Band im Interview

"We are all dreamers"

Während manche Musiker ihre Karriere aufgeben müssen, bevor sie überhaupt richtig begann, leben die Jungs von WhoMadeWho ihren Traum. Auf der Bühne haben sie Spaß. Und der macht ihnen seit zehn Jahren möglich mit ihrer Musik erfolgreich zu sein.
WhoMadeWho in der Distillery
WhoMadeWho auf der Bühne

WhoMadeWho - das sind Jeppe Kjellberg, zuständig für Gesang und Gitarre, Tomas Hoffding zuständig für Gesang und Bass und Tomas Barfod am Schlagzeug. Letztere Position variiert aufgrund anderer Bandprojekte Barfods aber immer wieder. Seit zehn Jahren existiert die Band, seit sie zwölf oder fünfzehn waren gibt es sie nicht mehr ohne ihre Instrumente. Und seit zehn Jahren haben die Jungs mit ihrer großteils verrückten elektronischen Musik Erfolg. Und zwar so viel, dass sie davon leben können. 

Mittlerweile haben sie ihr sechstes Album namens "Dreams" veröffentlicht. Zu hören sind ungewohnte Stücke. Die einen mögen es, die anderen legen ihren Unmut in Kommentare und Rezensionen und rufen die Band auf, "sich zusammen zu reißen". 

WhoMadeWho

Für das Video zur ersten Singleauskopplung "The Morning" wurden Bilder und Videos von Fans kurz nach dem Aufwachen zusammengeschnitten. Für ihr Publikum lässt sich die Band immer etwas einfallen, um die Leute in den Entstehungsprozess und die Musik zu integrieren.
Das ganze Interview von mephisto 97.6–Reporter Felix Schmidt hier in Deutsch und zum Nachhören auf Englisch:

Interview mit Jeppe Kjellberg und Tomas Hoffding von WhoMadeWho

Interview von und mit mephisto 97.6 - Felix Schmidt

 

Felix Schmidt (mephisto 97.6): Euer neues Album heißt "Dreams" genau wie auch eure Tour. Fragen euch die Leute jetzt eigentlich ständig über eure Träume?

Tomas Hoffding: Ja, das machen sie tatsächlich. Die Antwort ist: Besonders bei dieser Tour leben wir unseren Traum, auch wenn es super klischeehaft klingt. Wir spielen professionell Musik, seitdem wir etwa 20 Jahre alt sind und das ist wovon du ungefähr träumst, wenn du etwa zwölf oder fünfzehn Jahre alt bist und anfängst auf deinen Instrumenten zu üben. Es ist großartig, dass wir ja eigentlich nur im Studio sitzen und Geräusche machen. Und plötzlich haben wir einen Tourbus, einen Tontechniker und einen Tourmanager und eine ausverkaufte Tour mit tausenden Leuten die kommen, die dann noch glücklicher vom Konzert nach Hause gehen, als sie hingekommen sind. Ich hab das Gefühl, dass wir den Leuten etwas geben, womit sie dann was anfangen können und wir uns nicht einfach nur einen auf uns selbst runterholen. Also würde ich schon in vielerlei Hinsicht sagen: Wir leben unseren Traum.

 

FS: Also geht's nicht um eure Träume im Schlaf.

Jeppe Kjellberg: Ich glaube Träume sind eine große Sache, wir sind alle Träumer und ich glaube auch, dass man als Band… Ein Freund von mir sagte letztens „Du hast so einen krassen Job, du lebst den Traum von so vielen alten Freunden, die aufgehört haben mit der Musik, die jetzt einen normalen festen Job haben und hart arbeiten und sie haben's aufgegeben. Aber du lebst es einfach.“  Also fühlen wir uns da schon sehr privilegiert. Man kann schon sagen, dass es ein bisschen schwierig ist, den Traum von so vielen anderen zu leben. Obwohl es eigentlich ein Witz ist, denn eigentlich ist es einfach nur purer Spaß. Wir haben einfach nur Glück und sind dafür aber auch sehr dankbar.

 

FS: Vor etwa einem Monat habt ihr euer Album veröffentlicht, was hat sich im Vergleich zum letzten Album verändert?

