Kinder-Oper in der MuKo

Von Jägern und Teufeln

Hat nicht jeder bereits in seinem Leben geschummelt oder getrickst, um eine schwierige Situation zu überstehen? Was aber, wenn das schiefgeht? In der Oper "Der Freischütz für Kinder" muss sich der junge Held Max eben diesem Problem stellen...
Max und Kaspar beim Ausprobieren der Freikugeln.
Max und Kaspar beim Ausprobieren der Freikugeln.

Er ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig: Leistungsdruck. Bereits als Kind machen wir damit in der Schule Erfahrungen, beim Vortragen eines Gedichts, beim Diktat oder der Lernkontrolle. Mit diesem Thema befasst sich auch Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“, die man am vergangenen Samstag als Adaptation für Kinder in der Musikalischen Komödie sehen konnte. In dieser Geschichte muss sich der Protagonist Max, ein junger Jägersbursche, beim Probeschuss behaupten, sonst kann er seine große Liebe Agathe nicht heiraten. Da er auch sonst in letzter Zeit vom Pech verfolgt wird, nimmt er dankbar das Angebot seines Kollegen Kaspar an, der ihm verspricht, Freikugeln zu gießen, die jedes Ziel treffen. Was Max nicht weiß: Kaspar wurde zuvor von Agathe abgewiesen und hat einen Pakt mit dem Teufel, Samiel, abgeschlossen. Von den sieben magischen Freikugeln treffen sechs ihr Ziel, die siebte aber wird vom Teufel persönlich gelenkt. Am Ende bleibt für den Probeschuss nur noch die letzte verhexte Kugel übrig... 

Agathe freut sich auf ihre bevorstehende Hochzeit.
 

In der Inszenierung wird auf eine gänzlich originalgetreue Kostümierung verzichtet (das Stück spielt ursprünglich nach dem 30-jährigen Krieg), stattdessen ist es bunt und trachtig-romantisch. Die Figuren sind entsprechend ihrer Gesinnung gekleidet: Der böse Kaspar trägt ein Piratentuch auf dem Kopf und dunkle Kluft, Samiel eine gruselige Maske, Agathe ist weiß gekleidet wie die Unschuld und das kecke Ännchen hat bunte Zöpfe wie Pippi Langstrumpf. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild verändert sich fortwährend in der Vorstellung. Das sorgt für Abwechslung und ermöglicht gerade Kindern ein Verständnis von der Funktionsweise der Bühnenmechanik. 

Sprachlich ist die Oper dennoch, gerade für Kinder, nur schwer nachzuvollziehen. Die Erzählerfigur Luna (der Mond) ersetzt den Großteil der Dialoge, verwendet aber keine kindgerechte Sprache. Einiges der  Handlung wird eigentlich erst durch Kenntnis der gesungenen Worte verständlich, diese können aber nicht eingeblendet werden. Um den Kindern (und interessierten Erwachsenen) einen besseren Überblick zu verschaffen, wird 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung eine Einführung in die Oper gegeben. Hier wird sowohl das Leben von Carl Maria von Weber als auch die Handlung nacherzählt und der Bezug zum Kinderleben hergestellt.

Entgegen der von der Oper Leipzig empfohlenen Altersangabe ist diese Inszenierung nicht für alle Kinder ab acht Jahren verständlich. Kinder ab 12 Jahren, die die Handlung schon kennen, haben wahrscheinlich eher ein Verständnis für die Geschehnisse um Liebe und Gruppendruck und können sich in ihrer Lebenswelt auch eher damit identifizieren. Für Kinder im Kleinkindalter können manche Parts unverständlich und bisweilen gruselig sein (zum Beispiel in der Wolfsschluchtszene, wo lautes Orchestergetöse und visuelle Effekte die Hölle auf der Bühne heraufbeschwören). Das Stück ist außerdem für Erwachsene geeignet, die sich keine langwierige Oper zutrauen oder eine leichte Einführung in die Welt der Oper suchen.

Zum Ende noch etwas Dramatisches aus dem echten Leben: Kurz vor der Premiere ist die Sopranistin Lilli Wünscher, die die weibliche Hauptrolle spielen sollte, plötzlich erkrankt. Spontan wurde Márta Kosztolányi aus Schwerin eingeflogen und musste die Arbeit, für die ihre Vorgängerin wochenlang geprobt hatte, binnen weniger Tage nachholen. Ob Lilli Wünscher die Rolle für den Rest der Spielzeit wieder übernehmen wird oder ob ihre Nachfolgerin in Leipzig bleibt, ist abzuwarten.

 

Dora Midré über die musikalische Komödie "Der Freischütz für Kinder"
 
 

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Dora Midré
19.05.2015 - 10:06
  Kultur

Nächste Termine für "Der Freischütz für Kinder"

Wann?: 20. Mai, 20. Juni, 21. Juni, 4. Juli

Wo?: Musikalischen Komödie, Dreilindenstr. 30, 04177 Leipzig