Musikhighlights: KW 35

Von Grusel, Unruhe und Depressionen

Unsere Musikredaktion hat auch diese Woche die besten Neuerscheinungen ausfindig gemacht. Diesmal mit dabei: ein bisschen Horror von clipping., ein bisschen Indie von Giant Rooks, und ein bisschen Trauer von girl in red.
Musik Highlights der Woche
Musikhighlights der Woche: KW 35

Frisch Gepresst: Unser Musiktipp der Woche kommt dieses Mal von Nas mit seinem Album "King's Disease". Eine ausführliche Rezension findet ihr hier 

clipping. – "Say The Name"

Single-VÖ: 26.08.2020

 

Wenn die US-Amerikaner von clipping. ein neues Album ankündigen, ist der Sommer offiziell vorbei. Bereits 2019 läutete die Single „Nothing Is Safe“ im August die Veröffentlichung ihres Albums „There Existed An Addiction To Blood“ rechtzeitig vor Halloween ein. Auch 2020 soll das neue Album der Gruppe „Visions Of Bodies Being Burned“ wieder im späten Oktober (Stand 23.08.2020) erscheinen. Das hat seine Gründe: clipping. betrachten sich als Erneuerer des „Horrorcore“, ein Subgenre des Hiphops, welches besonders in den 90ern populär war. Im Horrorcore spielen, wie der Name schon sagt, Themen des Horrorfilms und Anspielungen auf extreme Gewalt eine große Rolle. 

Wo Gruppen wie Geto Boys oder Gravediggaz immer ein gewisses Augenzwinkern in ihrer Ästhetik hatten, meinen es clipping. aber todernst. Statt Boombap-Beats mit etwas Gruselstimmung dazu, setzt das Trio auf eine schroffe Industrial-Kulisse, die wirklich verstörend klingt. Dazu schafft Rapper Daveed Diggs mit seinen Texten Szenarien, die nicht nur an moderne Schauergeschichten erinnern, sondern psychologische Urängste bemühen und gesellschaftliche Missstände aufzeigen.

Dass clipping. trotzdem zu ihren Einflüssen stehen, beweisen sie mit der ersten Single ihres kommenden Albums. In „Say The Name“ verzerrt die Gruppe ein Sample von Geto-Boys-Rapper Scarface aus dem Klassiker „Mind Playing Tricks on Me“. So schlägt das Trio eine Brücke zwischen dem originalen Stil der Geto-Boys und clippings. eigener Dekonstruktion.

Martin Pfingstl

Giant Rooks – “Rookery“

Album-VÖ: 28.08.2020

„2020 wird das Jahr der Giant Rooks!“ – So hieß es Anfang des Jahres noch in einem Pressetext der deutschen Indie-Pop-Band. Geplant war eine Tour durch Nordamerika und Europa, doch dann kam alles anders. Für die Jungs von Giant Rooks jedoch kein Grund zum Trübsal blasen. Stattdessen schweißte der Lockdown die Band noch enger zusammen und schaffte zudem Zeit für die finalen Schliffe des geplanten Debütalbums.

Nun ist es endlich soweit: Die Giant Rooks veröffentlichen ihr erstes Album, auf dem auch ältere Singles wie „Watershed“ oder „Wild Stare“ zu finden sind. Ihre erste EP brachte die Indie-Pop-Band bereits 2015 – noch zu Schulzeiten – raus. Nur zwei Jahre später standen die Giant Rooks bereits als Vorband von Razz, Kraftklub, Von Wegen Lisbeth und The Temper Trap auf der Bühne. So spielte die Band mehr als 350 Shows, bei denen sie versuchte, musikalische Erfahrungen zu sammeln und ihren eigenen Sound zu finden. Giant Rooks in eine Schublade zu stecken, ist jedoch auch nach dem Hören ihres vielfältigen Debütalbums nicht leicht. Doch genau das macht die Band für Sänger Frederik Rabe aus:

„Unser Ziel war es, das Klangspektrum einer klassischen Bandbesetzung mit einem ganz modernen Ansatz zu kombinieren. Wir haben uns einfach die Frage gestellt: Wie kann eine Band im Jahr 2020 klingen?!“ (Frederik Rabe)

Thematisch ist das Debütalbum ähnlich vielfältig: Fragen wie „Wer bin ich eigentlich?“, aber auch die Visionen der heutigen Generation werden in den Songtexten verarbeitet. Die Band tastet sich dabei fragend an eine Welt voller Unruhe heran und bietet keine einfachen Antworten. Giant Rooks haben es mit der Veröffentlichung ihres Albums geschafft, 2020 tatsächlich in einen Meilenstein ihrer Bandgeschichte zu verwandeln. Und hoffentlich kann schon nächstes Jahr die langersehnte Tour folgen…

Emilia Wernicke

girl in red - "rue"

Single-VÖ: 26.08.2020

Bisher kannte man die norwegische Künstlerin girl in red, aka. Marie Ulven vor allem für ihre „Schlafzimmermusik“, die besonders in der LGBTQ+ Community riesigen Anklang fand. So wurde aus „hörst du girl in red?“ schnell der universell anerkannte Code für “stehst du auch auf Frauen?“

Mit „rue“ versucht die Künstlerin es mal etwas düsterer. Was im Song „summer depression“ schon ein wenig zu Vorschein kam, wird in „rue“ schon in der ersten Zeile deutlich thematisiert: Ulven’s Kampf mit ihrer mentalen Gesundheit.

I remember you couldn’t stop crying
You found me when I thought I was dying
Believe me when I say
I
 tried so hard to change“.

Inspiriert ist der Track von HBO’s „Euphoria“ – einer Serie, in welcher Rue, herzzerreißend porträtiert von Zendaya, mit Drogenabhängigkeit und einer Vielzahl an mentalen Krankheiten zu kämpfen hat. Ulven selbst habe zwar nicht mit Drogenproblemen zu tun, sah aber trotzdem eine Reihe an Parallelen zwischen Rue und sich.

„Rue“ widmet die Sängerin ihren Liebsten, die ihre mentale Krankheit zu spüren bekommen.

“I will always try my best to get better for them, and I am forever grateful for their presence in my life.”

Mit "Rue" gab girl in red einen kleinen Einblick in ihr (hoffentlich bald) erscheinendes Debütalbum. Das soll laut der Sängerin selbst etwas düsterer, gereifter und weniger minimalistisch sein, als ihre bisherige Diskografie - wir können es kaum erwarten. 

Emma Lübbert

 

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Gleich bei Spotify reinhören: 

clipping. 

Giant Rooks

girl in red