Kinostart von „Plötzlich Papa“

Vom Playboy zum Familienmenschen

Im Jahr 2011 spielte er sich als unkonventioneller Krankenpfleger in „Ziemlich beste Freunde“ in die Herzen von Millionen Kinozuschauern. In der Tragikomödie „Plötzlich Papa“ ist Omar Sy nun endlich wieder in einer Paraderolle zu sehen.
Omar Sy und Gloria Colston in "Plötzlich Papa"
Omar Sy und Gloria Colston in "Plötzlich Papa"

Unverhoffte Vaterfreuden  

Sonne, Strand, Partys und schöne Frauen – für Samuel (Omar Sy) zählt nur eins: ja keine Verpflichtungen. Tagsüber verdient er sein Geld damit, reiche Touristen auf Jachten spazieren zu fahren. Seine Chefin Samantha (Clémentine Célarié) bringt er dabei mit seiner Unzuverlässigkeit an den Rand der Verzweiflung. Immer wieder schafft er es, sich aus der Verantwortung zu winden. Bis eines Tages seine verflossene Geliebte Kristin (Clémence Poésy) mit einem Baby im Arm vor ihm steht. Mit den Worten, die kleine Gloria sei Samuels Tochter, ergreift die Britin die Flucht. Aufgebracht und fest entschlossen, das schreiende Baby wieder loszuwerden, macht sich Samuel auf den Weg nach London. Ohne Englischkenntnisse, Geld oder eine Unterkunft irrt er durch die Metropole. Doch von Kristin fehlt jede Spur. Unterschlupf finden er und seine Tochter bei dem Filmproduzenten Bernie, der ihm außerdem einen Job als Stuntman anbietet. Acht Jahre später ist das Unerwartete wahrgeworden und die Drei haben sich zu einer glücklichen Patchworkfamilie zusammengerauft. Doch Gloria sehnt sich nach einer Mutter. So beginnt Samuel, ihr jeden Abend in Kristins Namen eine E-Mail zu schreiben. Seine Abwesenheit begründet er damit, dass sie eine Geheimagentin sei. Doch irgendwann meldet sich die „echte“ Kristin und fordert ihr Kind zurück. Um ihrer Rolle als Mutter endlich nachzukommen, will sie Gloria mit nach New York nehmen. Unter den Eltern entbrennt ein erbitterter Sorgerechtsstreit.

Bewährte Formel

Plötzlich Papa ist der zweite Film des französischen Nachwuchsregisseurs Hugo Gélin. In seinem Remake des mexikanischen Erfolgsfilms Plötzlich Vater brillieren Omar Sy und Gloria Colston als charmantes Vater-Tochter-Gespann. Letztere spielt mit ihren 12 Jahren bereits mit so einem Selbstbewusstsein, dass sie sogar ihren erwachsenen Kollegen häufig die Show stiehlt. Doch auch Omar Sy zeigt in diesem Film seine bisher beste Leistung. Gélins Remake überzeugt lange Zeit durch familienfreundlichen Humor und jede Menge Situationskomik. Doch der anfangs so humorvolle Film wird zunehmend tragischer. Wenn die Eltern um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpfen, zeigt er bedrückend realistische Szenen. Leider bedient sich der Film dabei etwas zu oft an bekannten Klischees der Tragikomödie. Besonders gegen Ende hin rutscht die Handlung häufig ins Melodramatische ab. Die Glaubwürdigkeit wird dabei spätestens im letzten Drittel des Films übertrieben emotionalen Wendungen geopfert. Nichtsdestotrotz ist Plötzlich Papa ein sehenswerter Familienfilm geworden. Das bewegende Schicksal der Figuren wird kaum jemanden kalt lassen. In Kombination mit den charmanten Hauptdarstellern und einer humorvollen ersten Hälfte bietet Plötzlich Papa alles, was man von einem solchen Film erwartet.   

Fazit

Wer nicht unbedingt eine Neuerfindung des Genres der Tragikomödie erwartet und über die ein oder andere dramaturgische Schwäche hinwegsehen kann, wird mit Plötzlich Papa zwei durchweg unterhaltsame Stunden erleben. Fans von Ziemlich beste Freunde, Heute bin ich Samba oder auch Monsieur Claude und seine Töchter werden sicherlich auch mit diesem Film ihre Freude haben.

 

 

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Janick Nolting
06.01.2017 - 17:30
  Kultur