Gespräche auf dem Roten Sofa

Wie im Flug durch die Welt

1989 – Drei junge Männer machen sich auf die Reise, um den Ostblock zu entdecken. Über die unterschiedlichen Wege, die sie dann einschlagen, schreibt Robert Gold in seinem Debütroman „Flieg ich durch die Welt“.
Robert Gold im Gespräch
Robert Gold hörte vorher nie auf den Text, benannte aber seinen ersten Roman nach einer Zeile aus Citys "Am Fenster".

Michi (alias Pascal), Wolle und Angelo stehen vor einem Neubeginn. Das Abitur in der Tasche trampen sie nach Bulgarien. Jeder ist am meisten mit sich selbst beschäftigt, die Probleme der anderen erkennen sie nur, weil das schlechte Gewissen sie irgendwann dazu zwingt. Und dann fällt auch noch plötzlich die Mauer…

Ein Buch voller süßer Erotik, anmutender Ehrlichkeit und strebsamem Leichtsinn - aber auch ein weiterer Roman über das Erwachsenwerden im Einklang mit dem Mauerfall. Und doch schafft es Robert Gold zwischen Frauengeschichten, Drogengeschäfte und Weltenbummlerei eine unerwartete Spannung in seinen Roman zu bringen. Die Frage nach Angelos Schicksal windet sich wie ein roter Faden durch das Buch und ist mit allem verknüpft, was geschehen soll.

Eine Frage der Perspektive

"Sie hat von Armut und Verfall gesprochen, nicht von Trabbis und Freizeitsport“ entgegnete Angelo, der bis dahin stumm aus dem Zugfenster gestarrt hatte. „Kannst du dir eine Verkäuferin in Dresden vorstellen, die feuchte Augen bekommt, wenn sie an Kaffee oder Zucker riecht?“

S. 139

Robert Gold beschreibt seine Figuren ehrlich und immer wieder auch durch die Augen der anderen. So sympathisiert der Leser erst mit der einen Person, die aber schon im nächsten Moment durch eine neue Perspektive in einem ganz anderen Licht steht. Ziele wie New York oder Thailand gehören zum Pflichtprogramm junger Ostberliner, wie mittlerweile die englische Sprache zu Berlin. Und doch bleibt die Welt bei Robert Gold eine kleine, wenn in Thailand die Mädels das Titellied des Romans sächseln und die Jungs es berlinern.

„Flieg ich durch die Welt“

So lautet nämlich nicht nur Robert Golds Roman, sondern auch eine Liedzeile der Band City. 1978 veröffentlichte die Band City ihren Song „Am Fenster“, der als Klassiker der DDR-Rockmusik gilt.

Einmal wissen, dieses bleibt für immer. / Ist nicht Rausch, der schon die Nacht verklagt. / Ist nicht Farbschmelz noch Kerzenschimmer. / Von dem Grau des Morgens längst verjagt. / Einmal fassen, tief im Blute fühlen. / Dies ist mein und es ist nur durch dich. / Klagt ein Vogel, ach, auch mein Gefieder / Nässt der Regen, flieg ich durch die Welt. / Flieg ich durch die Welt, / Flieg ich durch die Welt.

„Am Fenster“ von City, S. 285

Was darf es noch sein?

Für alle Berlinfans gibt es einen Restaurantführer inklusive. Golds Protagonist Wolle ist in der Berliner Gastronomielandschaft zu Hause und kennt die Insidertipps von damals. Sein Kumpel Michi alias Pascal geht gerne ins Borchardt. In Berlins Promitreff Nr. 1 wird es heute wahrscheinlich schwierig werden einen Tisch zu bekommen.

Pascal sehnte sich plötzlich nach den Platanen von Palermo, einem Drink auf der sommerlichen Hotelterrasse und den dunklen gurrenden Stimmen der argentinischen Stylistinnen. Er fragte seine Kollegin, ob er sie auf ein Schnitzel im Borchardt einladen dürfe, doch sie lehnte ab.

S. 318

Endlich 30

Das Ende kommt nicht überraschend und es kommt im Flug, denn die Spannung fällt nicht ab und so liest und liest der fleißige Leser. Letztlich steht ein 30. Geburtstag an und damit ist klar, hier wird der Schlussstrich gezogen. Hier ist die Jugend vorbei. Man wird eben nur 27…28…29…, aber bitte nicht 30.

Robert Gold spricht mit Redakteurin Hannah Burmeister über seinen Debütroman "Flieg ich durch dice Welt".
Robert Gold im Gespräch
 

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Robert Gold, geboren 1970 in Ostberlin, absolvierte ein Diplomstudium der Kommunikation an der HdK Berlin. Nach seinem Abschluss gründete er die Filmproduktionsfirma »Bigfish«. Seit 2014 arbeitet Gold als Creative Producer für die NDR-Serie »Der Tatortreiniger«. Heute lebt er wieder in Berlin.

»Flieg ich durch die Welt« ist sein erster Roman. 368 Seiten, Eulenspiegel Verlag, 19,90 Euro