Krieg und Frieden

Von Schutt, Asche und Eiswürfeln

Der Feuilletonistische Wochenrückblick schaut 75 Jahre nach Beginn des 2. Weltkrieges auf den Krieg und Frieden in der Welt heute. Ein Rundblick durch die Zeitungs-Feuilletons der vergangenen sieben Tage.
Palästinensischer Journalist bei der #rubbelbucketchallenge
Für die palästinensische Version der #IceBucketChallenge, nehme man einen Eimer Schutt und schütte ihn sich über den Kopf.

Facebook, du Friedenstaube!

Die Welt betitelte Facebook diese Woche als Schule der Toleranz. Wer sich schon als junger Mensch global vernetze, wer mit einem Klick Freunde in der ganzen Welt fände, der wäre verloren für ideologische und religiöse Gehirnwäschen. Was früher Völkerverständigung hieß, heiße heute Facebook. Die Welt schreibt:

„Es entzieht dem Fremdenhass ziemlich effektiv die Basis, wenn man schon als Kind sieht, dass weltweit alle über die gleichen Katzenvideos lachen, die gleichen Musikvideos teilen und sich auf allen Kontinenten Eiswasser über den Kopf schütten. Was ist an Fremden so gefährlich, wenn sie die gleichen Dinge feiern, kritisieren und teilen?“

Virales Marketing im Gaza-Streifen

Und apropos Eiswasser über den Kopf schütten: der Hashtag #IceBucketChallenge zierte letzte Woche wohl jede Facebook-Pinnwand. Die Spendenaktion hat es geschafft weltweit Aufmerksamkeit für die Krankheit ALS zu schaffen und wird sicher irgendwann in einem gelben Wälzer namens „Virales Marketing for Dummies“ als Lehrstück verzeichnet sein. Aber in Teilen der Welt, in denen Wasser ein kostbares Gut ist und Eiswürfel nie existent waren, zieht der Hype auch Gegenstimmen an. Ein palästinensischer Journalist will die Aufmerksamkeit auf die humanitäre Situation im Gazastreifen lenken. In einem Youtube-Video sagt er, Wasser sei dort viel zu wichtig, um es sich einfach über den Kopf zu schütten – und selbst wenn es welches gäbe, sei es viel zu schwierig, daraus Eiswürfel zu machen. Was es dagegen massenhaft gebe, sei Schutt. Für die palästinensische Version der #IceBucketChallenge, nehme man einen Eimer Schutt, schütte ihn sich über den Kopf und poste das Video unter dem Hashtag #RubbleBucketChallenge. Rund zehntausend Tweets sind bereits veröffentlicht worden.   

Eine friedliche Gegenwart, die plötzlich Risse bekommt

Frieden schaffen ohne Waffen wollen auch zwischen 60 und 80 Prozent der Deutschen, die gegen deutsche Waffenlieferungen an die Kurden sind, so die Frankfurter Allgemeine. Gestern beriet sich auch der Bundestag in einer Sondersitzung über die deutsche Beteiligung an Waffenlieferungen für die Kurden. Vor 75 Jahren begann der 2. Weltkrieg. Und es sind wieder weltweit Kriegszeiten, diesem Thema nimmt sich heute die Sächsische Zeitung an. Jede Woche scheine ein neuer bewaffneter Konflikt hinzuzukommen. Syrien, Irak, Jemen, Libyen, Nigeria und erneut Israel und Palästina. 414 Konfliktherde zählt das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung. Anders als damals vor dem 2. Weltkrieg, sind wir heute schwer verunsichert, wenn wir von den Kriegsherden auf der Welt hören. Unsere Wahrnehmung hätte sich verändert, schreibt die Sächsische, nicht so sehr die Welt:

„Der Gedanke an Krieg rückt immer näher an uns heran, immer näher. Vielleicht waren wir eingelullt in eine friedliche Gegenwart, die plötzlich Risse bekommt. Weil von den Deutschen gefordert wird, sich mehr einzumischen, weil sie Waffen liefern, weil sie eine größere Verantwortung in der Welt übernehmen sollen. Krieg ist gegenwärtiger denn je, das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Gemüt.“

Facebook und Hashtags hin oder her – was bleibt, sehen wir jeden Abend in der Tagesschau: Bilder des Krieges, gar nicht so weit weg von uns. Und eine Realität, die sich vor 75 Jahren schon einmal abzeichnete.

 

 

Kommentieren