Sziget Festival: Tag 3

Voll auf die Waden!

Eine Insel wie eine eigene Welt: Vom 10. - 16. August findet in Budapest das Sziget Festival statt. Mit am Start sind neben Weltstars wie Rihanna, Muse und Manu Chao auch Geheimtipps – mephisto 97.6 berichtet täglich vom Inselwahnsinn.
Zelte
Zelten auf dem Sziget Festival

Gestern war Rihanna das große Thema, am Tag davor große Bands wie The Chemical Brothers und Die Antwoord. Dass das Sziget Festival aber nicht nur mit großen Elektro-Pop-Bands überzeugt, wird an diesem Freitag um 15 Uhr klar. Das Programm ist vor allem in der Breite durchweg interessant. Dem Musik-Kenner gefällt dabei vor allem die Europe-Stage. Auf einer kleinen Bühne spielen täglich die heißesten Exporte des Kontinents. An diesem Nachmittag eröffnen die deutschen Newcomer Isolation Berlin die Bühne. Wirklich viele Leute interessiert das aber leider nicht. Das Quartett spielt sein wie gewohnt rockiges Set souverän herunter. Vor allem alte Songs wie „Meine Damen und Herren“ knallen genauso wie die Nachmittagssonne. Gegen Ende des Sets liegen sich die wenigen (wahrscheinlich) deutschen Besucher zum 7-Minuten-Epos „Isolation Berlin“ in den Armen. Beim letzten Song „Wahn“ rastet Sänger Tobias auf der Bühne dann auch so richtig aus – ein schönes Freitagnachmittagsset.

IsolationBerlin
 

Der frühe Abend ist voll in französischer Hand. Auf der A38-Stage spielt die französische Musikerin Jain und teleportiert das Zelt direkt nach Paris. Wahrscheinlich ist der Franzosen-Anteil während des Konzerts ungefähr gleich dem der französischen Hauptstadt. Die junge Französin lässt sich nicht zweimal bitten und feiert ein energisches Set ab. Zwischen ihren Popsongs mit afrikanischem und lateinamerikanischem Einschlag bemüht sie sich immer wieder, Englisch zu sprechen – eine nette Geste. Das Publikum hüpft zu Songs wie „Come“ oder „Mrs Johnson“. Einen Gänsehaut-Moment gibt es, als Jain ihren unveröffentlichten Song „Paris“ vorstellt. Ein kraftvoller Song für den Weltfrieden. Dass einige im Publikum danach die Nationalhymne anstimmen, wäre trotzdem nicht nötig gewesen. Jain ist alleine auf der Bühne und loopt ihre Songs selber live. Eine Ausnahme-Musikerin. Zum gefeierten Abschluss „Makeba“ begibt sie sich in eine große Blase und springt ins Publikum.

Jain
 

Springen hier, tanzen da. Nach Jain müssen die Waden erst einmal ein wenig ausgeruht werden. Auffallend sind schon den ganzen Tag die vielen Flaggen, die die Besucher mit sich tragen. Der Grund dafür: Um 19 Uhr findet im Rahmen der täglichen Party vor der Main Stage die Flaggenparty statt. Zusätzlich zu den zahlreichen nationalen oder regionalen Fahnen, verteilt das Sziget zehntausende Sziget-Fähnchen an die Besucher. Diese werden alle zum selben Moment in die Luft gehalten. Dazu gibt es „One Love“ und „Peace“-Rufe eines lateinamerikanischen Ansagers. Das ist UNITY! Der Tag der guten Konzerte soll nun weitergehen. Während Bastille auf der Main Stage ihr seit drei Jahren unverändertes Set spielen, gibt es auf der Classical & Opera Stage musikalische Improvisation und... klassische Musik. Eine nette Auszeit, ein bisschen störend sind die wummernden Bässe der anderen Bühnen aber schon. Wenige Meter weiter spielt im „Blues Pub“ eine Eric Clapton-Coverband – Rockstarposen inklusive. So lassen sich die Pad Thai am besten genießen.

Flags
 

Gestärkt geht es in Richtung Main Stage. Dort gibt es das komplette Kontrastprogramm zu Rihanna. Der Abend bleibt in französischer Hand: Manu Chao gibt den Headliner, und das zurecht. Kein Geschnörkel, einfach nur über 90 Minuten gute Musik, die das Publikum zum Ausrasten bringt. Mehrere Moshpits öffnen sich, überall wird gesprungen und getanzt. Nach vielen „Oh Oh Ohs“ und „Heys“ verabschieden sich der alternde, aber immer noch topfite Franzose und seine Band La Ventura. Am liebsten würden sie drei Stunden spielen, doch leider muss das Programm auf der Main Stage wie jeden Abend um 23 Uhr (oder in dem Fall 23:10) enden. Die Band rennt den Laufsteg auf und ab, bedankt sich mehrere Male. Wer nun musikalisch ähnlich weiterfeiern möchte, für den gibt es eine Ska-P Tribute Band. Etwas andere, aber nicht minder gute Musik gibt es von Unkle auf der A38-Stage. Trip-Hop, Indie, Crossover – alles am Start! Einen runden musikalischen und thematischen Abschluss bietet letztlich das Gastarbeiter-DJ-Set von Ayku auf der Europe Stage. Die zwei türkisch-stämmigen Deutschen haben die paar Fans mit ihrem orientalischen Elektro fest in der Hand. Es wird in Kreisen getanzt. Jetzt machen die Waden aber endgültig Schluss. Ein schöner, deutsch-französisch dominierter Nachmittag/Abend ist damit beendet.

 

ManuChao
 
 

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Till Bärwaldt
13.08.2016 - 18:51
  Kultur