Feuilletonistischer Wochenrückblick

Von Schafshoden und Führungskräften

Seit Samstag steht die Gewinnerin des diesjährigen Dschungelcamps fest, trotzdem sinken die Einschaltquoten. Facebook-Nutzer kämpfen sich durch den Urwald der Nutzungsbedingungen und der Gewinner der Woche arbeitet fern ab von TV und Web.
In der Medienlandschaft ist in der vergangenen Woche wieder viel passiert.
In der Medienlandschaft ist in der vergangenen Woche wieder viel passiert.

"Weniger Boulevard, mehr Feuilleton" – so bezeichnete RTL-Moderatorin Sonja Zietlow die diesjährige Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus". Das Konzept der Sendung: Elf C-, D-, E-, F-, G-Promis teilen sich 16 Tage lang ein Camp im Dschungel. Sie müssen sich in ekligen Prüfungen beweisen und bekommen kaum etwas zu essen. Normalerweise sorgen diese Bedingungen für eine Menge Zank und Zoff, Klatsch und Tratsch. Nicht so in diesem Jahr. Küsschen rechts, Küsschen links, bitte und danke, Umarmungen und Teamgeist standen auf der Tagesordnung. Oder auch: "Viele Maden, kein Speck" wie Spiegel Online am Sonntag schrieb. Die Sendung sei ein Desaster gewesen. Die Menschen seien ermüdet von zu viel Brechen und zu viel Balzen. Dies zeige sich in den sinkenden Einschaltquoten des Formats.

Da müssen die RTL-Chefs wohl ihre eigenen Mitarbeiter verpflichten, öfter mal die Glotze einzuschalten! Dabei könnten sie sogar was lernen. Findet zumindest RTL-Konzernleiterin Anke Schäferkordt. Sie schaue das Camp vor allem wegen der Gruppendynamik zwischen den Insassen, erzählte sie der FAZ. Und Gruppendynamik scheint auch das zu sein, was das Unternehmen RTL braucht. Um sinkenden Einschaltquoten entgegenzuwirken, sei es nämlich wichtig, neue und exklusive Formate zu entwickeln. Und dazu brauche es mehr Zusammenarbeit.

Kollegen werden sich künftig stärker austauschen, etwa in übergreifenden Kreativteams oder durch die Arbeit an gemeinsamen Projekten.

Anke Schäferkordt, RTL-Konzernleiterin

Facebook-Nutzer streiken

Sinkende Quoten gibt es nicht nur bei RTL. Auch Facebook könnte in naher Zukunft so einige seiner Nutzer verlieren. Am vergangenen Freitag wurden die neuen Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerkes bekannt. Facebook hat nun die Möglichkeit, seine Nutzer auch zu überwachen, wenn sie nicht online sind. Damit soll Werbung besser auf die Interessen des jeweiligen Nutzers zugeschnitten werden. Prompt regte sich Protest. So berichtete die Süddeutsche von Peter Schaar, dem ehemaligen Datenschutzbeauftragten Deutschlands, der sich von Facebook abmeldete. Also quasi klein beigeben hat! Da gibt es doch weitaus revolutionärere Methoden, sich gegen die Machtspielchen von Mark Zuckerberg durchzusetzen! Zum Beispiel Erpressung. Das funktioniert so: Man gründe eine Facebook-Gruppe mit dem Titel "Facebook Nutzungsstreik" gegen neue Datenschutzbestimmungen. Dann lade man all seine Freunde ein. Und dann verkünde man das Ziel des Ganzen: der zeitweilige Verzicht auf Facebook, um Mark Zuckerberg mal ordentlich die Meinung zu sagen! Es kann ja nicht angehen, dass der jetzt genau weiß, welche Filmchen ich mir in meiner Mittagspause so reinziehe. Ich geh jetzt mal eine Woche nicht online, der Mark wird schon noch sehen, was er an mir hat und alles genauso machen, wie ich das möchte.

Raus aus dem Verlag, rein ins Dschungelcamp?

Genau! Und RTL macht ab morgen Bildungsfernsehen, mit dreistündigen Dokumentationen über das Hochland von Tibet. Damit wieder mehr Leute einschalten! Vielleicht sollten sich Facebook und RTL mal ein Beispiel am Beck Verlag nehmen. Der existiert seit 1763 – und hat seit Sonntag einen neuen Chef: Jonathan Beck, Sohn des vorherigen Leiters Wolfgang Beck. Damit geht der Verlag nun in die siebte Generation. Die ZEIT beschreibt die beiden Becks so: "eher schmächtige, ruhige, überlegte Zeitgenossen, gewiss keine Charismatiker, aber spürbar zäh bei der Sache". Na das klingt doch nach potenziellen Anwärtern auf die nächste Dschungelkrone! Oder nach guten Mitstreitern im Protest gegen Facebook!

Die FAZ hat übrigens einen ganz eigenen Vorschlag die Internetüberwachung zu umgehen: Einfach mal den Stecker ziehen!

 

Der feuilletonistische Wochenrückblick von Elisabeth Leisker.
 
 

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