#vulvarious

Was wir gegen Alltagssexismus tun können

Je mehr man sich mit dem Thema Sexismus beschäftigt, desto mehr Sexismus bemerkt man - in der eignen Umwelt, an anderen Menschen und an sich selbst. Das alles kann und sollte einen verdammt wütend machen. Aber was kann man dagegen tun?
Immer schweigen hilft auch nicht.
Immer schweigen hilft auch nicht.

1.) Wissen ist Macht.

Und Wissen hilft. Deswegen brauchen wir mehr davon - über Geschlechterrollen, die Struktur dahinter, wo wie warum Sexismus existiert. Es gibt viele Bücher, Blogs und Filme, die das sehr detailliert erklären können. Es ist okay, nicht sofort alles zu wissen, denn wir können alles lernen. Wir können auch mit anderen Menschen über Sexismus reden. Zum Beispiel indem wir von unseren Erfahrungen berichten. Nicole von Horst hat ihre Erlebnisse mit Alltagssexismus über Twitter geteilt. Sie hat 2013 #aufschrei mit ins Leben gerufen. Sie schreibt dazu:

Die eigene Geschichte zu erzählen ist ein radikaler Akt. Weil es uns vermenschlicht. Es hat für uns und andere den Effekt, dass wir realistischere Bilder von uns selbst bekommen, uns sehen können, andere uns sehen können, wir uns Raum geben.

Nicole von Horst in "Ich bin kein Sexist, aber ...: Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden."

In wenigen Tagen wurde #aufschrei über 50.000 Mal verwendet. Es kann empowernd sein, über die eigene Erlebnisse zu sprechen und es kann anderen Menschen Mut machen, Erfahrungen zu teilen. Weil sie merken, dass sie nicht alleine sind. Andersherum ist es auch wichtig, dass wir zuhören, wenn uns andere ihre Geschichten erzählen. Das gilt ganz besonders bei Frauen, die sich auch noch mit Rassismus, Homophobie und anderen Diskriminierungsformen herumschlagen müssen. Wir müssen sie und ihre Erfahrungen ernstnehmen. 

Wir sollten auch uns selber hinterfragen. Wir alle haben uns mal sexistisch verhalten und machen das sehr wahrscheinlich immer noch, auch wenn wir es gar nicht wollen. Uns wurde so viel Scheiße beigebracht, dass es verdammt anstrengend und langwierig ist, sich das alles wieder abzugewöhnen. Vor fünf Jahren habe ich Frauen Schlampen genannt und Männer Pussys. Das mache ich heute nicht mehr. Wenn ich es von anderen höre, erkläre ich ihnen, warum ich das blöd finde. Das bringt mich zum nächsten Punkt:

2.) Schweigen hilft nicht

Das Problem ist nicht, dass ich überall Sexismus sehe. Das Problem ist, dass du es nicht tust.

Sobald man darauf achtet, fällt auf, wie viele Menschen sexistische Dinge sagen. Fremde Leute, aber auch Leute, die wir mögen. Das ist vielleicht am schlimmsten. Wir müssen nicht immer auf den Sexismus in unserer Umgebung aufmerksam machen, klar. Manchmal hat man einfach keinen Bock, eine Diskussion anzufangen oder fühlt sich gerade einfach nicht danach und das ist auch okay. Aber immer schweigen bringt auch nichts. Es gibt leider keine Anleitung dafür, wie man es immer richtig macht. Wie man sagt, dass man das uncool findet, weil es sexistisch ist. Es kommt immer auf die Situation an, schreibt Margarete Stokowski in ihrem Buch „Untenrum frei“:

Es gibt konstruktive Kritik und es gibt Fuck-you-Anwärter*innen. Letztere erkennt man daran, dass sie uns zeigen wollen, in welche Ecke wir gehören: Sie wollen unsere Selbstbestimmung eintauschen gegen Fremdbestimmung, unsere Freiheit einschränken, uns zum Objekt und zum mittel von etwas machen, das anderen Zwecken dienen soll, und sei es der Dekoration. Immer ist die Botschaft: Ich will bestimmen, wie du zu leben hast und welche deiner Worte gehört werden sollen. Das kann sich im Kleinen und im Großen zeigen und es kann dem entsprechend kleine und große Fuck yous geben, sanfte und harte, laute und leise, ein nö oder ein Alter, bitte komm klar oder ein never ever lass ich das durchgehen.

Margarete Stokowski in "Untenrum frei"

Wir sollten auch einschreiten, wenn sich der Sexismus gegen andere richtet. Es sollte im Interesse von uns allen sein, gegen Sexismus vorzugehen. Denn:

3.) Zusammen sind wir stärker als alleine

Es passieren wundervolle Dinge, wenn wir uns gegenseitig unterstützen. Und es bewahrt uns vor ganz viel Ärger. Es gibt einen Busfahrer, der einen Fahrgast rausgeworfen hat - weil der im Bus eine Frau belästigt hatte. Es gibt die drei jungen Frauen, die eine meiner Freundinnen nach Hause begleitet haben – weil sie bemerkten, dass sie von einem Mann verfolgt wurde. Es gibt ein Projekt aus Münster, das Frauen sicheres Feiern ermöglichen will. Wenn eine Frau sich unwohl fühlt, aber das nicht offen sagen kann oder möchte, kann sie an der Bar nach Luisa fragen. Dann weiß das Personal Bescheid und bringt sie unauffällig aus der Situation raus. Oder wie Simone de Beauvoir schreibt:

Der Frau bleibt kein anderer Ausweg, als an ihrer Befreiung zu arbeiten. Diese Befreiung kann nur eine kollektive sein.

Simone de Beauvoir in "Das andere Geschlecht"

mephisto 97.6 - Redakteurin Lara Lorenz ärgert sich regelmäßig über Alltagssexismus und hat für sich deswegen eine Liste angefangen, was man dagegen tun kann:

Lara Lorenz mit einer Liste, was man gegen Alltagssexismus tun kann
2006 wehren
 

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Lara Lorenz
20.06.2017 - 11:24