil.
Ein eritreischer Kochabend in Schönefeld
Ein eritreischer Kochabend in Schönefeld

Die Initiative „Engagiert für Geflüchtete“ veranstaltet regelmäßig Kochabende für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Sie lädt dazu Geflüchtete und Leipziger zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Es werden verschiedene Gerichte aus den Herkunftsländern der Geflüchteten gekocht.

 Es gibt immer ein Kochteam, das eben andere bekocht. Gäste können kommen, können quatschen,  können hier was unternehmen, können was spielen, können essen.

Caro Becker*, Mitglied der Initiative „Engagiert für Geflüchtete“

Versammelt an der Tafel
Versammelt an der Tafel

Das Projekt entstand vor drei Jahren, als zum ersten Mal Geflüchtete in einer Notunterkunft in Schönefeld unterkamen . Dort wurden die Geflüchteten von einem Catering Service beliefert und hatten keine Möglichkeit selbst zu kochen. Deshalb begann die Initiative „Engagiert für Geflüchtete“ Kochabende zu organisieren und schaffte damit einen Ort in der Nachbarschaft, an dem sich Schönefelder und Geflüchtete kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken können. Inzwischen ist das Interesse an der Veranstaltung so gewachsen, dass um die 100 Geflüchtete und Interessierte aus ganz Leipzig zu den Kochabenden kommen.

mephisto 97.6-Redakteurinnen Lara Lorenz und Pauline Beerbaum über die Willkommenskultur in Schönefeld

Lara Lorenz (Sprecherin) und Pauline Beerbaum über die Willkommenskultur in Schönefeld
Lara Lorenz (Sprecherin) und Pauline Beerbaum über die Willkommenskultur in Schönefeld

Neue Flüchtlingsunterkünfte in Schönefeld

2013 waren zum ersten Mal Geflüchtete in Schönefeld untergebracht: Das ehemalige Fechner-Gymnasium wurde für vier Monate als Notunterkunft genutzt. Obwohl dort nur für kurze Zeit Geflüchtete untergebracht wurden, kam es im Stadtteil zu Protesten gegen die Unterkunft. Momentan leben fast 60 Geflüchtete in einer dezentralen Unterkunft in der Stöckelstraße. Gegen diese Unterkunft hat es bisher keine Proteste gegeben. Alles verläuft ruhig.

Man könnte sagen, [die Situation in Schönefeld ist] wie ein ruhender Vulkan: Es brodelt verbal unter der Oberfläche, aber es gibt keinen Grund für den Ausbruch.

Bernd Othmer, stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins Schönefeld

2016 sollen weitere Geflüchtete nach Schönefeld kommen. In der Braunstraße sind eine dezentrale Unterkunft mit 250 Plätzen und zwei Erstaufnahmeeinrichtungen mit insgesamt 1500 Plätzen geplant. Diese Pläne machen einigen Schönefeldern Sorgen. Sie befürchten, dass die großen Unterkünfte erneute Proteste gegen Geflüchtete in Schönefeld auslösen könnten.

Geflüchteten das Ankommen in Schönefeld erleichtern

Ein anderes Projekt für Flüchtlinge in Schönefeld ist die Willkommensinitiative. Sie besteht unter anderem aus Kirchgemeinden, dem Bürgerverein, dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) und Privatpersonen. Auch die Initiative gründete sich als Reaktion auf die Proteste gegen die erste Flüchtlingsunterkunft in Schönefeld. Sie vernetzt verschiedene Vereine und organisiert Austausch und monatliche Treffen. Die Willkommensinitiative will den Flüchtlingen Deutschkurse ermöglichen und später bei der Wohnungssuche helfen. Dabei legt sie Wert darauf, bedarfsorientiert zu handeln und sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Flüchtlinge zu richten. Der Sprecher der Willkommensinitiative und Geschäftsführer des CVJM Aaron Büchel-Bernhardt betont, dass dabei der Dialog mit allen Beteiligten besonders wichtig sei. Er wünscht sich, dass Alt- und Neuschönefelder offen aufeinander zu gehen.

Es ist eine gute Chance, […] Kontaktmöglichkeiten zu schaffen. Wenn man jemanden kennenlernt, dann kann man schon mal schwerer sagen „Ich hasse dich“ oder „Du musst weg hier“.

Anna Müller*, arbeitet in Schönefeld

* Namen von der Redaktion geändert

 

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Pauline Beerbaum, Lara Lorenz
23.02.2016 - 12:27