Literatur

Wie in den Nachrichten

Die Verbindung zwischen Deutschland und dem Nahen Osten ist ein Thema, dem sich der deutsch-kurdische Autor Sherko Fatah immer wieder annimmt. In seinem aktuellen Roman „Der letzte Ort“ lässt er seinen Protagonisten das zerrüttete Land besuchen.
'Der letzte Ort' von Sherko Fatah fesselt seine Leser.

Immer wieder schreibt Fatah über Grenzen. Jedoch nicht nur über Grenzen zwischen Ländern, sondern auch über gesellschaftliche und geistige Grenzen. „Der letzte Ort“ beschreibt die Odyssee des deutschen Albert. Denn obwohl er im Irak nur auf der Suche nach selten naturwissenschaftlichen Fundstücken war, lernt er das Land von einer ganz anderen Seite kennen. Zusammen mit seinem Übersetzer Osama wird er entführt. Sie lernen sich kennen, und sein Mitgefangener versucht ihm die fremde Kultur nahe zu bringen – ohne großen Erfolg.

Davon handelt der Roman „Das letzte Land“ eigentlich. Von den Grenzen im Kopf, die schwer zu überwinden sind. Eine Frage, der Fatah schon in vielen Romanen nachgegangen ist. Doch diesmal erforscht er diese Grenzen in einem anderen Land. Es ist diesmal keine Iraki in Deutschland, sondern ein Urdeutscher im Irak. Auf diese Weise gewinnt der Roman an Aktualität, die über die Erforschung einer multikulturellen Gesellschaft hinausgeht. Er blickt in das fremde Land und versucht zu zeigen, dass es anders ist und schwer zu verstehen – auch wenn es uns teilweise näher ist, als wir auf den ersten Blick sehen. Davon zeugen zumindest die Rückbesinnungen der Protagonisten, die den Figuren mehr Tiefe geben.

Dennoch handelt es sich nicht um ein kompliziertes Vexierspiel, sondern vielmehr um ein Kammerstück. Es geht nicht um hohe Politik, sondern um die Beziehung zweier Menschen in einer besonderen Situation. Die ist jedoch nicht sehr authentisch beschrieben, sondern wirkt etwas holzschnittartig, wie die stereotypen Bilder, die jeder Zuschauer nach einer Entführungsmeldung in den Nachrichten im Kopf hat. Doch die Situation im Irak hat Fatah sehr genau erfasst und schafft es auf subtile Weise, die Probleme zu beschreiben.

Eine Buchrezension von Thilo Körting über "Der letzte Ort" von Sherko Fatah.
Rezi Der letzte Ort
 

Kommentieren

Thilo Körting
25.08.2014 - 10:26
  Kultur