Frisch Gepresst Spezial: DDR-Musik

Was ging in der DDR-Musikszene?

Passend zur vergangenen Themenwoche beleuchtet Frisch gepresst einige der interessantesten Songs und Bands der DDR.
DDR-Plattenladen
Plattenladen in Magdeburg

Electric Beat Crew

Als 1985 der Film „Beat Street“ in die ostdeutschen Kinos kam, löste das in der DDR eine erste kleine Hip-Hop-Begeisterung aus. Von diesem Hype profitierte damals auch „The Electric Beat Crew“, eine der großen Ausnahmeerscheinungen in der DDR-Musikszene.

Hip-Hop war Ende der 80er noch ein neues Genre und fand im DDR-Mainstream nicht weiter Beachtung. Dennoch bekam die Crew, bestehend aus Master K. und M.A.C. einen Plattenvertrag bei der Amiga, wo ihr 1989 eine weitere Pionierleistung gelang: Die 1989 veröffentlichte Debüt-EP war komplett auf Englisch, in der DDR ein Novum.

Songs wie "Go Go" lassen dabei die Inspirationen klar erkennen. Insbesondere Rapper wie Grandmaster Flash oder die Sugarhill Gang waren soundästhetische Vorbilder. 

 

Panta Rhei

Geht es um Rockmusik in der DDR, sind die ersten Assoziationen meistens entweder Punkrock à la Schleimkeim oder die großen Bands wie die Puhdys oder auch Karat. Insbesondere letztere waren eine der erfolgreichsten Gruppen der DDR und ist immer noch den meisten ein Begriff. Dabei ist aber die musikalische Vorgeschichte von Karat nicht weniger interessant.

Von 1971 bis 1975 traten die Mitglieder der Band unter dem Namen „Panta Rhei“ auf. Nicht nur der Name, auch der Sound war damals noch ein anderer. Die Musik war komplexer und jazziger, als das was man von Karat kennt. Außerdem hört man ein bisschen den Flowerpower-Vibe der späten sechziger, frühen siebziger Jahre heraus.

Dass Panta Rhei immer noch eine popkulturelle Relevanz haben, zeigt auch das neue Album von Max Herre – dort samplete er nämlich einen der bekanntesten Songs der Band, „Nachts".

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Gerhard Schöne

Auch die Liedermacherszene in der DDR erfreute sich großer Beliebtheit. Und neben dem weithin bekannten und kontroversen Fall Wolf Biermann gab es noch viele weitere talentierte Liedermacher, z.B. Gerhard Schöne.

Schöne ist vielen durch seine Kinderlieder und den seichten Texten bekannt. Besonders in den späten 80ern jedoch äußerte er sich auch implizit politisch in seinen Werken und fing so auch die Stimmung in der Bevölkerung ein.

Silly

1978 startete die Karriere einer der einflussreichsten Rockbands der DDR: Silly, damals noch unter dem Namen „Familie Silly“. Nach einigen Jahren der musikalischen Selbstfindung wurden die Texte schnell politischer und kritischer, was zu Problemen mit der Zensur führte.

Daraufhin wurden die Texte zwar nicht weniger politisch, dafür aber weniger explizit. Und auch auf anderen Ebenen widersetzte man sich dem SED-Regime: Das Album „Februar“ wurde 1989 nicht nur in der DDR, sondern simultan auch in der Bundesrepublik veröffentlicht. Auch das sorgte dafür, dass Silly mit der 1996 verstorbenen Sängerin Tamara Denz auch nach der Wende erfolgreich blieb und Fans im Osten wie im Westen hatte.

 

Uschi Brüning

1947 erblickt Uschi Brüning in Leipzig das Licht der Welt. In der damaligen DDR macht Sie sich mit Jazz und Soul bald als Sängerin einen Namen. Ihre unverwechselbare Stimme verhelfen ihr dabei zu weltweitem Ruhm. Schnell kommt es zu einem Plattenvertrag bei der Amiga, dem großen Plattenlabel der DDR.

Die 1974 erschienene Single „Hochzeitsnacht zeigt dabei: Wäre nicht der deutsche Gesang, könnte der Song schnell mit den besten Soul- und Funkproduktionen aus den USA verwechselt werden. Uschi Brüning machte mit ihrer Stimme aus kitschigen Lyrics bemerkenswerte Stücke Musik. Die Platte mit dem Song „Hochzeitsnacht“ ist auch deswegen bei Sammlern und Sammlerinnen begehrt und wird für hohe Beträge an Sammler verkauft.

Noch nicht genug?

Die DDR-Lieblingssongs der mephisto 97.6-Musikredaktion findet ihr in der Themenplaylist Mauerfall auf Spotify.

 

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