Fachkräftemangel in Sachsen

Was kann da noch helfen?

Fachkräfte sind in Mitteldeutschland Mangelware - und sollen das bald auch in Leipzig sein, wenn man dem Fachkräftemonitor der IHK zu Leipzig glaubt. Doch warum ist Fachkräftemangel ein Problem und was wird dagegen getan?
Laut Zahlen der sächsischen Arbeitsagentur, sind Geflüchtete keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.
Dem Fachkräftemangel will die Agentur für Arbeit auch durch die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt entgegenwirken

Sachsen hat ein Problem: Den stetig anwachsenden Fachkräftemangel. Auch in Leipzig entwickelt sich dieser zur Zeit. Momentan gibt es im Raum Leipzig noch 11.000 Fachkräfte zu viel, 2019 werden die qualifizierten Arbeitnehmer den Bedarf den Berechnungen der IHK zu Leipzig zufolge noch genau decken. Ab 2020 wird es aber auch in Leipzig einen Engpass geben. In gesamt Sachsen sieht es im Durchschnitt schon jetzt schlecht aus -  Aktuell fehlen knapp 56.000 Fachkräfte, 2021 werden es um die 135.000 sein.

Mehrere betroffene Berufsfelder

Der Fachkräftemangel beschränkt sich aber nicht bloß auf eine Branche - Humanmediziner sind genau so betroffen wie Pflegepersonal, die Elektro- und Metallbranche und die Informationstechnologie. Die Gründe für den künftigen Anstieg des Fachkräftemangels seien vielseitig, verrät Kristian Veil, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt Thüringen. Zum einen steige in der Region Leipzig der Bedarf an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, weil die Wirtschaft einen Aufschwung erlebe. Die Wirtschaft sei momentan sehr aufnahmefähig und biete attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten, besonders in der Logistik- und Automobilbranche. Dem stünden aber demographische Probleme entgegen:  In den nächsten Jahren würden viele Arbeitnehmer in Rente gehen und so würden viele Stellen frei werden. Was fehlt, ist der Nachwuchs. Die Abgängerzahlen der Schulen stagnieren. 

Ein Mangel an Fachkräften kann schnell zum Problem für die Wirtschaft und den Einzelnen werden. Vor allem kleine Betriebe leiden unter dem Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern, denn ohne Arbeitskräfte müssen sie womöglich lukrative Aufträge ablehnen und im schlimmsten Fall sogar den Laden schließen, weil es keinen Nachfolger gibt, aber auch für den Kunden kann der Mangel Konsequenzen haben. So muss man mit längeren Wartezeiten und eventuell teureren Preisen rechnen. 

mephisto97.6 Redakteurin Marisa Becker erklärt im Gespräch, welchen Weg die Arbeitsagentur einschlagen will, um den Fachkräftemangel zu beheben: 

mephisto97.6 Redakteurin Marisa Becker im Gespräch zum Fachkräftemangel in Sachsen

Mögliche Lösungen gibt es viele 

Eine konkrete Lösung für das Problem sei nicht in Sicht, allerdings biete der Markt Möglichkeiten, die man nutzen könne, so Veil weiter. Die Bundesagentur für Arbeit versuche, Langzeitarbeitslose für genau die Branchen fit zu machen, in denen Fachkräftemangel herrscht. Bei Bedarf im Bereich der Pflege beispielsweise würden verstärkt Kurse auf dem Gebiet angeboten und gefördert werden. Auch Frauen könne man als Fachkräfte viel stärker nutzen. Die meisten Frauen seien in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Das läge vor allem daran, dass Randzeitenbetreuung nicht flächendeckend stattfinde - ein Fall für die Politik also. 

Also immer nur zu sagen, diese Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind irgendwie eine Belastung oder Bedrohung, ist falsch. Viele dieser Menschen könnten - nicht Morgen, aber Übermorgen - dafür sorgen, dass sie den Fachkräftebedarf abdecken.Dafür muss man Geduld haben, denn es fehlt oftmals an Sprache und Ausbildung. Aber insbesondere bei den Jüngeren ist ein großes Potential da.

Kristian Veil, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt Thüringen

Ohne Einwanderung könne man den Bedarf an Fachkräften aber nicht decken, stellt Kristian Veil klar. Man müsse versuchen, die Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, für diese Branchen zu motivieren. Vor allem in den Geflüchteten sieht er großes Potential, vor allem, weil viele noch sehr jung sind. Veil räumt ein, dass es nicht ganz einfach sei, Flüchtlinge zu rekrutieren, besonders wegen der Sprachbarrieren. 

 

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Marisa Becker
21.04.2016 - 19:23