Oper

Vivaldi in der DDR

Studenten der Hochschule für Musik und Theater führen Vivaldis Oper "La verità in cimento" auf. Die Familientragödie spielt allerdings nicht zu Zeiten Vivaldis, sondern in der DDR. Gezeigt wird sie in der Philippuskirche.
Melindo und Prinzessin Rosane heiraten unter der DDR-Flagge
Melindo und Prinzessin Rosane heiraten im DDR Style

"La verità in cimento" und auf Deutsch "Die Wahrheit auf dem Prüfstand", ist die 13. Oper des italienischen Violinisten und Komponisten Antonio Vivaldi. Premiere hatte sein Werk 1720 auf dem Karneval von Venedig. Jetzt wird es in Leipzig aufgeführt.

Vivaldis Oper spielt dieses Mal allerdings nicht im 18. Jahrhundert, sondern in der DDR. Aufführungsort ist die Philippuskirche. Michael Höppner (Regisseur) und Florian Sievert (Tenorsänger und einer der Hauptrollen) erklären warum:

Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Regisseur Michael Höppner und Tenorsänger Florian Sievert

 

Tenorsänger und Regisseur
Tenorsänger Florian Sievert (links) und Regisseur Michael Höppner (rechts)

Die Wirren einer Eheschließung

Prinzessin Rosane soll Melindo, den vermeintlichen Thronfolger eines orientalischen Sultans, heiraten. Sie selbst gehört einem anderen Sultanat an. Die Hochzeit würde schließlich nicht nur Braut und Bräutigam, sondern auch beide Herrschaftsgebiete miteinander vereinen. Doch eigentlich ist Melindos Bruder Zelim in die schöne Rosane verliebt. Der weiß jedoch nicht, dass er selbst der rechtmäßige Erbe seines Vaters Mamud und dessen Ehefrau Rustena ist. Denn Melindo ist der Sohn, den Mamud mit seiner Hausangestellten Damira gezeugt hat. Um diese dann in ihrem Gefühl an den Rand gestellt zu sein, zu beschwichtigen, vertauscht Mamud seine beiden Söhne gleich nach der Geburt. Ein Familiendrama entwickelt sich, als die Vergangenheit sich langsam ihren Weg an die Oberfläche bahnt...

Auseinandersetzung mit der DDR

Michael Höppner ist Regisseur der Neuproduktion der Vivaldi Oper in Leipzig. Er wollte es bei der Inszenierung aber nicht dabei belassen, das Bühnenstück nach Vivaldis damaliger Vorstellung aufzuführen. Der Plot bleibt derselbe, die Figuren jedoch werden in die Zeit der DDR versetzt.

Also das ist wirklich der Versuch, komplett diese Geschichte, auch die Figuren, mit bestimmten Typen aus der damaligen Zeit zu assoziieren. Und wie wir finden hat das bisher sehr sehr gut funktioniert und ist eigentlich ein großer Spaß. Und hat auch viele nachdenkliche Momente. Das ist eine sehr schöne Auseinandersetzung, indem wir diese alte Barockoper konfrontieren oder beziehungsweise überblenden mit den Ereignissen vor 25 Jahren.

Michael Höppner, Regisseur

Auch 1989/90 sollte es zur Vereinigung zweier Staaten kommen. Die Hindernisse und Wirren bis zur "Eheschließung" von Ost - und Westdeutschland werden nun auch in "La verità in cimento" widergespiegelt.

 

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Gesine Klipstein
04.07.2016 - 10:11
  Kultur