TH: Ich glaube, dass wir irgendwie… Unsere Geschichte beginnt ja mit der Veröffentlichung unseres ersten Albums und damit war's sehr leicht. Das war vor zehn Jahren und wir wurden einfach unter Vertrag genommen und konnten einfach auf der ganzen Welt spielen und hatten so eine Art Hype-Ding laufen, weil unsere Musik sehr trendy war. Und dann beim zweiten Album haben wir versucht aus diesem Hype-Ding heraus zu wachsen um eine normale Band mit einer normalen Tour zu werden. Ich glaube bis zum letzten Album "Brighter" haben wir irgendwie unseren Weg gefunden, wie wir's am besten zu machen haben. Und dann haben wir beim neuen Album gemerkt, dass es schön einfach und auch clever wäre, einfach alles so zu machen, wie gehabt. Dann haben wir uns aber gedacht „Scheiß drauf, das wäre langweilig und vielleicht auch unvorteilhaft, lass uns was ändern.“ Also haben wir uns entschlossen, auch wenn's jetzt im Nachhinein lustig klingt, keine Radio-Singles zu produzieren. „Scheiß auf's Radio, lass uns nur schöne Melodien machen.“ Der zweite Gedanke war, dass wir unsere Alben irgendwie immer auf spielerische Weise gemacht haben. Wir haben ein Instrumental gebaut, Jeppe oder ich haben eine Melodie drüber gepackt und wenn es noch nicht gut genug war, dann haben wir sie einfach dreimal übereinander gesungen; dann klingt es ein wenig komisch. Und dann würden wir ein paar Effekte und #*$(≈#..-Geräusche aufs Ganze legen und schon hat man ein Album. Das war cool und eine Menge Spaß. Aber dieses Mal wollten wir uns selbst herausfordern indem wir eben nicht diesen verrückten Produktionskram machen würden. Das hieß, dass die Texte viel wichtiger wurden... Und so kam dieses etwas weiblichere Album dabei raus und wir sind sehr sehr stolz darauf. Wir waren aber auch super aufgeregt, als das Album rauskam, weil wir festgestellt haben, dass wir ja eine große Fanbase auf der ganzen Welt haben und wir schon erwartet hatten, dass viele von denen sagen würden: „Hey verdammt, was zur Hölle habt ihr getan?!“ Aber glücklicherweise waren nur ein paar Rezensionen wirklich schlecht, aber wir bekamen auch bessere Einschätzungen als je zuvor. Außerdem ist die Tour ausverkauft. Wir wurden also dafür belohnt, dass wir uns mal was getraut haben.

 

JK: Ich glaube auch, dass es bei WhoMadeWho sehr darum geht, dass wir innerhalb der Band Spaß haben und uns gegenseitig herausfordern. Es ist sehr wichtig für uns unsere Grenzen auszutesten, an neue Orte zu gehen und am Entstehungsprozess des Albums Spaß zu haben. Wenn wir uns aber wiederholen, dann verlieren wir die Freude daran. Wenn wir dann auf die Bühne gehen um zu spielen, dann ist das wie ein beliebiger Job im Büro. Und das wollen wir ja nicht. Ich glaube die Leute spüren auch, dass wir etwas machen, was wir wirklich mögen. Und das inspiriert uns. Irgendwie überträgt sich das dann auch ins Publikum. Wenn die uns live hören, dann sehen die ein paar Typen, die da einen Riesenspaß zusammen haben und wenn wir da raus auf die Bühne gehen, dann fühlen wir uns gut, weil wir uns irgendwie in verschiedene Richtungen treiben und innerhalb der Musik eine gemeinsame Reise beschreiten. Das macht wirklich Spaß.

 

FS: Was macht denn ein Album weiblich?

TH: Das haben wir einfach hinterher festgestellt. Wir dachten nur „Wo liegt der Unterschied?“ Und es hatte den Anschein, dass wir über die Jahre hinweg… Viele Typen mochten uns möglicherweise nur, weil wir Bärte haben und weil wir so verrückte Sachen machen und viele Typen mögen ja auch so emotionale Popmusik nicht, weil es nicht kraftvoll genug ist. Und ich glaube viele fanden uns cool, weil wir eben so ungeschliffen und experimentierfreudig waren. Wenn du die ganzen verrückten Sachen weglässt, dann gibt es da nicht mehr so eine Art Schutz. Man wird verletzlicher. Wenn viel Verrücktheit in die Produktion einfließt, ist das eben, was die Leute sehen. Wenn man das weglässt, dann hört man vielleicht mehr die Gefühle in den Songs. Typen mögen glaube ich mehr diese verrückten Sachen und Frauen sprechen vielleicht eher auf die gefühlvollen Sachen an. Dieses neue Album hat definitiv einen gefühlvolleren Einfluss, als die vorherigen Alben. Das ist nicht, weil ich es liebe verrückte Sachen zu machen, sondern weil ich es mag neue Sachen auszuprobieren. 

