Die Kolumne

Wichteln in der Weihnachtsfabrik

Es ist die letzte Kolumne im Jahr 2014 und Kolumnistin Julia Grünwald blickt zurück auf die Glanzstunden der deutschen Politik. Außerdem empfiehlt sie Nachhilfestunden für Legida-Demonstranten. Wäre ja was für's nächste Jahr.
Die Kolumne wird nicht auf der Schreibmaschine geschrieben. Aber so ein Retro-Symbolbild hat doch was, oder!?

Julia Grünwald über Statistikverfälscher, Nachhilfe für verwirrte Knalltüten und Helene Fischer.

Die Kolumne von Julia Grünwald: Wichteln in der Weihnachtsfabrik.
Kolumne 1912

Das ifo-Institut in Dresden hat herausgefunden, dass einige ostdeutsche Unternehmen mit Stellenstreichungen auf den nahenden Mindestlohn reagieren wollen. Macht das Schätzchen der GroKo am Ende doch keinen Unterschied?

Kolumnistin Julia Grünwald

Waaaaaas? Die Wirtschaft hat ein Schlupfloch gefunden, um den geplanten Mindestlohn zu umgehen? Ich bin erschüttert. Das hatte ja nun niemand erwartet?! Dabei hat die Große Koalition das Konzept doch soooooo gut ausgearbeitet. Klang doch bislang alles vielversprechend – naja zumindest manches: Endlich bekommen alle Studenten für freiwillige Praktika Geld und werden nicht mehr wie Wichtel in der Weihnachtsfabrik ausgebeutet. Unterm Strich soll also jeder Angestellte mindestens 8,50 Euro die Stunde verdienen. Eigentlich traurig, dass man dafür erst ein Gesetz auf den Weg bringen muss. Leider leider hat das Gesetz aber so viele Lücken, dass eben nicht jeder mehr Geld in der Tasche hat. Unterm Strich wird also das Prunkstück der GroKo die Arbeitslosenzahlen pushen. Naja, was soll's. Schließlich müssen die Statistikverfälscher ja auch was tun haben.

Die erste Legida-Demo wurde für Januar angemeldet. Gegenbewegung No Legida hat auf Facebook mittlerweile mehr Likes als Lediga. Ein Grund, auf unser Leipzig stolz zu sein?

Puh…ich sag mal so: Toll, dass es in Leipzig mehr klar denkende Menschen gibt, als jene, die leider in der Schule nicht aufgepasst haben. An sich ist das ja ein Hoffnungsschimmer. Aber: Reicht es, sich zu einer Gegendemonstration zusammenzufinden? Ich meine, was will man damit ausdrücken? Ich bin gegen die Gegner, die gegen den Staat sind. Ja sicher, man muss den verirrten Knalltüten zeigen, dass sie falsch liegen und der Rest von Leipzig nicht der gleichen Meinung ist. Noch cooler wäre es doch aber, wenn die über 8.000 No Legida Demonstranten den Legida-Verwirrten Nachhilfe geben würden. Hilfe zur Selbsthilfe so zu sagen. Denn nur, weil man zu einer Gegendemonstration aufruft, ist das Problem ja noch nicht gelöst.

Das ist die letzte Kolumne dieses Jahr. Was hast du dem Jahr 2014 noch zu sagen?

Danke, war nett mit dir. Du hast mir viele schöne Momente beschert. Wir sind Weltmeister und so…war das eigentlich noch dieses Jahr? Man, wie lange das schon wieder her ist. Naja einige Momente, die noch nicht so lang zurückliegen, möchte ich dann doch lieber vergessen: zum Beispiel die niedrige Wahlbeteiligung bei der sächsischen Landtagswahl, den Aufstieg der AfD und Helene Fischer als Gewinnerin der Superhenne.

Und nächstes Jahr?

Genieße ich den Mindestlohn als studentische Praktikantin. Yeah! Und ich freue mich auf den hoffentlich endenden Tarifstreit mit der teuflischen Bahn.

 

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Die Kolumne: Immer mit den guten Fragen der Woche und immer freitags im Faustschlag.