Musik-Highlights: KW 31

Von Liebe, Schwermut und der Zukunft

Unsere Musikredaktion hat auch diese Woche die besten Neuerscheinungen ausfindig gemacht. Diesmal mit dabei: ein bisschen Liebe von Mina Tindle, ein paar erschöpfte Trompeten von Loma und sogar ein bisschen Optimismus von Billie Eilish (das geht?)
MHDW
Musikhighlights der Woche: KW 31

Frisch Gepresst: Unser Musiktipp der Woche kommt dieses Mal von Jessy Lanza mit ihrem neuen Album "All The Time". Eine ausführliche Rezension findet ihr hier

Mina Tindle — "Give A Little Love (feat. Sufjan Stevens)"

Single–VÖ: 29.07.2020

Mina Tindles neuer Song steht auf zwei grundsoliden Beinen: der betörende Minimalismus der Französin und deren gute Freunde. Für „Give A Little Love“ holte sich die Singer–Songwriterin Unterstützung von Folk–Genius Sufjan Stevens. Er schrieb Melodie und Text — und beschloss, Tindle den fertigen Song zu schenken. Sie, seit 15 Jahren enge Freundin und Bewunderin des amerikanischen Musikers nahm dieses Geschenk gerne an und produzierte und drehte gemeinsam mit der Tänzerin Moira Cappilli das dazugehörige Musikvideo im italienischen Puglia.

 

„Give A Little Love“ klingt losgelöst und schwermütig — beschäftigt sich auch mit dem Gefühl tiefer Einsamkeit. Dennoch soll es auch ein kleiner Hoffnungsschimmer und Tindles neues Album „SISTER“ einläuten. Gefühle wie Einsamkeit, Trauer und Nostalgie haben ihr Songwriting dabei zwar stets beeinflusst, jedoch ginge es für sie auf der Platte primär um den Versuch, im Moment zu leben und sich nicht an Sorgen über die Vergangenheit oder Zukunft zu klammern. „SISTER“ erscheint am 9. Oktober 2020.

Ariane Seidel

Loma - "Ocotillo"

Single–VÖ: 29.07.2020

 

Jonathan Meiburg scheint genug vom Rampenlicht zu haben. Eigentlich ist der Texaner Frontmann der Indierock-Gruppe Shearwater, mit denen er zwischen 2001 und 2016 immerhin neun Alben veröffentlicht hat. Seither ist es um deren schwer melancholischen Output still geworden. Meiburg ist jedoch nicht untätig geworden, sondern hat sich lediglich in den hinteren Teil der Bühne zurückgezogen.

Für sein Nebenprojekt Loma steht der Multiinstrumentalist nicht am Mikrofon, zeichnet jedoch neben einem Teil der Instrumentierung auch für die Texte verantwortlich. Gesungen werden diese wiederum von Emily Cross, die mit Produzent Dan Duszynski auch schon Teil des Duos Cross Record  war.

Dass Meiburg sich in seiner neuen Rolle wohlfühlt erkennt man daran, dass Loma für Oktober dieses Jahres nun schon ihr zweites Album angekündigt haben. „Don't Shy Away“ heißt die Platte, die beim Indie-Traditionslabel Sub Pop erscheinen soll. Die erste Single „Ocotillo“ trägt trotz ungewohnter Stimme klar die Handschrift des Shearwater-Kopfes: die Melodie ist schwermütig aber doch lebendig; die flirrende Instrumentierung lässt im Kopf schnell Naturbilder entstehen. Spätestens wenn die erschöpft klingenden Trompeten einsetzen, spürt man auch ohne das zugehörige Video sofort die glühende Hitze der nordamerikanischen Wüste.

Martin Pfingstl

 

Billie Eilish – "my future"

Single–VÖ: 30.07.2020

 

Über Billie Eilish und ihren Bruder FINNEAS wurden im letzten Jahr eigentlich schon genug der Lobeshymnen verloren. 2019 gelang dem Duo ein rekorde-pulverisierendes Debütalbum („WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?“), der Gewinn von vier Grammys und noch viel wichtiger: Die Eilishs brachten frischen Wind ins oberste Popregal, dank ihrer düsteren und zugleich simpel strukturierten Songs.

Was bislang nicht zum Gesamtpaket Billie Eilish gehörte: Optimismus und rosige Zukunftsaussichten. Insofern ist die neue Single „my future“ ein Dealbreaker, denn sie wagt sich aus dem melancholischen Ton heraus, der sich bisher durch ihre Diskografie zieht. Im Song verhandelt Eilish Selbstakzeptanz und eine (zugegebenermaßen sehr abstrakte) Hoffnung auf die Zukunft, die man so aus ihren bisherigen Werken noch nicht kannte.

'Cause I, I'm in love
With my future
Can't wait to meet her
And I (I), I'm in love
But not with anybody else
Just wanna get to know myself

„my future“ ist deswegen kein Gute-Laune-Pop, traut sich aber auch musikalisch mehr Dynamik und Verspieltheit zu. Das offenbart sich natürlich in den in der zweiten Hälfte des Songs einsetzenden Drums, die vor allem durch den hellen Sound der Kick beeindrucken. Subtiler sind da schon die leicht funkigen Gitarren, die ebenfalls im Verlaufe des Songs einsetzen.

Weil das alles für Eilish so ungewohnt klingt, lässt sich die Aufregung für ein mögliches kommendes Album gar nicht leugnen. Das könnte aber noch ein ganzes Stück dauern - zumindest, wenn man den Aluhut aufsetzt. Denn die letzte Zeile des Songs lautet „I'll see you in a couple years“, gefolgt von Stille. So lange dauert es dann hoffentlich doch nicht, denn „my future“ macht definitiv Lust auf mehr.

Scott Heinrichs

 

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Mina Tindle - "Give A Little Love (feat. Sufjan Stevens)"

Loma - "Ocotillo"

Billie Eilish - "my future"