Filmpremiere

Westrenten für Oldie-Agenten

Wenn im fernen Katschekistan die Luft brennt, muss der BND ganz tief in die Trickkiste greifen... und Ex-DDR-Spione um Hilfe bitten! Für seine neue Komödie konnte Regisseur Robert Thalheim die Oststars Hübchen, Gwisdek und Glatzeder zusammentrommeln.
Das ungewöhnliche Gespann aus junger BND-Agentin und den in die Jahre gekommenen DDR-Spionen
Das ungewöhnliche Gespann aus junger BND-Agentin und den (in die Jahre gekommenen) DDR-Spionen

Er will die volle Westrente!

Seit er seinerzeit vom BND-Gegenspieler Frank Kern (Jürgen Prochnow) in einer Mission enttarnt wurde, ist der ehemalige Auslandsagent Jochen Falk (Henry Hübchen) stinksauer. Als „Kundschafter des Friedens“ wurde er mit Zusammenbruch der DDR dann aber ohnehin arbeitslos. Heutzutage steht kein strenggeheimer Auftrag mehr auf der Tagesordnung, sondern Pfandflaschen sammeln. Und die Verfassung ist auch nicht mehr das, was sie vor 30 Jahren mal war. Doch als der BND den ehemaligen Konkurrenten nach all der Zeit wegen seiner alten Sowjetkontakte braucht, sagt Falk natürlich nicht Nein. Denn: mit dem in Katschekistan entführten Frank Kern hat er schließlich noch eine Rechnung offen. Also sucht er sich seine alte Truppe wieder zusammen, bestehend aus Techniker Jaecki (Michael Gwisdek), Logistiker Locke (Thomas Thieme) und Romeo-Agent Harry (Winfried Glatzeder). Ihre Forderung: wenn wir euch mit eurer prekären Lage helfen sollen, dann nur für die volle Westrente! Natürlich auch rückwirkend. Gesagt, getan. Unter den wachsamen Augen der Nachwuchsagentin Paula Kern (Antje Traue) wird das Team in eine Mission geschickt, die heikler werden soll, als sie es erwartet haben.

Viel Potential, top Besetzung

So ein Agentenfilm, wie „Kundschafter des Friedens“ bietet viel Raum für Parodie. Dafür gibt es seit der „Nackten Kanone“ unzählige Beispiele. Und mit Klischees spielen kann Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg. Dieses Können hat er schon mit Filmen wie „13 Semester“ oder mit dem Publikumserfolg „Russendisko“ bewiesen. Regisseur von „Kundschafter des Friedens“ und ebenfalls Drehbuchautor ist Robert Thalheim. Er war mit Filmen wie „Eltern“ bisher etwas ernster aufgestellt. 

Wir haben Robert Thalheim, sowie die Darsteller Henry Hübchen, Winfried Glatzeder und Antje Traue zur Premiere des Films auf einen kleinen Plausch getroffen:

Filmredakteur Maximilian Enderling im Gespräch mit Regisseur Thalheim und den Darstellern
Filmredakteur Maximilian Enderling im Gespräch mit Regisseur Thalheim und den Darstellern

Robert, wie kam die Zusammenarbeit mit Oliver Ziegenbalg eigentlich zustande?

Thalheim: Na, Olli ist ja der Meister der Komödie und des kommerziellen Kinos in Deutschland. Also genau das Gegenteil von dem, was ich immer gemacht habe. Ich war zwar auf Festivals wie Cannes und sonst wo, aber meine Filme hatten nicht so viele Zuschauer, ehrlich gesagt. Und Oliver Ziegenbalg war noch nie auf einem Festival, hatte aber Millionen von Zuschauern. Da dachten wir uns: für den Film [„Kundschafter des Friedens“, Anm. d. Red.] tun wir uns mal zusammen und versuchen einen Film zu machen, der intelligent ist und trotzdem ein großes Publikum erreicht.

Wir haben uns „Kundschafter des Friedens“ vorhin angesehen, die Lachmuskeln werden auf jeden Fall ordentlich bedient! Winfried, Henry, Antje, wie war die Stimmung am Set?

Glatzeder: Eigentlich wunderbar. Es war nicht Friede, Freude, Eierkuchen, sondern wir haben uns alle bemüht, die verschiedenen Schattierungen von Komödie zu bedienen, die ja bekanntlich nicht im Lachen entstehen, sondern in schweißtreibender Arbeit! Da haben wir auch eine gewisse Leichtigkeit bekommen, welche die Zuschauer jetzt glaube ich auch empfinden. Neben mir sitzt Henry Hübchen, der die Augen rollt, aber so empfinde ich das. Du kannst ja auch gleich sagen!

Hübchen: Lüge! Du hast doch schon wieder gelogen. Ich habe die Augen nicht gerollt, sondern dir freudig zugehört.

War für euch denn auch einiges an Ostalgie dabei?

Hübchen: Ostagie... Naja, Ostalgie in dem Sinne, dass ich Winfried ewig nicht gesehen habe. (sarkastisch) Da war ich total "ostalgisch". Musste aber immer mehrere Meter Abstand halten. Jetzt musst du fragen weshalb! (lacht)

Thalheim: Damit er seine Pointe bringen kann.

Hübchen: Alles schon wieder vergeigt... Nein, mit Winne habe ich ein riesiges Problem. Wir mögen uns schon, aber: er ist mir zu groß!

Glatzeder: Ja, ich bin 1.92 Meter groß und er ist 1.52 Meter groß.

Hübchen: 1.62 Meter!

Glatzeder: Ach ja. Das sind 30 Zentimeter Unterschied! Das quält uns schon die letzten vierzig Jahre...

Hübchen: Deshalb können wir eigentlich zusammen keinen Film machen, weil entweder Winfried oben im Bild ist bei der Großaufnahme oder ich unten. Also ich unten drin und nur seine Brust. Und dann auch noch mehr Abstand halten, damit ich nicht immer so hochgucken muss. Das sieht scheiße aus. Robert [Thalheim, Anm. d. Red.] hatte da auch ein Problem mit. Deswegen sind wir zwei, wenn wir zusammen sind, nur in der Totalen zu sehen.

Traue: Wir hatten viele Kisten am Set!

Robert: Aber stimmt es, Henry, dass ihr das Problem schon in den Siebzigern auf einem Gastspiel in Paris hattet? Dass du nicht mit Winfried den Champs-Élysées entlanglaufen wolltest, wegen des gleichen Problems?

Glatzeder: Da war es nicht das Problem der Größe, sondern das der Popularität. Dass selbst in Paris die Leute mir hinterhergerannt sind und Henry nicht erkannt wurde. (lacht) Das hat sich leider verkehrt.

Hübchen: Jean-Pierre! Belmondo! Haben sie gerufen. Winfried ist ja der Belmondo des gesamten Ostens. Also alles, was hinter dem Eisernen Vorhang war. Nur ist das Komische daran: Ich habe Belmondo mal auf dem Flughafen getroffen. Und der ist noch kleiner als ich!

Zurück zu „Kundschafter des Friedens“: Der Film ist ja auch ein Kampf der Generationen. Was lernt denn die junge BND-Agentin von den alten Haudegen?

Hübchen: Also eines ganz sicher: SO nicht...

Glatzeder: ...wie DIE geworden sind!

Hübchen: Gott sei Dank war Antje dabei, die hat das Ganze mir zumindest erleichtert zu ertragen. Weil sie immer schlichtend eingegriffen hat.

Traue: (lacht) Er nennt mich ja liebevoll den Katalysator des Films!

 

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Maximilian Enderling
01.02.2017 - 16:03
  Kultur