Rezension

Wenn Ohrwürmer Erwachsen Werden

Bruce Springsteen, The Smiths und Taylor Swift. Das passt so erstmal nicht zusammen? Für Ryan Adams schon. Er mischt Einflüsse von Springsteen und den Smiths auf seinem Cover Album 1989 von Pop-Sängerin Taylor Swift.
Ryan Adams 1989
Ryan Adams

Willkommen in New York. Willkommen im Jahr 1989. Letztes Jahr so um Weihnachten rum kündigt Ryan Adams an, dass er 1989 von Taylor Swift Covern würde. „Is this true“ mit sieben Fragezeichen lautet die Twitter-Antwort der Sängerin. Und auch viele Ryan Adams Fans stellen sich die gleiche Frage. Manche eher ungläubig. Spannung erzeugt er durch kleine Videos von den Aufnahmen. Doch die richtigen Aufnahmen finden während etwa 10 Nächten statt. Adams und seine Band nehmen einen Song nach dem anderen auf. Also erst wenn einer komplett fertig ist, kommt der nächste dran. So entsteht Stück für Stück sein neuestes Album.

 

Swift nicht als einzige Inspiration

Für Ryan Adams Fans vielleicht ein Schock und für Taylor Swift Fans eine völlig neue Welt. Für Fans beider Musiker ist es womöglich das meisterwartete Album des Jahres. Doch was ist dran, an dieser Zusammenarbeit? Der Bruce Springsteen Sound wird immer wieder sehr deutlich. Die Referenz ist völlig gelungen. Die Smiths Referenzen sind weniger häufig auf dem Album zu finden. Aber auch sie sind sehr eindeutig. So zum Beispiel in der melancholischen Version von Swifts Hit Single „Shake It Off“. Vor allem besticht das Album durch den Überraschungseffekt, was aus Popsongs werden kann, wenn sie mit einer Band und in anderem Stil vorgetragen werden. Man kann sie lieben oder hassen, aber Swifts Songs sind Ohrwürmer. Und es sind brutal ehrliche Texte- von denen jeder einzelne sehr persönliche Geschichten erzählt.

All Grown Up

Doch gerade von einem anderen, ebenfalls sehr ehrlichen und oft emotionalen Musiker gesungen gewinnen die Pop-Songs eine neue Tiefe. Plötzlich sind die Bilder von High School Sweethearts, die Swift immer noch in den Köpfen vieler Hörer kreiiert, verschwunden. Stattdessen wirken die Songs in Adams Versionen umfassender, erwachsener. Allerdings ist beim erwachsen werden auch der Pepp der Original-Songs verschwunden. Bad Blood zum Beispiel, verliert die Aggressivität der von Swift vorgetragenen Kampfansage. Der Song handelt eigentlich davon von einer vertrauten Person verraten zu werden. Swifts Aggressivität verliert sich in Adams Version. Stattdessen steht das Gefühl verletzt zu sein im Vordergrund. Er klingt als würde das „böse Blut“, das Swift ursprünglich heraufbeschworen hat, ihn selbst mehr verletzten als die Person, an die der Song gerichtet ist.

Loblied

Das Album verdient auf jeden Fall jedes bisschen der Aufmerksamkeit, das es bisher bekommen hat.  Und davon gab es zu genüge. Es lässt keinerlei Zweifel daran mehr offen, dass Swift wirklich gute Songs schreibt. Und in ihrer Interpretation von Ryan Adams wirkt es, als wäre ihr volles Songpotenzial endlich ausgeschöpft.

 

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Ryan Adams: 1989

Tracklist:

1.Welcome to New York
2.Blank Space
3.Style
4.Out of the Woods*
5.All You Had to Do Was Stay
6.Shake It Off*
7.I Wish You Would
8.Bad Blood
9.Wildest Dreams
10.How You Get the Girl
11.This Love*
12.I Know Places
13.Clean

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 21.09.2015
Sony Music

1989 im Web

Ein Interview zum Album mit Ryan Adams und Taylor Swift gibt es hier zu hören.

Der Online Blog Buzzfeed vergleicht die beiden Alben und gibt Tipps, welche Version man zu welcher Gelegenheit hören sollte. Zur Liste geht's hier.
 

Cover Versionen ohne Ende -und eine witzige Anekdote dazu- gibt es sogar auch. Der Folkmusiker Father John Misty hat ein Cover vom Cover gemacht. Mehr dazu gibt's hier.