Frisch Gepresst: HAIM

Verspielter Schmerz

Wimpy – weinerlich, schwach. So könnte sich auch das Akronym des neuen HAIM-Albums „Women in Music Part III“ lesen lassen. Ob nun Spiel mit Vorurteilen oder doch nur Zufall: "WIMPIII" ist alles andere als wimpy, sondern sogar ziemlich selbstbewusst.
HAIM - Women in Music Part III
Danielle, Este und Alana Haim: Women in Music Part III

Women in Music

Was heißt es, eine Frau in der Musikbranche zu sein? Mit dieser Frage sehen sich die Schwestern Este, Danielle und Alana Haim ständig konfrontiert. Immer wieder müssen sie als Musikerinnen für sich und ihre Musik einstehen und beweisen, dass sie ihren Erfolg sehr wohl verdienen. Auf „Women in Music Part III“ zeigen HAIM in feministischen Hymnen unter anderem übergriffigen Interviewpartnern die kalte Schulter („Man From The Magazine“), präsentieren sich stark und unabhängig („The Steps“) und schaffen so ihr eigenes Narrativ als Women in Music.

And every day I wake up and make money for myself
And though we share a bed
You know that I don't need your help

Song: "The Steps" 

Tanz und Tränen

Neben selbstbewussten Messages finden sich auf „WIMPIII“ aber auch so einige persönliche Abgründe. Während Este aufgrund ihrer Typ-1-Diabetes von Ärzten ein Karrierewechsel empfohlen wurde, verarbeitet Alana den Verlust einer engen Freundin durch einen Autounfall. Danielle schildert bildhaft Szenen ihrer Depression, die sich vor allem durch die Krebsdiagnose ihres Partners und (Co-) Produzenten der Platte Ariel Rechtshaid weiter verschlimmert hat.

Taped up the windows at the house
But I ain't dead yet 
Would you even pick me out in the crowd?
'Cause I can't recognize myself now

Song: "I've Been Down" 

Trotz der Dichte an schweren Themen und dunklen Emotionen bleiben die Titel auf "WIMPIII" vor allem stimmungsvolle Pop-Rock-Titel, zu denen es sich sowohl weinen, als auch jegliches Leid wegtanzen lässt. Während sich der ein oder andere Track dem Country-Rock hingibt („Leaning On You“,„I’ve Been Down“), schimmert hin und wieder auch ein wenig Folk à la Joni Mitchell durch („Man from The Magazine“). „Another Try“ bietet all das, was es für einen melodischen Pop-Hit braucht und „3AM“ sinniert über den nächtlichen Booty-Call, während er sich in elektronischen Elementen und einem Funk-Rhythmus wiegt, der einen direkt in die 90er zurückversetzt. Haim kombinieren gekonnt Elemente aus verschiedenen Genres und betten diese in klangvolle Harmonien. Aber ganz frei von Schwachstellen ist auch ein noch so stimmiges Album nicht: So kommt zum Beispiel „All That Mattered“ mit vielen guten Ansätzen daher, wirkt durch die dominante Gitarre über schrillem Kreischen im Refrain aber ein wenig wirr und beinahe überladen.

Fazit

Dass Este, Alana und Danielle Haim sich musikalisch wunderbar ergänzen, war schon nach ihren ersten beiden Alben ersichtlich. „Women in Music Part III“ knüpft da an und legt nochmal ordentlich nach. Die drei US-Amerikanerinnen kennen ihre eigenen Stärken und verstricken sie zu einem kohärenten Gerüst, das persönliche Geschichten jeder einzelnen trägt. Gepaart mit ihrer selbstbewussten Attitüde sind dann auch weniger starke Momente schnell verziehen.

 

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HAIM: Women in Music Part III

Tracklist:
  1. Los Angeles
  2. The Steps* 
  3. I Know Alone 
  4. Up from a Dream
  5. Gasoline*
  6. 3am*
  7. Don't Wanna
  8. Another Try 
  9. Leaning On You
  10. I've Been Down 
  11. Man From The Magazine
  12. All That Ever Mattered
  13. FUBT
  14. Now I'm In It - Bonus Track
  15. Hallelujah - Bonus Track
  16. Summer Girl - Bonus Track*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 26.06.2020
Universal Music