Musik-Highlights: KW13

Viele Fragen, wenige Antworten

Einige Alben und noch viel mehr Songs hat unsere Musikredaktion diese Woche mit dem Prädikat "spitzenmäßig" versehen. Willkommen zu unseren Musik-Highlights.
Musikhighlights der Woche KW13
Die Musikhighlights dieser Woche

Unser Album der Woche kommt diese Woche von The Weeknd und heißt "After Hours". Die ausführliche Rezension findet ihr hier

Childish Gambino – „3.15.20“

Album-VÖ: 20.03.2020

Wie aus dem nichts veröffentlichte Donald Glover vor ein paar Wochen neue Musik auf seiner Website. Und ähnlich schnell war der Stream auch schon wieder verschwunden. Jetzt erschien das Spontan-Release doch noch unter seinem Künstlernamen Childish Gambino. „3.15.20“ heißt das Album und es spielt auf 12 Tracks einmal alle Existenzfragen durch.

Die Songs haben fast ausschließlich Zeitstempel als Titelnamen, das Albumcover ist komplett weiß und verrät nichts darübe,r was den Hörenden erwartet. Und das ist gut so; denn schon der Wechsel vom elektronisch stimmverzerrten „Algorythm“ zum poppigeren, Ariana Grande gefeaturten „Time“ gibt einen ersten Geschmack auf das was kommt.

Zwischen Funk, Hip-Hop, Pop, Elektronik und so vielem mehr schwimmt man mit „3.15.20“ durch eine komplexe, teils avantgardistische Hörerfahrung. Und langweilig wird es dabei nie. Childish Gambino hat damit hat ein Genre-nichtkonformes Gesamtwerk geschaffen, bei dem man sich vor allem jetzt die Zeit nehmen sollte, es sich in seiner Gänze anzuhören und zu erfahren. 

Henriette Seifert 

Sufjan Stevens & Lowell Brams - „Aporia“ 

Album-VÖ: 24.03.2020

Sufjan Stevens und sein Stiefvater Lowell Brams wollen der Corona-Krise trotzen. Ihr gemeinsames New-Age-Album „Aporia“ erschien deshalb schon drei Tage vor dem geplanten Release.

Die beiden musizieren bereits seit Jahrzehnten miteinander. Die Songs auf „Aporia“ entstanden deswegen über die Jahre in verschiedenen Jam-Sessions und wurden jetzt kunstvoll zusammengesetzt. Das Wort „Aporia“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Ausweglosigkeit“ oder „Ratlosigkeit“. Gefühle, die Menschen auf der ganzen Welt im Moment ganz besonders gut nachempfinden können. Mit dem frühzeitigen Release der Platte ging eine Pressemitteilung einher, in der Stevens und Brams darauf Bezug nehmen:

Was passiert hier? Was wird als nächstes passieren? Was können wir tun? Was jetzt? Wir geben uns keinen Illusionen hin — dieses Album ist beiweiten nicht das Wichtigste, was aktuell auf der Welt passiert — aber wir glauben dennoch, dass Musik etwas Heiliges ist und die Fähigkeit hat, in schwierigen Zeiten Schönheit, Weisheit, Wahrheit und Licht in unser Leben zu bringen. Wir hoffen, dass unsere Musik euch heute Sinn, Hoffnung und Ermutigung bringen kann.

Sufjan Stevens & Lowell Brams

Sufjan Stevens und sein Stiefvater verkündeteten ebenfalls, dass 50% der Einnahmen an gemeinnützige COVID19-Organisationen gespendet werden sollen.

Ariane Seidl

Sorry – „925“

Album-VÖ: 27.03.2020

Sorry sind eine typische Band der Generation Z: Dem gängigen Werdegang einer Indie-Band entgegen, veröffentlichten sie nicht erst einige Singles und EPs, sondern stellten schon vor mehr als zwei Jahren Mixtapes ins World Wide Web. Da war die Band aus London schon beim Indie-Label Domino Records unter Vertrag und bastelte fleißig an ihrem Debütalbum. Das ist dann doch mit einigen Singles im letzten Jahr angekündigt wurden und bietet Rockmusik ohne jede Logik.

Asha Lorenz und Louis O’Bryen kennen sich seit dem Kindergarten und genauso klingt „925“ auch. Auf der musikalischen Spielwiese tummeln sich 90s Grunge, Trip-Hop und sogar ein Hauch Saxophon-Jazz, wie in „Rock’n’Roll Star“. O’Bryen und Lorenz unterbrechen sich ständig und vervollständigen ihre Sätze, während im Hintergrund träge Gitarren, wackelige Rhythmen und halbfertige Melodien wabern.

All das könnte furchtbar sein, aber Sorry schaffen es „925“ zu etwas ganz Besonderem zu machen, irgendwo zwischen der Realität und ihrer Fantasie. In „As The Sun Sets“ bedienen sich textlich bei Louis Armstong („What a wonderful world“) und vorher auch bei Tears For Fears („Mad World“):

I'm feeling kind of crazy
I'm feeling kind of mad
The dreams in which we're famous
Are the best I've ever had

Song: „Right Around The Clock“

Sorry stellen auf „925“ mehr Fragen als sie beantworten, aber sind die große Hoffnung der modernen Underground-Gitarrenmusik.

Marie Jainta

M.I.A. – „OHMNIW202091“

Single-VÖ: 23.03.2020

Polarisierend, so kennt man M.I.A. Mit ihrem brandneuen Song „OHMNIW202091“ probiert die, von Songs wie „Paper Planes“ oder „Borders“ bekannte Rapperin etwas Neues.

