CryptoParty in Leipzig

Von Hackern und anderen Datenschützern

Erst vor wenigen Wochen tauchten neue Enthüllungen der NSA auf - und immer mehr Bürger wollen sich im Internet schützen. Dass Datenschutz kein trockenes und kompliziertes Thema sein muss, zeigen sogenannte CryptoParties.
Die NSA ist der Feind No. 1 für viele Computeraktivisten.

Erst vor Kurzem sind neue Dokumente der NSA aufgetaucht: Eine Liste mit vermeintlichen Terroristen, auf der immerhin fast eine Million Menschen stehen. Auch aus Deutschland. Die Daten, durch die die Leute sich verdächtig machen, stammen aus dem Internet – woher auch sonst. Private Gespräche, E-Mails und Posts in sozialen Netzwerken werden dazu überwacht und ausgewertet. Computeraktivisten stellen sich dagegen und versuchen nun auch auf spielerische Art und Weise ihr Wissen über Verschlüsselung an den Normalbürger weiterzugeben: so zum Beispiel bei sogenannten CryptoParties.

Einmal durch die Geschichte...

Ein großer Raum im vierten Stock des Westwerks in der Karl-Heine-Straße. Im sogenannten "sublab" sitzen ungefähr 10 Menschen auf Stühlen, Sesseln oder alten Kinositzen. Manche haben ihren Laptop auf den Knien, andere haben sich mit Papier und Stiften bewaffnet. Der Beamer projiziert die Helden der Datenschützer an die Wand: Julian Assange und Edward Snowden blicken ernst auf das Grüppchen der CryptoParty-Besucher.

Zu Anfang fühlen sich die meisten Besucher allerdings eher wie in einer – zugegebenermaßen unterhaltsamen – Vorlesung: Auf der Bühne steht ein junger, blonder Mann, der mit einem Abriss über die Geschichte der Verschlüsselung beginnt. Philipp Ruschke vom Bündnis Privatsphäre erklärt die verschiedenen Techniken, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hatten: über die Cäsar Chiffre, das Kerckhoff Prinzip hin zum Geheimtext-Alphabet und der Enigma-Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Und schließlich zu den modernen Verschlüsselungstechniken. Die hat sich Philipp Ruschke selbst beigebracht.

"Ich wollte so was auch mal machen. Und da hab ich mir die ganzen Kenntnisse rangeschafft, ein paar Bücher gelesen, diverse Handbücher durchgewälzt und das im privaten Umfeld ein paar Mal ausprobiert - und dann jetzt hier für die großen Massen. Philipp Ruschke vom Bündnis Privatsphäre"

Die CryptoParties werden vom "Bündnis Privatsphäre" organisiert. Das ist eine Bürgerinitiative, die sich aufgrund der Enthüllungen durch Edward Snowden gegründet hat – im "sublab" haben sie Verbündete gefunden.

Leipzigs Hackerspace

Das "sublab" ist ein selbst ernannter Hackerspace im Leipziger Westen und versteht sich als kreativer Knotenpunkt der Leipziger Computerszene, erklärt Mitgründer Ekwiis. Er ist 28 Jahre alt, klein und dunkelhaarig. Von Beruf ist er – natürlich – Programmierer und in seiner Freizeit Mitglied im Chaos Computer Club. Seinen richtigen Namen will er lieber nicht verraten. Er beschreibt, was das "sublab" so einzigartig macht.

"Die Idee ist quasi, dass jeder hierherkommen kann, der ne Idee bringt und es gibt hier Projekte wie kreativen Umgang mit Essen – das nennt sich Foodhacking, es gibt eine Elektronikrunde und es gibt die Treffen vom Bündnis Privatsphäre. Und die Zielsetzung ist hier, für Leute, die sich in irgendeiner kreativen Art und Weise mit Computern, Telekommunikation, dem Internet auseinandersetzen, einen Raum zu bieten.

In der Werkstatt des "sublab" stapeln sich Kabel, Bauteile von Computern und Bildschirme bis unter die Decke. Das Fenster steht offen und es zieht durch den kleinen, vollgestopften Raum. Weiter vorne befindet sich die Küche – mit allem, was der Hacker braucht: Im Kühlschrank liegen vor allem Bier und Club Mate. Vorne auf der Bühne zeigt Philipp Ruschke mittlerweile, welche Programme installiert werden müssen, damit die Verschlüsselung von E-Mails in Zukunft mühelos funktioniert.

"Ich hab jetzt endlich ein gutes Passwort"

Die Teilnehmer tippen, klicken, runzeln die Stirn. Nach und nach scheinen sie aber alle voranzukommen – Philipp Ruschke gibt sich Mühe, die Technik für alle verständlich zu erklären. Und das Konzept kommt an: Auf einem der gemütlichen Sessel sitzt eine junge blonde Frau mit einem Macbook auf den Knien. Sie tippt etwas und lächelt dann. Marie ist hier, weil sie ihre Daten schwerer zugänglich machen will – und das scheint bisher auch gut funktioniert zu haben.

"Ich hab erst mal jetzt ein supergutes Passwort, was ich vorher nie hatte und das mit dem E-Mail-Verschlüsseln, das kommt ja jetzt noch - mal gucken. Bis jetzt gefällts mir sehr gut."

Hier scheint man noch etwas lernen zu können – auch wenn der Begriff einer "Party" etwas zu hoch gegriffen ist. Die kleine Gruppe wirkt vielmehr wie "Informatik für Anfänger" im ersten Semester. Das Bier am Ende der ersten erfolgreich durchgestandenen Vorlesung kommt allerdings nicht zu kurz...

 

mephisto 97.6 - Reporterin Verena Ritter hat auf der CryptoParty "mitgefeiert"
CryptoParty
 

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Die CryptoParties des Bündnis Privatsphäre finden immer einmal im Monat in den Räumen des sublab e.V. statt. Dabei geht es immer um ein anderes Thema. Die nächsten Termine:

10. September: Verschlüsselte Messenger- und Chat-Anwendungen auf Mobilgeräten und PCs
15. Oktober: Passwörter, Passwort-Manager und Datei-/Festplattenverschlüsselung
12. November: Sicheres Surfen und Anoymisierung im Internet

Mehr Informationen finden Sie auch unter www.cryptoparty.in/leipzig