Das lange Interview mit Gregor Gysi

Von Hornochsen und Sachsen im Urlaub

Gregor Gysi ist ein Mann direkter Worte. Der Politiker der Partei Die Linke hat sich mit uns über Leipzig, die "Sächsischen Verhältnisse" und über seine Oppositionsrolle unterhalten.
Gregor Gysi im Interview
Gregor Gysi im Gespräch mit M19

Gregor Gysi ist eines der bekanntesten Gesichter der Partei Die Linke. In der ganzen Republik ist er vor allem bekannt durch seine Reden, die meist die Zeit überziehen und polarisieren. Im letzten Jahr zog er sich, nach zehn Jahren, vom Vorsitz der Linksfraktion zurück, ist aber noch Abgeordneter im Deutschen Bundestag.

Gregor Gysi hat uns die Vorteile eines Rinderzüchters in der Politik verraten und uns erzählt von wem er am liebsten interviewt wird. Hier gibt es das komplette Interview zum Nachhören:

Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Gregor Gysi

Redaktion:

Christoph Becker, Paul Materne, Tim Vogel, Kaja Weber

 

Sächsische Verhältnisse?!

Für viele war der Selbstmord des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr ein Versagen der sächsischen Justiz. In diesem Zusammenhang kam der Begriff der "Sächsischen Verhältnisse" auf. Dieser Begriff sei auf die einseitige politische Landschaft in Sachsen zurückführen, kommentierte Gysi. Seit 1990 würde die CDU im Wesentlichen alleine regieren. Diese habe stets den Innenminister gestellt und somit auch die Polizei geprägt. Für Gysi sei daher ein politischer Wechsel nötig, aber auch die Polizei müsse verlässlicher werden.

Eine Polizei muss verlässlich sein. Sie muss jede Straftat verfolgen und es muss hier auch ganz egal sein, welche politische Anschauung der Täter hat und da gibt es hier zumindest den Eindruck einer gewissen Einseitigkeit.

Gregor Gysi

Genau diese politische Einseitigkeit sei nicht gut und er möchte nicht, dass der Begriff "Sächsische Verhältnisse" weiter die Runde mache.

Rot-Rot-Grüne Koalition

Im Gespräch kam auch die politische Zukunft der Republik zur Sprache. 2017 steht die nächste Bundestagswahl an und die Rot-Rot-Grüne Koalition ist immer wieder ein Thema, das gerne und viel diskutiert wird. Gregor Gysi wünscht sich diese Koalition. Sie würde für einen sozialen Schub in Deutschland sorgen. Rot-Rot-Grün sei eine gute Alternative zu der gewohnten politischen Landschaft. Die CDU müsse dann wieder konservativer werden um sich von den anderen Parteien abzugrenzen. Gysi sehe diesen Schritt als "historisch notwendig", um der fortschreitenden Rechtsentwicklung in Deutschland und Europa entgegenzuwirken. Er kritisiere zwar die Europäische Union, dennoch sei er gegen eine Abschaffung, da diese auch viele Vorteile mit sich bringe. Hier sieht er die Regierung in der Bringschuld.

Dazu müsste diese Regierung einen Beitrag leisten. Sie muss die Solidarität wiederherstellen. Diese jetzige Regierung hat die Solidarität in der EU kaputt gemacht.

Gregor Gysi

 

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Sophie Rauch
02.11.2016 - 19:22

Gregor Florian Gysi

1948 geboren

ausgebildeter Rinnderzüchter, Rechtsanwalt und Politiker der Partei Die Linke

2005 - 2015 Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke

redegewandt und bekannt für die Überziehung seiner Redezeit

zur Zeit gestaltet er seine eigene Gesprächsreihe in Berlin, in der er Fragen an Menschen aus Politik, Kultur und Gesellschaft stellt