Schauspiel Leipzig

Von utopischen Idealen

In einer Welt voller gescheiterter Existenzen sucht Fred nach einer eigenen Identität. Lukas Linders Drama erzählt die Geschichte eines Heranwachsenden.
Schauspiel Leipzig Premiere
"Der Mann aus Oklahoma" - Schauspiel Leipzig

Am Sonntag prämierte im Leipziger Schauspiel „Der Mann aus Oklahoma“, Gewinnerstück des Kleist-Förderpreises für junge Dramatiker. Es zeigt die Odyssee eines Jugendlichen in einer Gesellschaft, die junge Menschen dazu bringen will, das Beste aus sich selbst herauszuholen - ihnen aber zugleich das Gegenteil vorlebt. Es geht hier um Ideale, die von jeder Figur durch ihr Scheitern, sie zu erfüllen, als utopisch entlarvt werden. 

Da ist zum Beispiel ein Vater, der Ringer ist und jeden Kampf verliert. Er kann seine Kraft selbst, bei dem peinlichen Versuch, ein Buch zu zerreißen, nicht unter Beweis stellen. Das Stück lebt dabei von Zynismus: Männer verkommen zu eitlen Versagern, Frauen zu sarkastischen, emotionslosen Biestern:

Mutter: Dings.

Fred: Fred.

Mutter: Ich habe immer Elsbeth im Kopf. Warum bist du eigentlich kein Mädchen geworden?

Fred: Ich weiß es auch nicht.

Lukas Linder, "Der Mann aus Oklahoma"

Der Zuschauer folgt dem Protagonisten Fred durch seinen Alltag. Das Stück ist keine chronologische Folge von in sich geschlossenen Szenen, sondern eine Aneinanderreihung von realen und imaginären Sequenzen aus Freds Leben. Mal ist er in der Schule, wo eine affektierte Lehrerin ihren Schülern durch Aufsatzthemen wie „Vater, du Idol!“ Vorbilder zu schaffen sucht und kläglich scheitert. Und dann ist er plötzlich in seiner Fantasiewelt, in der endlich einmal etwas funktioniert. 

Fred erschafft sich eine zweite Identität, in seiner Vorstellung ist er Rae, mit dunkler Stimme und autoritärem Auftreten und vollbringt Heldentaten, die ihn die ernüchternden Ereignisse seines Alltags vergessen lassen. Diese Momente sind wichtig, denn hier setzt Fred seiner trostlosen Realität Wünsche und Träume entgegen. Der Zuschauer darf hoffen, dass sie sich eines Tages erfüllen werden. 

Moderator Andreas Funke im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteurin Marlene Schlichtenhorst: 

Moderator Andreas Funke im Gespräch mit Redakteurin Marlene Schlichtenhorst über das Stück "Der Mann aus Oklahoma"
 
 

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Marlene Schlichtenhorst
14.10.2015 - 09:58
  Kultur