Themensendung: Zum Wert von Kunst

Vom Marktwert junger deutscher Literatur

Die junge deutsche Literatur sei brav, konformistisch, langweilig. So der Vorwurf Florian Kesslers in der ZEIT. Was ist dran an dieser Kritik? Welchen Wert hat Literatur, wenn sich Autoren und Verleger zunehmend am "Markt" orientieren?

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Der Vorwurf, die junge deutschte Literatur sei zu angepasst, ist nicht neu. Auch dass daran die Absolventen der Schreibschulen von Leipzig und Hildesheim schuld seien, überrascht nicht. So kritisierte beispielsweise schon im Jahr 2010 Harald Klauhs die Literatur der Absolventen als "DIN-gemäß gefertigte Buchstabenware".

Neu ist, dass Florian Kessler die Konformität der Werke und ihrer Autoren auf deren sozialen Hintergrund zurückführt: Sie alle kämen aus demselben bürgerlichen Milieu. Interessanterweise schließt er sich selbst aus der Debatte nicht aus, denn auch er studierte in den nuller Jahren Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim.

So beschreibt er sich im Grunde als ein ebenso gut gepampertes Wohlstandskind wie jene Autoren, die er in ihrer angeblichen Belanglosigkeit angreift. Er konnte es sich leisten, ein so weltfremdes Fach zu studieren. Und er ist angekommen.

Durch den Literaturstreit scheint so ein viel tiefer liegendes Problem durch: Dadurch, dass gerade diese Bürgerkinder wissen, was sie tun müssen, um anzukommen, geht ihnen ein Gefühl der Authentizität verloren. Auf diese Weise ist auch das Schreiben der Autoren von neoliberalen Prinzipien durchdrungen: Sie unterliegen einer inneren Zensur.

Es ist, als würde diese Generation der jetzt 30-, 40-jährigen gegen dieses Kalkül, gegen das Funktionalisierte anrennen. Und damit kommt nicht nur die Frage auf's Tapet, was eine Literatur, die sich an Marktwert und Profit orientiert, wert ist, sondern auch die, wie viel Luft uns der Markt noch lässt.

 

Vom Wert junger deutscher Literatur. Ein Beitrag von Karoline Knappe
Literaturdebatte

 

 

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