Bibliotheken im Lockdown

“Vorübergehend leider geschlossen..."

In der Bücherei an der Hausarbeit zu schreiben, ist im Moment nicht möglich. Wie gehen Bibliotheken wie die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig mit Corona, Lockdown und geschlossenen Sälen um?
Auf dem Bild sieht man einen leeren Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek, mit grünen Lampen auf holzfarbenen Tischen
Leerer Lesesaal in der Deutschen Nationalbibliothek

Neben Restaurants, Bars oder Kinos, leben auch Bibliotheken von ihren Besucher:innen. Dabei ist im Moment Kreativität gefragt, wie diese auch ohne Menschen in den Lesesälen ihrem Bildungsauftrag nachkommen und Wissen vermitteln können. Eine der betroffenen Bibliotheken ist die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) im Zentrum Süd-Ost von Leipzig. Sie versucht, trotz geschlossenen Toren, Inhalte anzubieten.

Bücher unter Verschluss

Der Lockdown ist in der hundertjährigen Geschichte der DNB jedoch nicht die erste Hürde. Während ihrer Bestehenszeit hat die Nationalbibliothek auch die schwierigen deutschen Geschichtsperioden miterlebt, sagt Jörg Räuber, stellvertretender Direktor der DNB.

1933 wurde mit der Machtergreifung der NSDAP die DNB dem Ministerium für Propaganda unterstellt. In rascher Eigeninitiative der damaligen Bibliotheksleitung, wurde eine schwarze Liste von Büchern erstellt, die aus den Regalen entfernt wurden. Der eigentliche Auftrag der Nationalbibliothek bestand darin, vollständig alle veröffentlichten deutschsprachigen Werke zu sammeln. Dies machte es den Schreiber:innen der Verbotslisten leicht, kommunistische Werke, Bücher von jüdischen Autor:innen oder auch “Sexualliteratur” zu finden.

Auf Wunsch des Propagandaministeriums sammelte die Bibliothek auch weiterhin von der NSDAP unerwünschte Werke in den gesonderten Archiven, so Jörg Räuber. “Die Bücher, die damals [zur Zeit NS-Diktatur] verboten und verbrannt wurden, wurden von der Nationalbibliothek gesammelt, mit der Billigung der NSDAP. Das hatte den einfachen Grund: Wer etwas verbieten will, muss es natürlich auch kennen.” So konnten beispielsweise Werke der Exilliteratur ungehindert in Leipzig gesammelt werden, auch wenn sie nicht öffentlich zugänglich waren.

Antrieb für Veränderungen

Mit Corona steht die DNB nun vor einer neuen Herausforderung. Die Lesesäle sind vorerst zu, die Bücher bleiben in ihren Regalen. Diese Situation hat die Mitarbeiter:innen der DNB jedoch dazu motiviert, sich vor allem auf ein digitales Angebot zu konzentrieren.

“Corona hat noch einmal einen richtigen Schub gegeben und das Programm der digitalen Angebote ist dadurch viel stärker geworden.”

Jörg Räuber, stellvertretender Direktor der DNB

Unter “Kultur Virtuell” produziert die Bibliothek zum Beispiel verschiedene Themen-Videos für ihre Website, wie das Hör-Ratespiel “Geräusche aus der Medienwelt”. Und auch ihre Ausstellungen hat die DNB digitalisiert. In der Sammlung zum Thema “100 Jahre Erster Weltkrieg” kann man sich durch frei verfügbare historische Zeitungen, Postkarten oder Plakate aus der Geschichte durchklicken. “Der Vorteil von Corona ist: Wir haben gelernt, wie gut wir unsere Sammlung präsentieren können.”, so Jörg Räuber.

Dass ihre Tore geschlossen bleiben, hindert die DNB also nicht daran, ein breites kulturelles Programm für Interessierte anzubieten. Im Gegenteil: Corona und der Lockdown waren für die Bibliothek ein Antrieb, Angebote in neuer Form darzustellen und sich auszuprobieren.

 

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Deutsche Nationalbibliothek Online

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