Rezension

Wenn ein Krimi auf Geister trifft

Kriminalroman gepaart mit Geistern und Übernatürlichem. Passt das überhaupt zusammen? Tonio Walter kombiniert diese beiden Themen in seinem Buch "Am sechsten Tag".
Bücher
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Die Stadt Nervi in Italien liegt knapp außerhalb von Genua. Eine beschauliche Stadt, in der viele Reiche ihre Villen direkt am Meer gebaut haben. Auch die Familie Scalfaro hat dort ihr Haus. Aber es ist nicht alles so, wie es sein soll. Denn bei den Scalfaros platzen Glühbirnen, bewegen sich Leuchter wie von Geisterhand und Steine werden durch Fenster geworfen, obwohl niemand zu sehen ist. Um den ungewöhnlichen Phänomenen auf den Grund zu gehen, lädt Herr Scalfaro den deutschen Parapsychologen Professor David Wiesthal ein. Er soll den Spuk aufklären.

“Es ist nur so”, fuhr er fort und entnahm dem Brotkorb ein Stück Baguette, “dass wir uns dort nicht mehr wohlfühlen.” Er pausierte und sah auf die Straße. “Ab und zu passiert Merkwürdiges. Nichts Schlimmes, Gott bewahre, auch nichts wirklich Unheimliches, kein Spuk” - er lachte auf -, “bloß, ja, sagen wir: Merkwürdiges.”

Bei seinen Nachforschungen stellt Professor Wiesthal fest, dass die unerklärlichen Ereignisse immer nur dann auftreten, wenn die Tochter der Scalfaros zugegen ist. Und dann deckt er auch noch ein Familiengeheimnis auf, das seine gesamten Nachforschungen durcheinanderbringt...

Novelle ohne große Überraschungen 

“Am sechsten Tag” von Tonio Walter ist eine kurze Novelle, geschrieben aus der Sicht von Professor Wiesthal. Dabei benutzt Tonio Walter eine einfache Sprache. Auch wenn der Professor die Geschichte schildert, verwendet er keine Fachbegriffe aus der Parapsychologie oder lange Schachtelsätze. Überzeugend sind die Beschreibungen der Umgebung von Genua. Die sind kurzweilig und verlieren sich nicht in Details. 

Ich erhob mich. Dann stand ich und zögerte. Mein Kopf hatte begonnen, ein Kinderspiel zu spielen. Ich weiß nicht, warum; aber etwas hatte diesen Schrank mit einer verschmierten Genueser Hauswand assoziiert. Stefano ama Anna! Carlo vaffanculo! Ich fiel zurück auf das Bett. Ich übersetzte die Zahlen in Buchstaben. Vor meinem inneren Auge erschien der Name eines Mädchens - und zugleich das französische Wort für Vergewaltigung.

“Am sechsten Tag” ist kein langatmiges Buch, ein Geschehen jagt das nächste. Aber ein wirklicher Knüller ist das Buch nicht, da es keine großen Überraschungen bereithält. Auch das Ende ist ab einem bestimmten Punkt recht einfach vorhersehbar. Die einzige Frage, die den Leser motiviert, weiterzulesen, ist, ob Tonio Walter die paranormalen Phänomene in der Villa der Scalfaros auflöst oder nicht. Und genau dieser Punkt bleibt offen.

 

Eine Rezension von Michael Buchweitz
 
 

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"Am sechsten Tag" von Tonio Walter ist im Schöffling&Co. - Verlag erschienen. Es hat 176 Seiten und kostet 18,95€.