Joachim Scholz

Vergessene Leipziger Kunst

Er wäre dieses Jahr 80 geworden: der Leipziger Maler Joachim Scholz. Ihm zu Ehren hat der Bund bildender Künstler Leipzig eine Ausstellung im Tapetenwerk eröffnet.
Menschen betrachten die Bilder von Joachim Scholz
Bei der Vernissage im Tapetenwerk

Der Projektort 4D: Ein kleiner Raum, so groß wie ein Wohnzimmer. Die Wände sind weiß und karg. An ihnen hängen zwölf Bilder des Malers Joachim Scholz, welcher im Jahr 2004 verstorben ist. Anlässlich seines diesjährigen Geburtstags hat der Bund Bildender Künstler Leipzig die Ausstellung Parcours eröffnet. Die Werke wurden von seiner Ehefrau Monika Scholz und den drei Kindern ausgesucht. Die Ausstellung kann seit Donnerstag vergangener Woche besichtigt werden.

Der Schwerpunkt in Joachim Scholz' künstlerischen Schaffen lag auf der Zeichnung. Sein Stil war geprägt von Sachlichkeit und Realismus, daher kann man seine Werke durchaus der Leipziger Schule zuordnen.

Sein Leben

Joachim Scholz wurde am 30. Juli 1934 in Schkeuditz bei Leipzig geboren. Er absolvierte eine Lehre als Offsetretuscheur. Danach begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Wolfgang Mattheuer und Prof. Heinz Wagner. Später war er als Lehrer an Betriebsakademien und in verschiedenen Malkursen tätig. Er war ein angesehener Künstler in der DDR. So erhielt er 1987 den Kunstpreis des deutschen Turn- und Sportbundes. Der Sport war immer ein wichtiger Teil von Joachim Scholz' Leben, da er in seinen früheren Jahren eine Karriere als Leistungssportler beginnen wollte. Jedoch entschied er sich letztlich für eine künstlerische Laufbahn. So gibt es in der Ausstellung auch ein Sportbild "Abseits" von 2002.

Laut seiner Ehefrau war Joachim Scholz ein ruhiger, zurückhaltender Mensch, aber er wusste immer, was er wollte und hat das, was ihn interessierte stets umzusetzen gewusst, vorrangig in seinen Bildern. Er war warmherzig, hilfsbereit und ein guter Lehrer für angehende Künstler.

Der Mensch im Mittelpunkt

Joachim Scholz hat sich Gedanken über Menschen und ihre Umwelt gemacht und diese in seinen Bildern zum Ausdruck gebracht. Er rückt den Menschen als soziales Wesen in den Vordergrund, mal humorvoll karikativ, mal sachlich-realistisch, auch ein Merkmal der Leipziger Schule. Dazu meint Kunsthistorikerin Ina Gille:

"Er hat sich schon mit den Menschen auseinander gesetzt und mit der Umgebung, in der der Mensch wohnt und die ihn prägt. Er hat ja auch viele Portraits gemalt. Nicht umsonst waren Beckmann und Dix Vorbilder für ihn, weil die sich auch mit den Menschen beschäftigt haben."

Außerdem haben seine Werke auch immer autobiografische Bezüge und reflektieren seine Gedankenwelt und seine Umwelt. Er dokumentiert  in seinen Bildern auch die Umbrüche und den Alltag der Wendezeit. Die Werke seiner letzten Schaffensperiode von 2000 bis 2004 sind bereits von Krankheit überschattet, jedoch bäumt er sich in seiner Malerei nochmals auf.

Seine letzten Lebensjahre waren geprägt von Kreativität, in welcher er außerdem einen Neuansatz für seine Malerei fand. So auch in dem Bild Parcours von 2001.

Werke mit Botschaft

Mögen seine Bilder auf den ersten Blick alltäglich wirken, erschließt sich der tiefe Sinn erst bei eindringlichem Hinsehen. Doch wollte er mit seinen Werken überhaupt eine Botschaft vermitteln? Dazu meint Gille:

"Automatisch kommt das, dass er was vermitteln wollte, der musste was loswerden damit und natürlich hat er das an jemanden gerichtet, der das anguckt und wollte damit teilweise auch provozieren und wollte sich auch zeigen als Mensch – so bin ich, hier, das sind meine Bilder und setzt euch auseinander. Also jetzt direkt eine Botschaft, dass er jemanden erziehen wollte, hat er gewiss nicht gehabt. So einfach läuft das ja auch nicht! Ich denke schon, er gehört zu den Malern, die was wollten mit ihrer Kunst, die auch Sinn damit vermitteln wollten."

Heute leider unbekannt

Leider ist Joachim Scholz heute eher unbekannt, doch werden seine Bilder die Zeit überdauern, da ist sich Ina Gille sicher. Doch woran liegt es, dass ihn heute kaum noch jemand kennt? Dazu sagt Gille:

Also bestimmt nicht an seinem Werk! Eher an einer gewissen Schnoddrigkeit, mit der man über manches hinweg geht und glaubt, es vergessen zu können, aber es kommt wieder. Das arbeitet unterirdisch weiter. Ich bin ganz sicher, noch mal ein paar Jahre weiter und wenn alles Propagandistische von dieser Kunst wegfällt, dass er dann übrig bleiben wird.

Joachim Scholz war ein Maler der DDR. Daher werden seine Bilder meist nur als Werke dieser Zeit gesehen. Dabei malte er nicht nur politische Bilder, sondern auch viele heitere und realistische Alltagssituationen in und um Leipzig. Damit hat er die Leipziger Malerei entscheidend geprägt.

 

Redakteurin Sandra Groksch über Joachim Scholz
Redakteurin Sandra Groksch über Joachim Scholz
 

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Die Ausstellung über Joachim Scholz können Sie noch bis 30. August 2014 im Tapetenwerk Leipzig besuchen