 

FS: Ich habe ein Zitat von 'Pitchfork' über euch, das irgendwie schlecht aber irgendwie auch gut war: 'WhoMadeWho stehen am Rande zu etwas Großem. Sie haben alles, was man an Talent und Kreativität benötigt, um innovativen Pop zu machen. Aber mit "Dreams" haben sie es einfach nicht ganz geschafft. Schon wieder.'

JK: Ich find's sehr ehrlich und ziemlich harte Kritik, aber ich mag diese Ehrlichkeit. Für mich ist das ne coole Rezension, denn wir sind auf einer Reise auf der wir versuchen, unsere Talente und unsere verschiedenen Persönlichkeiten zu entdecken, um daraus das Beste zu holen. Und wenn der Typ, der das geschrieben hat, findet, dass wir da noch nicht angekommen sind, dann gebe ich ihm da völlig recht, denn wir können uns immer mehr entwickeln. Das hier ist ein Schritt und wir bewegen uns ja weiter. Also vielleicht wird er ja beim nächsten Album zufrieden sein. Ich mag das Gefühl, wenn man immer vorwärts kommt und an neue Stellen kommt. Ich bin wirklich stolz auf das was wir grad gemacht haben, aber ich glaube auch, dass wir noch eine weite Reise vor uns haben. Wir haben eine Menge Live-Shows gespielt und haben uns so richtig abgerackert, um ehrlich zu sein, sind wir eine der besten Live-Bands der Welt [lacht], Im Studio haben wir noch nicht unser Bestes erreicht. Aber da kommen wir langsam hin.

 

TH: Ich erinnere mich an diese Rezension. Und wir haben uns eigentlich vorgenommen das unter den Tisch fallen zu lassen, weil es so eine schlechte Rezension war. Was der Typ da sagt, heißt, es ist noch Luft nach oben. Dieser Kommentar gehört nicht zu denen, die dich traurig machen, weil es sich so angehört hat, als würde er uns wirklich mögen. Nach dem Motto: „Leute, ihr habt wirklich Talent, ich glaube an euch, aber ihr habt's noch nicht ganz geschafft. Reißt euch zusammen!“ Ich denke, das ist eine positive Sache.

 

JK: Wenn Leute dich runterholen wollen und sie es mit Liebe und Verständnis für die Band machen, dann haben die meinen tiefsten Respekt. Das war wirklich eine richtig gute Kritik. Wir haben auch solche "6-Sterne"-Kritiken bekommen wo dann so kommt „Das ist fantastisch, ich liebe es…“ Und wir denken dann, was zur Hölle reden die da? Die Musik wird dann nicht mal wirklich erwähnt und verstehen im Grunde gar nichts, sondern sagen einfach nur extrem nette Sachen. Ich mag's wenn es eher durch die Knochen geht und einen wachrüttelt.

 

FS: Ihr seid besonders für eure extravaganten Shows und Outfits bekannt. Wer stellt euch eure Stage-Outfits zusammen?

JK: Auf dieser Tour haben wir einen dänischen Designer namens Henrik Vibskov, er ist ein befreundeter Künstler und er rief uns letztens an: „Ich hab hier diese fantastischen Kleider, die ich für eine Ausstellung in Afrika gemacht habe. Ich glaube ihr würdet darin toll aussehen. Könnt ihr vorbeikommen und die anprobieren?“

Wir haben die dann anprobiert und waren echt glücklich damit. So ist das immer. Die Leute werden inspiriert, wenn sie uns Live sehen und dann kontaktieren die uns und sagen „Ihr solltet mal dieses Skelett-Outfit ausprobieren.“ Oder was auch immer. Und dafür sind wir sehr offen. Es ist tatsächlich so, dass die Leute einfach zu uns kommen und uns mit tollen Ideen versorgen. Da haben wir echt Glück.

 

FS: Um eure Fans über die Veröffentlichung eurer Single 'The Morning' auf dem Laufenden zu halten, habt ihr eine App entwickelt, die wie ein Wecker funktioniert. Die Band Metronomy hat ein Spiel als App rausgebracht. Ist das die Welt in der wir jetzt leben, in der Bands Apps programmieren um die Aufmerksamkeit der Fans zu erhalten?

