Kinodigitalisierung

Von Popcorn und Projektoren

Die Lichter im Saal gehen aus, das Popcorn raschelt und im Hintergrund rattert der Projektor. Diese Zeiten sind nun vorbei – jedenfalls die der großen Filmrollen und der analogen Projektoren. Auch vor dem Kino macht die Digitalisierung nicht Halt.
Auch in den Passagekinos werden die Filme in Zukunft nur noch digital präsentiert.

Das markante Rascheln beim Umblättern einer Buchseite wird vom leisen Wischen über das eBook abgelöst. Das altbekannte Rauschen und leise Knacken von Schallplatten gehört schon lange der Vergangenheit an. Und auch das typische Rattern von Kinoprojektoren wird bald Geschichte sein – gedankt sei's der Digitalisierung. Vor ihr kommt niemand davon.

50 bis 100.000 Euro – pro Saal

Immer mehr Kinos haben sich bereits auf digitale Formen umgestellt. Denn das bringt Vorteile, wie Petra Klemann von den Passagekinos in Leipzig erklärt:

Zum einen, vielleicht ganz profan, dass der Vorführer keine schweren Kopien mehr tragen muss. Man agiert jetzt mit Festplatten, das ist doch viel einfacher im Handling. Man hat oftmals den Content, also Filminhalte, schneller zur Verfügung, auch wenn es um andere Sachen geht, wie Eventveranstaltungen oder Konzertübertragungen.

Ab dem nächsten Jahr wird es alle aktuellen Filme nur noch in digitaler Form geben – das zwingt die Kinos mitzuziehen. Das Problem: Die Umrüstung kostet 50 bis 100.000 Euro – pro Saal. Eine Summe, die vor allem viele kleinere Kinos nicht stemmen können. Für mehr Chancengleichheit soll eine Förderung der kleinen Kinos sorgen. Solche, die unter einem bestimmten Umsatz liegen, können bei der bundesweiten Filmförderanstalt einen zinslosen Kredit beantragen. Doch dabei kommt es nicht allein auf den Umsatz an. Auch eine Mindestbesucheranzahl muss erreicht werden. Vor allem ländliche Kinos ohne tägliches Programm liegen zwar unter der "Umsatzgrenze", sind aber von der Besuchergrenze weit entfernt. Ihnen bleibt nur die Option, auf DVDs oder alte analoge Bestände zurückzugreifen.

Profitieren werden die üblichen

Profitieren werden stattdessen wohl eher die großen Filmstudios und Verleihe. Bereits 2002 schlossen sich alle großen amerikanischen Filmstudios unter dem Dachverband Digital Cinema Initiatives (DCI) zusammen. Die Initiative legt technische und rechtliche Standards für digitales Kino fest. Hierbei gehe es vor allem um Kontrolle, wie Sven Wörner von Cinémathèque Leipzig sagt. Durch ihr Monopol am Markt konnte die DCI ihre Standards weltweit durchsetzen – sehr zum Nachteil für Kleinkinos.

Filme werden nun digital gedreht, geschnitten, kopiert und abgespielt. Statt der alten Filmrollen, arbeiten Kinos heute mit Festplatten. Nur über bestimmte zeitlich begrenzte Codes kann das Material genutzt werden. Das Kino wird technischer. Dadurch nimmt zwar die Qualität der Filme zu, der wirtschaftspolitische Weg dorthin bleibt aber fraglich. Die vielen kleinen Lichtspieltheater werden die Umrüstung wohl eher nicht überleben.

Ein Beitrag von Nicolai von Schwarze zur Kinodigitalisierung – gesprochen von Florian Zinner.
Kinodigi
 

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Elisa Marie Rinne
28.08.2014 - 15:24
  Kultur