Frisch Gepresst: Yukon Blonde

What comes next?

Mit ihrem fünften Studioalbum meistern Yukon Blonde die Gratwanderung zwischen altbekannt und ganz neu.
Yukon Blonde
Yukon Blonde

Wer Yukon Blonde kennt, weiß, dass die Kanadier sich musikalisch schon häufiger mal verändert haben. Lagen ihre Anfänge 2010 noch irgendwo im Indie-Gitarrenrock, so sind sie jetzt im Psychedelic Synth-Pop angekommen. Auf ihrem neuen Album “Vindicator” kommen verschiedenste Einflüsse zusammen und ergeben ein buntes großes Ganzes.

 

Von Aufnahmen im Schrank

Im Gegensatz zu vorherigen Alben haben Yukon Blonde ihr fünftes Studioalbum komplett alleine geschrieben, aufgenommen und produziert. Gerade der Aspekt des Aufnehmens wurde für die Band spannend, denn anstatt sich auf ihren Übungsraum zu beschränken, wurden Teile der Platte im Kleiderschrank von Bassist James Younger oder in der Küche von Texter und Gitarrist Jeffrey Innes aufgenommen. Auch sonst haben sich Yukon Blonde erlaubt, alle Freiheiten zu nehmen, die sie wollten. Sie spielen mit Autotune, Synthie-Elementen und allem, worauf sie sonst noch gerade so Lust haben. So ist der Song “You Were Mine” in der zweiten Hälfte ein sich immer wiederholender Beat, auf den mit verzerrter Stimme gesprochen wird, was schon fast ein bisschen an Daft Punk erinnert. An anderer Stelle, nämlich in der Post-Break-Up-Nummer “Good Times”, taucht mittendrin ein Bassdrop auf, dem ein Beat folgt, den man in einem überfüllten Club erwarten würde. Wenn Yukon Blonde nicht gerade Partystimmung erzeugen, dann machen sie Indie-Pop mit psychdelischen Elementen, der einen gleichzeitig an Tame Impala und The XX denken lässt. Dabei driften sie auch ein, zweimal ins Klischee des pathetischen Pops ab, wodurch gerade die zweite Hälfte des Albums leider ein wenig ins Schlingern gerät. Aber Yukon Blonde beweisen eine Experimentierfreude, die beeindruckt und Spaß macht.

 

Liebe in all ihren Formen

Inhaltlich bewegen Yukon Blonde sich auf bekannteren Wegen. Themen wie Liebe in Zeiten von Social Media, Liebe im Allgemeinen, Trennungen und die Einsamkeit, die solchen folgt, bestimmen die Platte. Doch ist – wie so häufig – nicht die Themenwahl relevant, sondern wie sie vermittelt wird. Die meisten der Texte stammen aus der Feder von Gitarrist Innes, er lässt viele seiner Texte aber von Keyboarderin Rebecca Gray singen. So bekommen Songs, die eigentlich schon fast ein bisschen klischeehaft wirken, eine neue Perspektive. Beispiel: Der Track “Play Along”. Die Lyrics erzählen von einer Person, die genervt ist von jemandem, der sie nicht in Ruhe lässt.

I don't wanna be with you,
I don't wanna be near you,
I don't play along

Yukon Blonde – Play Along

Dadurch, dass Gray diese Zeilen singt, kriegen diese aber direkt noch einen quasi-politischen Hintergrund, denn so wird das Bild von einer Frau heraufbeschworen, die sich belästigt fühlt und ihre Gefühle klar ausdrückt – in Zeiten von #MeToo mehr als relevant.

 

Fazit

Yukon Blonde haben mit “Vindicator” ein Album geschaffen, dass bekannt und fremd zugleich wirkt. Bekannt, weil es viele gewohnte Sounds und textliche Stilmittel des Indie-Pops bedient, fremd, weil es aus genau diesen bekannten Klischees immer wieder ausbricht. Damit bleibt es für Zuhörende spannend und macht die Tiefpunkte des Albums verzeihlich. Auf jeden Fall bleibt sowohl fürs Hören der Platte als auch den Werdegang der Band nur eine Frage: Was machen sie wohl als Nächstes?

 

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Charlotte Peters
17.11.2020 - 12:38
  Kultur

Yukon Blonde: Vindicator

Tracklist:

1. It's What You Are

2. Fickle Feelings

3. YGTT

4. You Were Mine

5. Play Along

6. In Love Again

7. Good Times

8. Fuck It

9. Your Heart's My Home

10. Get Precious

11. Big Black Cloud

Erscheinungsdatum: 13.11.2020
Dine Alone