Tanz und Theater

Von der Angst die Augen zu öffnen

„Optophobia“ beschreibt als eine spezifische Form der Phobie die krankhafte Angst davor, die Augen vor der Wirklichkeit zu öffnen. Das gleichnamige Stück von Heike Hennig macht sich diese Angst zum Thema.
Optophobia
Das Stück spielt mit Ängsten und versucht Geschlechterbilder aufzulösen.

Das Auftragswerk der Leipziger Choreografin und Regisseurin Heike Hennig ist in die aktuelle Ausstellung „training“ der Galerie für Zeitgenössische Kunst integriert. „Optophobia“ reagiert auf aufkommende Ängste vor Vielfältigkeit. Das Stück soll durch Verwandlung und dem Spiel mit verschiedenen Identitäten starre Normen und Denkmuster hinterfragen – besonders im Bezug auf Geschlechterzugehörigkeit.

Redakteurin Nadine Keller über "Optophobia", die Neuproduktion Heike Hennigs
Optophobia

Künsterlische Intervention

Anlass für die Entstehung des Stücks war die Rede der deutschen Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Sybille Lewitscharoff. Im März 2014 sprach sie sich im Dresdner Schauspielhaus unter anderem gegen künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft und pränatale Diagnostik aus.

Der eigentliche Horror resultiert für mich dabei nicht nur aus den vorher kurz umrissenen Fällen der ärztlichen Warnung vor einer möglichen Missbildung des Kindes, sondern aus den Methoden, auf künstlichen Wegen eine Schwangerschaft zustande zu bringen. Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein, die weithin geschätzten Reproduktionsmediziner, haben ein sauberes Arztkittelchen an und werkeln nicht mit brodelnden Glaskolben und in einer mit giftigen Dämpfen erfüllten mittelalterlichen Bogenhalle. Es geht dabei sehr rein und fein und überaus vernünftig zu. Der Vorgang selbst ist darum nichts weniger als abscheulich.

Sybille Lewitscharoff

Für ihre Formulierungen wurde sie von vielen Seiten kritisiert. In Zusammenarbeit mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst beschloss Heike Hennig mit einer künstlerischen Intervention auf diese Rede zu reagieren. „Optophobia“ soll mit Tanz, Musik und Schauspiel die Worte Lewitscharoffs kontrastieren.

Im Verlauf des Stückes werden wir Körperbilder bauen, tanzen, über Verlangen und Sehnsucht sprechen und damit hoffentlich ihre Rede konterkarieren und bloßlegen – ihre Dummheit.

Heike Hennig

Das Stück läuft im Rahmen der aktuell zweiten Ausstellung „training“ des Jahresprogrammes der Galerie für Zeitgenössische Kunst. Das Jahresprogramm trägt den Titel „Travestie für Fortgeschrittene“ und beschäftigt sich mit Diskursen um Mehr- und Minderheiten. Hinterfragt wird, was „Normalität“ eigentlich ist und von wem sie bestimmt wird. Dabei bezieht sich „Travestie für Fortgeschrittene“ auf aktuelle Debatten über Zuwanderung, Homosexualität und Frauenfeindlichkeit. Das Programm besteht aus insgesamt drei Projektteilen, von denen keiner eine bloße Ausstellung ist. Viele verschiedene Künstler arbeiten unter dem Leitgedanken des Jahresprogrammes zusammen. So werden die Ausstellungsräume regelmäßig zum Setting kleiner und größerer Performances. Grenzen werden überschritten, die Übergänge von Ausstellung, Installation und Bühne sind fließend.

Man hat das Gefühl man betritt eine Bühne, selbst wenn das Stück von Heike Hennig nicht stattfindet.

Julia Schäfer, Kuratorin der Ausstellung

 

 

 

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Nadine Keller
18.09.2015 - 15:10
  Kultur

Aufgeführt wird "Optophobia" in der aktuellen Ausstellung "training" der Galerie für Zeitgenössische Kunst.

Termine: Samstag, 19.09. um 18 Uhr, 20 Uhr und 22 Uhr