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Vom Ritter zur Roten Diskothek

Oft sieht man Häuser, bei deren Anblick man sich fragt, welche Geschichte wohl dahinter steckt. Eines dieser Häuser ist die Rote Diskothek, ein ehemaliges Tanzlokal am Ende der Industriestraße in Schleußig.
Ein zerfallener graffitiübersähter Eingang
Ehemaliger Eingang zur Roten Diskothek

Dieser verlassene Ort erinnert kaum an eine Vergangenheit voller Musik und Tanzlaune. Hunderte Leute sollen hier angestanden haben, nur um in der Roten Diskothek das Tanzbein zu schwingen. Leider war sie nur für 100 Personen ausgelegt, weshalb es oft zu Wartezeiten kam, die so manchen Geduldsfaden strapazierten.

Zu DDR-Zeiten gab es nicht viele Diskotheken dieser Art in Leipzig. Besonders war wohl die gute Musik. Eine Mischung aus Hits, die es im Osten und im Westen gab, soll gleichermaßen begeistert haben. Außerdem gab es Kinder- und Jugendveranstaltungen. Die waren dann alkoholfrei und begannen auch schon mittags, sodass man rechtzeitig zum Abendbrot wieder zu Hause war. Später am Abend begannen dann die Feten für die älteren Jugendlichen – Alkohol gab es trotzdem nicht. 

Der DJ Jürgen List, der eigentlich "nur" Techniker war, erzählt begeistert von der guten Stimmung, die in der Roten Diskothek herrschte, wenn er damals Platten aufgelegt hat. Ganz nach dem Motto: Die DDR war grau, das Leben aber bunt.

Ursprünglich gab es im Gebäude eine Gaststätte, die „Zum Ritter“ hieß. Bereits nach dem 2. Weltkrieg wurden im angegliederten Festsaal Tanzstunden angeboten, wovon heute noch so manche alte Dame begeistert erzählt. In den 1970ern wurde daraus dann die Rote Diskothek. Heute steht das Gebäude leer und erinnert eher an eine einsame Bushaltestelle, aus dem Ritter ist ein mexikanisches Restaurant geworden. 

Ein Beitrag von Friedel Magdalena Barth und Alexandra Vollbrecht zur Roten Diskothek.
Rote Diskothek
 

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