TH: Ich glaube das kann man nicht einfach so schwarz oder weiß sehen. Ich glaube es gibt so viele Bands und es ist immer interessant neue Wege zu finden über die man mit den Leuten kommunizieren kann und ich glaube nicht, dass das was Schlechtes ist. Du machst dein Album, dann sind da die vielen Konzerte und drum herum ist viel Trubel, damit man gehört wird. Glücklicherweise waren wir immer in der Position, dass wir uns nicht darauf fokussieren müssen. Wir machen die Musik und arbeiten dann mit Leuten zusammen, die sich um alles andere kümmern. Ich finde das schon sehr interessant. Bei der 'The Morning'-App und auch beim Video dafür. Das war eher die Idee unseres Managers, aber wir fanden das cool und lustig. Das war eine Art Interaktion mit dem Publikum um Leute in "unser Universum" zu lassen.

 

JK: Es ist doch eine schöne Sache. Man hat eine Fanbase und dann belohnt man die. Zum Beispiel dem Video zu „The Morning“, da hast du tatsächlich deine Fans gesehen und sie sind in das Video integriert. Da haben sie also einen tatsächlichen Anteil am Song und man teilt so seine Musik mit ihnen. Und ich glaube das ist einfach eine flachere Struktur als damals, wo man einfach eine Single veröffentlicht hat und eine Fernseh-Werbung für seine Musik gemacht hat und fertig war's. Wir versuchen unsere Fans eins-zu-eins zu integrieren. Und auch nach dem Konzert gehen wir runter und hängen mit den Fans ab. Wir wollen einfach auf Augenhöhe mit ihnen stehen.

 

FS: Ihr habt bereits euer Video zu 'The Morning' erwähnt, bei dem die Leute dazu aufgerufen waren euch Fotos und Videos von sich kurz nach dem Aufwachen zu schicken. Was steht als nächstes an um eure Fans zu unterhalten beziehungsweise um sie mit einzubeziehen?

JK: Zuletzt haben wir für „Hiding in Darkness“ eine Installation auf einer Toilette, wo die pinkelnden Leute unterschiedliche Teile vom Song aktiviert haben. Das war vor einem Monat ungefähr. Ziemlich interessant sich vorzustellen, wie die Männer so zum Klo gehen ihr Bier zur Seite stellen und beim Pinkeln ins Urinal die Musik ertönt. Wir mögen so virile Sachen, weil das so auf einem „Street-Level" passiert.

 

TH: Es ist außerdem auch immer wichtig die Balance zu halten. Jeppe hat vorhin diese Anzüge erwähnt. Es gab vor fünf Jahren eine Zeit, wo wir immer in verrückten Kostümen gespielt haben. Und bei jedem Interview hieß es dann: „Was werdet ihr heute Abend tragen?“ Und jetzt haben wir für einige Jahre ziemlich normale Klamotten getragen, weil es so wichtig für uns selbst und für die Kommunikation, dass es um die Musik geht. Es wäre schade, wenn man das Gefühl hätte, dass es ein langweiliges Konzert wird nur weil man nicht gerade ein super verrücktes Outfit trägt. Glücklicherweise hatten wir über die letzten fünf Jahre so viele tolle Live-Gigs, bei denen wir in ganz normalen Sachen gespielt haben. Es hat Spaß gemacht, sich im Nachhinein die verrückten Verkleidungen nochmals anzusehen und gestern in Berlin haben Jeppe und ich tatsächlich einfach ohne Unterwäsche unter den normalen Klamotten gespielt. Das gab einem eine coole Energie, wie in den guten alten "Skelletanzug-Zeiten". Da waren wir vor dem Gig immer nackt, weil man in den Anzügen keine Unterwäsche tragen konnte. Und das gibt einem eine tolle Energie, wenn man sich umzieht und dann siehst du dein Gegenüber wie man von Gott geschaffen wurde. Jeppe ist ein sehr schöner Mann ohne Klamotten, das gibt mir einen tollen Kick [lacht]. Aber ja, eigentlich wollte ich sagen, dass man clevere Sachen machen muss um die Fans zu erreichen. Um aber die erste Frage zu beantworten: Man muss eine Balance haben. Wir sind in der glücklichen Lage, wo es in den Konzerten tatsächlich um die Musik geht. 

