GameCheck: The Last of Us Part II

Wenn Hass dominiert

Schon der erste Teil von Naughty Dogs "The Last of Us" war düster und schonungslos in seiner Darstellung von Gewalt. Der zweite legt nochmal eine Schippe drauf und lässt mich auf einen blutigen Rachefeldzug gehen, der nichts für sanfte Gemüter ist.
Ellie und Ellie
Ellie, die Protagonistin von "The Last of Us Part II"

Wie schon sein Vorgänger ist The Last of Us Part II in einer postapokalyptischen Welt angesiedelt, in der ein Pilz Menschen in zombieartige Wesen, sogenannte Infizierte, verwandelt. Im zweiten Teil schlüpfe ich hauptsächlich in die Rolle der 19-jährigen Ellie, eine der Protagonisten des ersten Teils. Deren inzwischen ganz beschauliches Leben in einer Siedlung in Jackson County wird schlagartig durch ein Ereignis zerstört, das sie auf einen Rachefeldzug quer durch Amerika schickt. Ganz allein ist Ellie dabei zum Glück nicht, denn ihre Freundin Dina begleitet sie – auf die Ellie ganz nebenbei auch noch einen Crush hat. Aber eine Liebesgeschichte ist The Last of Us Part II definitiv nicht. Hatte der Vorgängerteil als übergreifendes Thema noch „Liebe“ dreht sich in Teil 2 alles um Hass.

Ellie und WLF
Die raue Spielwelt sorgt oft für intensive Situationen

Und die düstere Rachestory ist sicherlich nicht für jeden etwas. The Last of Us Part II ist kein Rollenspiel, wo ich mithilfe eines Dialogrades den Verlauf der Handlung bestimmen kann. Stattdessen bin ich gezwungen zuzusehen und zu spielen, wie Ellie eine schlechte Entscheidung nach der anderen trifft und es nicht schafft, daran zu wachsen oder aus ihren Fehlern zu lernen. Auch der Vorgängerteil hatte seine düsteren Momente, aber zumindest waren die immer begleitet von einem Hoffnungsschimmer. Der fehlt hier schmerzlich. Zumindest sorgen meine diversen Begleiter auf meiner Reise für etwas Auflockerung und zwischenmenschliche Nähe inmitten des Rachefeldzuges. Wenn Ellie sich mit Dina hinsetzt und ihr in einem verlassenen Musikladen etwas auf der Gitarre vorspielt, kann ich für einen Moment fast vergessen, was mich erwartet, wenn ich den Laden wieder verlasse. Solche Szenen gehören zu den besten im Spiel. Die großartigen Gesichtsanimationen und schauspielerischen Leistungen der Darsteller tun ihr Übriges. Auch wenn keine der Beziehungen an die von Ellie und Joel aus dem ersten Teil herankommt. Zugegeben, da ist die Messlatte auch ziemlich hoch.

Die Postapokalypse sah nie besser aus

Ellie und Pferd
Die Apokalypse sah nie besser aus

Ellies Rachefeldzug führt sie nach Seattle. Das Spiel hat zwar keine open world und in manchen Bereichen ist es sogar ziemlich linear, aber es bietet mir auch einige große Areale zum Erkunden. Und das kann sich ziemlich lohnen. Allein schon die wunderschöne Grafik ist es wert, durch das zerstörte und von der Natur wieder eingenommene Seattle zu reiten. Als Belohnung gibt es Sammelgegenstände, Materialien mit denen ich mir neues Verbandszeug oder Molotov Cocktails basteln kann, oder gar neue Waffen. Keine Sorge übrigens, wer die Waffen verpasst, bekommt im Verlaufe des Spiels noch öfter die Möglichkeit, sie sich zu holen.

Gameplay: zum Glück gibt es Messer

Diese Belohnungen sind aber nicht immer gratis. Oft muss Ellie sich dafür mit Gegnern anlegen. Da gibt es zum einen ihre menschlichen Widersacher, die nicht nur schwer bewaffnet sind, sondern auch taktisch vorgehen, indem sie flankieren oder Hunde einsetzen, um Ellies Geruch aufzuspüren.

Ellie und Überlebender
Anschleichen ist oft der Schlüssel zum Überleben

Auf der anderen Seite gibt es die Infizierten. Die mögen nicht so intelligent sein, sind aber nicht weniger gefährlich: von den fast noch menschlich aussehenden Runnern, über die blinden aber tödlichen Clicker zu den neuartigen Shamblern, die schädliche Sporenwolken absondern. Während ich für letztere mein gesamtes Arsenal an Waffen brauche (am liebsten mit Molotov und Schrotflinte), bin ich bei den meisten Gegnern am besten damit beraten, leise vorzugehen. An fast alle Feinde kann ich mich heranschleichen und sie lautlos ausschalten – und das ist ziemlich effektiv, denn im Gegensatz zum Vorgängerteil geht mein Messer von vorn herein nicht kaputt, sodass ich fröhlich alles lautlos meucheln kann. Sollte ich doch mal entdeckt werden, kann ich nahtlos in den Kampf übergehen. Hier muss ich nur auf meine Ressourcen achten, denn besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden sind Munition und Verbandszeug knapp. Das ist aber des Öfteren überhaupt kein Thema, denn die KI meiner Gegner ist nicht sonderlich schlau. Nicht selten kann ich direkt neben einem vorbeilaufenden Soldaten seinen Kumpel meucheln und der bekommt davon überhaupt nichts mit. Das sorgt schon mal für den einen oder anderen unfreiwillig komischen Moment. Zumindest kann ich den Schwierigkeitsgrad individuell anpassen. Will ich also ausreichend Ressourcen finden, aber die Aufmerksamkeit meiner Feinde gleichzeitig erhöhen, kann ich das einzeln einstellen und so mein Spielerlebnis anpassen.

Zusätzlich gibt es bei Bedarf auch umfangreiche Einstellungen zur Barrierefreiheit. So kann ich zum Beispiel eine alternative Steuerung, einen farbenblind-Modus, die Sprachausgabe von Bildschirmtext oder das Bildwackeln bei Bewegungsübelkeit einstellen. Davon können sich künftige Spiele gerne eine Scheibe abschneiden.

Fazit

Ellie und Clicker
Die grausam entstellten Infizierten sind eine ständige Gefahr

The Last of Us Part II hat eine simple und fast schon zu offensichtliche Botschaft: Gewalt führt nur zu mehr Gewalt. Das heißt aber nicht, dass es immer Spaß macht, das zu spielen. Soll es vielleicht auch gar nicht. Während das Gameplay und das Erkunden der wunderschönen Welt den Spielspaß am Laufen halten, ist es oft nur die morbide Neugierde, die mich die Story voranbringen lässt. Diese Dissonanz ist manchmal schwer zu vereinen, und nicht selten habe ich mir gewünscht ich könnte in die Handlung eingreifen und die Charaktere von ihren dummen und egoistischen Aktionen abhalten. Aber ich bin nicht die Person, die die Handlung antreibt. Ich bin nur ein Zuschauer, der manchmal das Steuer in die Hand nimmt. Ob das nun zum Guten oder zum Schlechten ist, ich bin letztlich froh die knapp 30 stündige Kampagne gespielt zu haben. Sie mag für mich nicht an das Meisterwerk herankommen, das ihr Vorgänger war, aber mich wird sie zumindest noch eine Weile beschäftigen.

 

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Eleen Reinke
26.06.2020 - 18:23
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