Stadt teilen: Gohlis

Vom Schlösschen bis zum Arbeitsamt

Das brandheiße Pflaster im Norden der Messestadt hat schon Friedrich Schiller besucht und das Ambiente des Gohliser Schlösschen genossen. Wer einmal die Georg-Schumann-Straße verlässt und sich seiner Neugierde hingibt, wird auf jeden Fall belohnt.
Das Schillerhaus in Gohlis.
Das Schillerhaus in Gohlis.

Sieh, Ungenügsamer, nur unser liebliches Gohlis, wie es mit seinem einfachen Thurm durch grünendes Laub herübersieht in unser Rosenthal, und höre, wie es mit seiner Vesperglocke uns über die plätschernden Wellen der Pleiße herüber willkommen heißt, wenn wir den Rest des Tages in stiller Abgezogenheit von dem ewigen Gewühl des Stadtlebens verbringen wollen.

Carl Ramshorn
Idyllisch und gerade zu verträumt beschreibt hier Carl Ramshorn 1841 das kleine Städtchen, dass erst 49 Jahre später zu einer der Gemeinden Leipzigs werden soll. Der Stadtteil, dessen Charakter sich schwer auf einen Nenner bringen lässt, ist reich an Historie. Das erste Mal erscheint er 1317 in Urkunden, übersteht vier Dorfbrände und erhebt sich gerade rechtzeitig aus der Asche, damit Friedrich Schiller 1785 hier auf dem Gohliser Schlösschen den Sommer verbringen kann.

Im 19. Jahrhundert galt dann die grüne Gemeinde  als Rückzugsort für betuchte Gesellschaftsschichten während der Sommerzeit. Ein Rückzugsort, um dem heißen und stickigen Leben der Innenstadt zu entkommen. Um die Gründerzeit herum, also ab ungefähr 1870, prägten noch Militärkasernen, das Stadtbild. Später kamen noch Fabriken und die heute erhaltenen wunderschönen Gründerhäuser dazu, die begehrte Wohnräume geblieben sind.

Letztes Jahr aber erhielt das ansonsten durchwachsene bis positive Image Gohlis einen starken Dämpfer, als dort bis heute unbekannten Täter sich in dargestellter Fremdenfeindlichkeit übten. Auf dem Baugrund einer noch in Planung befindlichen Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in der Georg-Schuhmann-Straße, wurden fünf Schweinsköpfe auf Holzpflöcke aufgespießt. Seitdem geschah dergleichen hier zwar nichts mehr, aber ein bitterer Nachgeschmack ist geblieben.

Nun jedoch daraus den voreiligen Schluss zu ziehen, Gohlis sei ein unattraktiver Stadtteil, wäre ein großer Fehler. Wer unbefangen seinem Erforscherdrang nachgeht und sich dort ins Leben stürzt, wird nicht enttäuscht werden und vielleicht auch einen ähnlich beschwingten Eindruck bekommen, wie ihn Ramson schon vor fast 200 Jahren zu Papier brachte.

Gohlis – Ein Beitrag von Konstantin Kumpfmüller und Simon Köppl (Sprecher)
Gohlis Erlärstück
 

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