Theater und Corona

Vorhang auf - Stühle auseinander gerückt

Leipzigs Theater dürfen seit dieser Woche wieder öffnen. Doch daran sind viele Maßnahmen geknüpft, die von der Politik momentan noch sehr vage formuliert werden. Wir haben uns im Leipziger Figurentheater Westflügel mal umgehört.
Bisher blieben die Reihen leer, doch das wird sich jetzt ändern.

Der Beitrag zum Nachhören:

Unsere Redakteurin Josephine im Interview mit Dana Ersing vom Figurentheater Westflügel
Podcast- Theater in Corona-Zeiten

Seit dem 18. Mai dürfen auch in Sachsen die Theater und Festspielhäuser wieder öffnen. Was eigentlich ein Grund zur Freude ist, wird angesichts der Hygienevorschriften und Regularien zu einer organisatorischen Herausforderung für die gesamte Branche. Die letzten Monate erforderten bereits viel Umdenken und alternative Darstellungsformen. Jetzt einfach zu einem „Davor“ zurückzukehren ist schlichtweg nicht möglich.

Plötzliche Lockerung erfordert konkrete Vorgaben

Dana Ersing vom Figurentheater Westflügel in Plagwitz betont, dass die Nachricht über die Möglichkeit der Wiedereröffnung der Theaterhäuser in Sachsen „recht überraschend“ kam. Doch es gab und gibt bisher lediglich Hinweise zu den Hygienekonzepten. Dabei bleibt beispielsweise unklar, wie die ZuschauerInnen genau sitzen müssen. Dass durch die 1,5 Meter-Abstandsregel eigentlich nur noch ein Drittel des Publikums in den Zuschauerraum passt, ist auch ein finanzielles Problem. Denn die Einbußen muss das Haus irgendwie tragen. Auch die Mehrausgaben für Masken, Desinfektionsmittel und eventuelle Umbauten sind Kosten, die kompensiert werden müssen. Die Ticketpreise zu erhöhen sei dabei keine anvisierte Option, jedoch letztlich nur schwer zu vermeiden.

In der Gesellschaft kommt es gerade so rüber wie, juhuu ihr habt doch jetzt wieder auf, was ist euer Problem? Warum macht ihr nicht wieder normal weiter. Also die Außenwirkung davon ist nicht ideal.

Dana Ersing, Westflügel Leipzig

Appell an die Politik

Es sei, so Dana Ersing, gerade jetzt wichtig, der Politik zu signalisieren, dass die Kulturinstitutionen Unterstützung bei dem Wiedereinstieg in ihr Tagesgeschäft benötigen. Kulturschaffende müssen dieser Tage schließlich den Spagat zwischen einem gelungenen künstlerischen Programm, aber auch der Einhaltung der entsprechenden Maßnahmen gegen die Eindämmung der Verbreitung der Pandemie machen.

Ungewisse Zeiten

Im Westflügel, einer Produktionsstätte für viele internationale Projekte, sind die nächsten Monate von einer großen Planungsunsicherheit geprägt. Gastspiele aus Belgien, Frankreich oder Israel können aufgrund der Reisewarnungen nur mit digitaler Hilfe stattfinden. Dynamische Spielplanänderungen sind an der Tagesordnung.

Doch das hält die KünstlerInnen des Westflügels natürlich nicht davon ab, die aktuelle Situation mit in den Bühnenraum zu holen: Ab dem 25. Juni könnt ihr die begehbare Installation THE TEMPLE erleben, in der optische Täuschungen, Entgrenzungen und körperliche Entfremdung erprobt werden. Durch die Verbindung von Analogem und Digitalem wird dieses Theaterereignis vielleicht zu einer sehr sinnlichen Auseinandersetzung mit den letzten Monaten. Wir sind gespannt!

Wenn ihr mehr zur Situation der Theater in Sachen erfahren wollt, empfehlen wir euch diesen Artikel von MDR Kultur:

https://www.mdr.de/kultur/corona-sachsen-theater-oeffnen-wieder-100.html

Weitere Veranstaltungen des Westflügels auf facebook oder https://www.westfluegel.de/de/

 

 

 

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Josephine Kanditt
22.05.2020 - 18:39
  Kultur