Gespräche auf dem Roten Sofa

Wie ein Mann sein Gesicht sucht

Er habe zwei Augen. Recht viel mehr weiß der Mann nicht über sich zu sagen. Der Autor Matthias Zschokke spinnt daraus eine Liebesgeschichte.
Matthias Zschokke im Gespräch mit Moderatorin Magdalena

Der Roman „Der Mann mit den zwei Augen“ beginnt mit dem Selbstmord einer Frau, mit der besagter Mann zusammenlebt. Dass es nicht nur irgendeine Frau ist, das Zusammenwohnen nicht nur Zufall, die Beziehung nicht nur Zweck, sondern tatsächlich eine besondere Liebe ist, das zeigt sich nach und nach.

„Sie stand, während er so philosophierte, neben ihm am Fenster und schaute den Hagelkörnern zu, die linsengroß waren und von den Blumenkästen auf der Balkonbrüstung zu Boden hüpften. (…) Wenn er sie so dastehen sah, klopfte ihm manchmal das Herz hinter den Ohren und in den Fersen vor Glück.“

Ziele?

Der Mann mit den zwei Augen lässt sein altes Leben hinter sich, begibt sich nach Harenberg, einer Stadt, in der es sich gut entspannen ließe, wie die Frau einmal sagte. Hier versucht er, ein Ziel seines Lebens zu finden, oder vielleicht will er auch nichts finden, sondern nur sein, und vielleicht nicht einmal das. Mit den Zielen scheint es bei Matthias Zschokke eine besondere Bewandtnis zu haben. Ziellosigkeit, die Suche nach einem Anker, das sind häufig wiederkehrende Motive seines Schreibens.

Die Barfrau

Doch es scheint bald so, als habe der Mann mit den zwei Augen, etwas gefunden, das ihn hält: Die Barfrau Rosaura, in der Pension, in die er sich einquartiert. Zwei Frauen, ein Mann, ein Roman, der sich nicht einfach fassen lässt, ein Liebesroman, von dem man guten Gewissens sagen kann, dass er die Liebe neu erfindet.

Autor

Matthias Zschokke ist 1954 in Bern geboren und lebt seit 1980 in Berlin. Der ausgebildete Schauspieler, der vor dem Schreiben am Schauspielhaus Bochum engagiert war, schreibt Prosatexte und Theaterstücke. Außerdem hat er als Drehbuchautor und Regisseur bereits drei Filme realisiert. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Unter anderem den Solothurner Literaturpreis, eine Förderung des Deutschen Literaturfonds sowie den Schweizer Literaturpreis.

Zschokke
Matthias Zschokke im Gespräch mit Moderatorin Magdalena Dick
Tschokke
 

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Magdalena Dick
18.03.2014 - 09:39
  Kultur