Leipziger Messe

Weltbekanntes E-Sport-Turnier kommt 2016

Der Verlust der "Games Convention" war 2008 ein Schock für die Leipziger Spieleszene. Jetzt gibt es Hoffnung: Eines der wichtigsten E-Sport-Turniere der Welt, die "DreamHack", wird im Januar auf der Leipziger Messe ausgerichtet.
So schön kann Gewinnen sein

Die Vorstellung auf der Leipziger Messe startet pompös: Auf der Bühne präsentieren Cosplayer, die als Krieger und Amazonen verkleidet sind, ihre Schwertattrappen. In einem aufwendig produzierten Video fliegt eine Kamera in Richtung Halle 5 des Leipziger Messegeländes. Dort wird vom 22. bis 24. Januar 2016 erstmals das Videospiel-Turnier "DreamHack" stattfinden. 

"DreamHack" ist das größte digitale Festival der Welt. Wir haben Events in Schweden, Rumänien, Spanien, Großbritannien und Frankreich - und jetzt kommen wir nach Leipzig. Bei "DreamHack" vereinen wir Computerspiele, Cosplay-Wettbewerbe und Musikkonzerte. Wir bringen die besten E-Sport-Teams der Welt zusammen. Auch als normaler Teilnehmer kann man mitspielen und Millionen von Dollar im Jahr gewinnen.

Marcus Lindmark, President & CEO DreamHack AB

Sportlicher Wettkampf - im Computerspiel 

E-Sport ist der sportliche Wettkampf zwischen Computerspielern. In Strategie- und Rollenspielen sowie Ego-Shootern treten professionell organisierte Teams gegeneinander an. In Leipzig sollen die Spieler mehrere Hunderttausend Euro Preisgeld gewinnen können, sagen die Veranstalter.

Abseits der Turniere wird eine LAN-Party ohne Preisgeld stattfinden. Dort können Spieler 56 Stunden lang durchspielen, ohne Unterbrechung. Duschcontainer, Erholungszonen und Catering werden auf dem Messegelände bereitgestellt. DreamHack-Firmenchef Lindmark hofft in Leipzig auf 10.000 bis 20.000 Besucher. 

Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns. Aus Deutschland haben wir die meisten "DreamHack"-Zuschauer nach den USA. Wir müssen hier sein, das deutsche Publikum wünscht sich das. Seit vielen Jahren kommen ganze Busse voller Zuschauer aus Deutschland zu den "DreamHack"-Events in Schweden. Es ist der nächste logische Schritt, jetzt in Leipzig die schwedische Flagge zu hissen. 

Marcus Lindmark, President & CEO DreamHack AB 

"Viele trauern der 'Games Convention' nach" 

Für die Leipziger E-Sport-Community bedeutet die Ausrichtung der "DreamHack" viel. Man kann ihre Situation mit der von Fußballfans, deren Heimatstadt das Champions League-Finale ausrichten darf, vergleichen. Uta Allenstein vom Verein Leipzig eSports sagt, das "DreamHack"-Turnier sei in der Szene jedem ein Begriff.

Das ist für die Gaming-Szene in Leipzig ein Riesending, gerade weil viele von uns natürlich der GamesConvention nachtrauern. Die Faszination ist sehr vielseitig. Einerseits wie bei jedem anderen Sportevent auch, wo man am besten sein und seine Gegner besiegen will. Andererseits sind viele Spiele auch teambasiert, das heißt, es zählen Teamwork und Community, mit der man zusammen um Preise kämpft. Und allein die Atmosphäre, unter Gleichgesinnten zu sein, ist ein unglaublich schönes Gefühl. 

Uta Allenstein, Leipzig eSports

 

"Spiele in Leipzig waren lange verbrannte Erde" 

Die Leipziger Messe versucht mit der "DreamHack" auch einen schmerzhaften Verlust zu verarbeiten, der bis heute nachwirkt. Als die Publikumsmesse "Games Convention" im Jahr 2008 nach Köln zog, kam das für viele völlig unerwartet.

Der Versuch, das Format in den Folgejahren mit der "Games Convention Online" wiederzubeleben, scheiterte 2011. Danach war eine neue Videospielmesse in Leipzig viele Jahre kein Thema mehr, erklärt Videospiel-Experte René Meyer

Jemand hat mal gesagt: Spiele sind in Leipzig verbrannte Erde. Auch ich hatte den Eindruck, dass einige Jahre lang in Leipzig niemand mehr etwas von Spiele-Veranstaltungen wissen wollte. 

René Meyer, Videospiel-Journalist und Betreiber "Haus der Computerspiele" in Leipzig

"E-Sport ist ein bisschen wie American Football" 

Die Ausrichtung der "DreamHack" steht nun unter dem Motto "Gaming is coming home". Es ist offensichtlich: Die Leipziger Messe will wieder oben mitspielen, wenn es um das Ausrichten von Computerspiel-Events geht.

Allerdings betonen die Verantwortlichen, dass die "DreamHack" kein Ersatz für die "GamesCom" sei. Dafür spricht der Veranstaltungstermin im Januar, der nicht mit der Kölner Messe im August konkurriert. Zudem ist die "DreamHack" im Gegensatz zur "GamesCom" eben keine Publikumsmesse, sondern in erster Linie eine Turnier-Veranstaltung. 

E-Sport ist tatsächlich etwas, das ganze Stadien füllen kann. Erst kürzlich wurde das Frankfurter Fußballstadion an zwei Tagen mit 25.000 Zuschauern gefüllt. Man muss aber auch dazu sagen, dass E-Sport etwas ist, das nicht jeden Spieler anspricht. Zudem ist es ein bisschen erklärungsbedürftig. Wenn man zum Beispiel dem Kommentator eines Spiels zuhört, fallen viele Fachbegriffe. Man muss sich das ein bisschen wie American Football vorstellen: Auch da gibt es in Deutschland eine sehr spezielle Zielgruppe, die das liebt. Aber wenn jemand zum ersten Mal ein American-Football-Spiel sieht, versteht er gar nichts. 

René Meyer, Videospiel-Journalist und Betreiber "Haus der Computerspiele" in Leipzig

Platz für die Nische 

Die deutschen E-Sport-Anhänger sind eine kleine, aber eingeschworene Gemeinschaft. Dass Leipzig mit der "DreamHack" nun eines der größten Computerspiel-Turniere der Welt ausrichtet, wird den Verlust der "GamesCom" nicht vergessen machen.

Dennoch hat es Signalwirkung. Sollte die DreamHack im Januar ein Erfolg werden, könnte es in Zukunft noch mehr Gaming-Veranstaltungen für spezielle Zielgruppen geben. Denn das Beispiel "DreamHack" zeigt: In der Spiele-Branche ist sehr viel Platz für Nischen. 

 

Ein Beitrag von Tobias Schmutzler über das E-Sport-Turnier "DreamHack", das 2016 in Leipzig ausgerichtet wird.
 
 

Kommentare

Freu mich schon seit der Ankündigung drauf. Endlich wieder Action auf der Messe und dann auch noch die Dreamhack! Beste Veranstaltung für E-Sport-Fans.

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