Treibende Drums geben den Ton an und phasenweise baut sich „OHMNIW202091“ zur eindringlichen Soundkollage auf. Mit den Tempowechseln und verstörend wirkenden Distortion-Sounds rückt M.I.A. ihren Song in Richtung des vor allem im Elektro vertretenen Genre Glitch. Das alles schafft die Rapperin ohne ihrem besonderen Mix aus Hip-Hop, Dancehall und Tribal untreu zu werden. M.I.A präsentiert sich wie gewohnt als Rebellin. Der Sound ist aggressiv: Gewehrschüssen untermalen die leicht dissonante Stimme. 

Veröffentlicht wurde der Song auf M.I.A's Patreonseite, auf der das Multitalent, gegen einen monatlichen Geldbetrag exklusives Material mit ihren Fans teilt. Wer keinen Account hat muss sich aber keine Sorgen machen. „OHMNIW202091“ ist für alle InternetnutzerInnen als Stream verfügbar.

Hannan El Mikdam-Lasslop

Car Seat Headrest - „Martin“

Single-VÖ: 23.03.2020

„Autositzkopfstütze“ - klingt erst einmal eher nach KfZ Mechaniker als nach Musiker. Doch in diesem Fall heißt es: die Band Car Seat Headrest hat einen neuen Song rausgebracht!

„Martin“ heißt die zweite Singleauskopplung ihres neuen Albums „Making a Door Less Open“, das am 1. Mai erscheinen wird. Der Song klingt erstmal nach klassischem Indie. Man hört E-Gitarren, leichte Drums und auch der Gesang von Will Toledo verbreitet gute Laune. Etwas ungewöhnlicher hingegen wird es am Ende von „Martin“: ein paar Trompetensoli treffen dort auf verzerrte Stimmeinlagen.

Das dazugehörige Musikvideo passt super zur aktuellen Corona-Lage. Denn was wäre im Moment ein besseres Outfit als Atemmaske, Handschuhe und Schutzanzug? Gut, für den normalen Abwasch, wie im Video vielleicht ein wenig übertrieben. Doch wer kennt es nicht, die eklige verschimmelte Pfanne des Mitbewohners, die man dann halt doch aufspült?

Emma Dressel

Bright Eyes – „Persona Non Grata“

Single-VÖ: 24.03.2020

9 Jahre ist es her seit uns Bright Eyes das letzte Mal mit Musik beglückt haben. Die Band, die Conor Oberst berühmt gemacht hat, hatte sich nach ihrem Album „The People’s Key“ erstmal in die Versenkung zurückgezogen. Drei Solo-Alben und die brillanten Kollaboration Better Oblivion Community Center mit Phoebe Bridgers später, ist „Persona Non Grata“ genau das, was Bright Eyes schon immer ausmacht: hymnisch, zum Heulen und mit bilderreichen Lyrics:

There’s a playground of children
In the shadows of buildings
There’s a line out the church
Where your homelessness works

Eine Neuerung gibt es aber trotzdem: „Persona Non Grata“ ist der erste Bright Eyes Song mit Dudelsack. Die Band hat mit der Single auch ein, noch namenloses, Album für dieses Jahr angekündigt.

Marie Jainta

Rosalía – „Dolerme“

Single-VÖ: 24.03.2020

Die 26-jährige Katalanin Rosalía hat es auf ihrer Reise hin zum Weltstar schon in viele musikalische Gefilde verschlagen.

Nachdem sie in Spanien zunächst als klassische Flamenco-Sängerin auf sich aufmerksam gemacht hatte, schaffte sie 2018 mit ihrem Album „El Mal Querer“, auf dem sie Flamenco-Klänge mit modernem Pop und Hiphop kombinierte, den Sprung ins internationale Rampenlicht. Seither tobte sie sich auf Singles und Kollaborationen mit anderen Künstlern aus: Sie machte Hiphop mit Travis Scott, Electropop mit James Blake und hatte durch „Con Altura“ mit J Balvin einen weltweiten Reggaeton-Hit. 

Auf ihrer neuen Single „Dolerme“ zeigt Rosalía kurz, dass es auch einfacher geht: Zu den Klängen einer Akustikgitarre singt sie sich über ihren Trennungsschmerz das Herz aus dem Leib. Bis dann der Beat einsetzt, hat man sich längst in ihrer Stimme verloren.

Martin Pfingstl

Squid - „Sludge“

Single-VÖ: 24.03.2020

Die Corona-Krise macht der Musikbranche schwer zu schaffen. Vielen Bands brechen durch den Virus etliche Tourneen und dadurch wichtige Einnahmen weg, Releases müssen mitunter verschoben werden. Inmitten des ganzen Irrsinns gibt es aber auch Platz für freudige Nachrichten: So verkündeten Squid jetzt ihr Signing mit Warp Records und feiern dies mit einer neuen Single. „Sludge“ klingt düsterer als seine Vorgänger, baut sonst aber auf die gewohnten Stärken der fünf Engländer: Experimentierfreude, viel Fokus aufs Schlagzeug und Ollie Judges ekstatischer Sprech-Gesang.

Und Squid überbringen noch mehr frohe Kunde: Das Debütalbum sei auf dem Weg, auch wenn da noch ein bisschen Geduld gefragt ist. Für die angebrachte Vorfreude dürfte die Band mit „Sludge“ gesorgt haben.

Ariane Seidl

 

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