 

FS: Lasst uns noch über eure Labels sprechen, ihr habt mit vielen tollen Elektro-Labels zusammengearbeitet, wie Komma Records aus München, Get Physical aus Berlin…
Was ist der Vorteil, wenn man bei so vielen Labels gleichzeitig veröffentlicht?

JK: Unsere ersten beiden Alben haben wir bei Gomma veröffentlicht, die nächsten beiden bei Kompakt in Köln. Das war ein natürlicher Prozess. Die ersten beiden Alben haben so gut dorthin gepasst. Dann haben wir unsere künstlerische Richtung ein bisschen verändert und dann war es uns wichtig, das Szenario ein bisschen zu verändern, also sind wir zu Kompakt gegangen. Unsere letzten beiden Alben haben wir bei Kompakt gemacht und das war ein großer Spaß. Das letzte Album haben wir selbst veröffentlicht, weil wir etwas Neues ausprobieren wollten. Wir lieben den Prozess von ständiger Entwicklung, also versuchen wir das jetzt aus. Es scheint auch gut zu funktionieren. Vielleicht machen wir ja noch eins mehr und dann wechseln wir vielleicht wieder.

 

TH: Ich würde sagen, dass all die anderen Labels die du erwähnt hast…weil unsere Musik ursprünglich ja sehr elektronisch war, es cool für uns war, dass wir diesen Rockband-Anspruch hatten und aber auch dieses DJ-Ding. Das war cool, die Möglichkeit zu haben sowohl in DJ-Kreisen, als auch in Rockband-Kreisen unterwegs sein zu können. In den ersten fünf Jahren hat unsere Karriere eher als DJs begonnen. Vor fünf oder sechs Jahren haben wir uns dann entschlossen eher zu einem normalen Rockband-Ding überzugehen. Die ganze Elektro-Szene mit den ganzen Labels war wirklich spaßig. Ich hoffe, dass wir immer noch diesen ganzen Elektrokram machen können, auch wenn wir jetzt eher zu einer "normaleren" Band wurden. Ich mag die Art, wie die Elektro-Welt funktioniert. Da geht's nicht so sehr darum eine Band zu gründen und Leute dazu zu bringen zu einem bestimmten Konzert zu kommen, um die Band zu hören. Es ist eher flacher angesiedelt, dass irgendjemand in New Mexico dann plötzlich auch unsere Platte hat.

 

FS: Eure Band existiert jetzt seit zehn Jahren, wie sehr haben sich eure Leben während dieser Zeit verändert?

JK: WhoMadeWho ist uns sehr ans Herz gewachsen. Es hat als kleine Sache in unserem Leben begonnen und wurde dann immer größer und hat immer mehr von unserer Zeit beansprucht. Es ist schwer zu sagen, wie man sich verändert hat. Wir sind auch mit der Band gewachsen. Es war eine tolle Reise.

 

TH: Was passiert ist, ist dass wir beide Einzelkinder sind und jetzt jeder von uns einen Bruder hat. Weil wir ja immer zusammen touren und im Studio sind. Wenn du einen Freund hast, dann kann man sich manchmal aus dem Weg gehen, oder man sucht sich einen neuen Freund. Aber ich kann den einfach nicht los werden. Man entwickelt auf alle Fälle eine tiefe Beziehung über die Zeit.

 

FS: Die Distillery ist einer der ältesten Clubs in Ostdeutschland und steht immer mal kurz davor aufgrund von Privatisierung geschlossen zu werden. Gibt es das bei euch in Dänemark auch?

JK: Ja das passiert ständig.

 

TH: Sowas haben wir zum Beispiel bei uns in Kopenhagen. Der Club heißt „Stengade 30“ und war sehr alt und punkig und cool. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurde der ungefähr fünf Mal geschlossen und jedes Mal denkt man „Okay, jetzt isses vorbei.“ und immer wieder sammeln irgendwelche Leute Geld und sie machen den Laden wieder auf. Daran erinnert mich die Tille sehr.

 

JK: Man kann hier fühlen, dass da eine Geschichte in den Backsteinen steckt und dass hier an den Wochenenden viel abgegangen ist. Hier herrscht ein toller Techno-Vibe. In so einem Club zu spielen inspiriert uns sehr. Auch die Größe ist cool, das wird eine sehr intime Show.

 

 

 

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Marieke Wolter
24.04.2014 - 21:34
  Kultur

WhoMadeWho: Dreams

Erscheinungsdatum: 28.02.2014
Darup Associates (Indigo)