Ensemble Weltkritik

Vom Arbeitsamt ins Kabarett

Was machen eigentlich arbeitslose Akademiker? Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann vom Ensemble Weltkritik können da weiterhelfen: Arbeitslose Akademiker machen Kabarett.
Weltkritik posieren
Im Blödeln ganz groß: Das Duo "Weltkritik" (Maxim-Alexander Hofmann und Bettina Proker) mit Moderatorin Maja Fiedler (links).

Bettina Prokert und Maxim Hofmann vom Ensemble Weltkritik im Gespräch mit Moderatorin Maja Fiedler:

Bei euch geht es also um Akademiker und Kabarett. Was habt ihr denn studiert?

Bettina Prokert: Ich habe meine Studienzeit sehr lange genossen. Zuerst Sprecherziehung – und das ausgerechnet in Stuttgart, die von sich behaupten, sie könnten alles außer Hochdeutsch. Und später in Leipzig Anglistik und Deutsch als Fremdsprache.

Maxim Hofmann: Bei mir waren das Theaterwissenschaften, Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften.

Wie seid ihr zum Kabarett gekommen und eben nicht zum Taxifahren?

Maxim Hofmann: Per Annonce. Und man muss auch sagen: Das kommt zu einem Selbst. Man sucht sich das nicht aus.

Bettina Prokert: Ja, das ist Schicksal. Maxim hat es per Annonce gefunden und ich hab ihn dann über die Mitfahrgelegenheit gefunden. Es war also vorherbestimmt.

Einigen Leipzigern dürftet ihr schon bekannt sein. Seit 2006 tretet ihr als Ensemble Weltkritik auf, 2007 gab es sogar den ostdeutschen Kleinkunstpreis. Aber für diejenigen, die noch nicht von euch gehört haben: Wer oder was ist Weltkritik?

Maxim Hofmann: Das ist Kunst und somit liegt die Deutungshoheit beim Betrachter.

Bettina Prokert: Aber als kleine Hilfe: Auf unserem Plakat steht ja "Kabarett, Komik, Musik". Und genau das machen wir: Wir singen, wir sprechen, wir agieren und sind überhaupt nicht zu bändigen.

Ihr verkörpert ja zwei Figuren. Wer sind die Beiden?

Bettina Prokert: Das ist die Silke Sumpf-Bretzsch, früher nur Sumpf, ihres Zeichens auch ehemalige Geisteswissenschaftlerin, jetzt aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie ist eine sehr handfeste Person und hat sehr viel Reibungsfläche mit dem wahren Schöngeist des Ensembles ...

Maxim Hofmann: Ja, ich stehe in engem Kontakt mit Thomas Lümlich. Der darf auf der Bühne das machen, was ich mir selber nicht traue.

Wie nah sind denn die Figuren an euch dran?

Bettina Prokert: Es sind alles Teile von uns, die wir noch überhöhen. Das hängt ganz davon ab, wie viel Adrenalin oder Koffein sich im Körper befindet. Dadurch werden dann ganz verschiedenen Charaktereigenschaften verstärkt.

Maxim Hofmann: Manchmal spiele ich auch die Silke.

Bettina Prokert: Wir sind da offen. Gleichberechtigung ist ein großes Thema. Ich trage auch gern seine Anzüge.

Euer aktuelles Programm heißt "Des Wahnsinns fetter Beutel" und darin unterhalten sich Leute in einer Shopping-Mall. Warum habt ihr so einen Ort ausgewählt?

Maxim Hofmann: Mittlerweile haben sich die arbeitslosen Akademiker weiterentwickelt. Sie sind jetzt Verkaufsfachkräfte und verkaufen in dieser Shopping Mall ein nicht zu beschreibendes Produkt.

Ihr beide seid ja eng mit Sachsen verbunden. Was haltet ihr von dem Begriff "Sächsischer Humor"?

Maxim Hofmann: Ich bin Thüringer.

Bettina Prokert: Der ist raus. Der kann dazu nichts sagen. Ich komme ursprünglich aus Dresden. Sicherlich gibt es einen sächsischen Humor. Aber ich würde sagen, dass es überall spezifischen Humor gibt. Wir fahren ja auch viel durchs Land und ich gewinne schon den Eindruck, dass der Humor weiter im Norden trockener ist und je weiter südlich man kommt, desto handfester wird er. Aber ob es einen spezifisch sächsischen Humor gibt? – Ich wäre da vorsichtig mit Interpretationen, sonst bald Tom Pauls vor der Tür und brät mir eine über, wenn ich das nicht richtig mache.

Maxim Hofmann: Ich würde ihn als gemütlich und sprachverliebt bezeichnen. Ich denke da an "Gogelmousch" oder "Fissematentschn". Und allen, die sich dem ein bisschen nähern wollen, empfehle ich Lene Voigt. Also diese Herzlichkeit, Komik und Tragik gepaart und alles mit großer Sprachliebe gestaltet, das ist schon sächsischer Humor.

Jetzt aktuell seid ihr auf der Leipziger Lachmesse unterwegs. Welche Bedeutung hat denn die Lachmesse in der deutschen Kabarettlandschaft?

Maxim Hofmann: Es ist ein Branchentreffen. Da werden Preise ausgehandelt. Es ist ein hartes Business. Die Zuschauer werden zwar noch zu den Veranstaltungen zugelassen, aber man ist am Überlegen, ob man das nicht unter sich...

Bettina Prokert: ... und das Ganze dann als Weiterbildungsveranstaltung nutzt, à la "Gags klauen für Fortgeschrittene".

Moderatoja Fiedler im Gespräch mit dem Ensemble Weltkritik
Moderatoja Fiedler im Gespräch mit dem Ensemble Weltkritik
Weltkritik Fußball
 

Kommentieren

Felicitas Förster
23.10.2014 - 20:32
  Kultur

Das Ensemble Weltkritik spielt am 25. Oktober um 16 Uhr und am 5. November um 20 Uhr im Leipziger Centralkabarett.