Ausstellung zu Menschenaffen

Verblüffende Ähnlichkeit

Menschenaffen faszinieren mit ihrer Ähnlichkeit zum Menschen. Das haben sie auch schon in der frühen Neuzeit getan. Damals wurden die ersten Menschenaffen nach Europa transportiert. Eine Ausstellung dazu gibt es in der Bibliotheca Albertina.
Toter Orang-Utan aus dem British Museum, 1758

Die Begegnungen zwischen Menschenaffen und Menschen wurden in Dokumenten, Berichten und Bildern festgehalten. Eine Ausstellung dazu mit dem Titel "Unheimliche Nähe. Menschenaffen als europäische Sensation" ist noch bis zum 25. September in der Bibliotheca Albertina zu sehen. Wir haben mit dem Kurator der Ausstellung, Ulrich Johannes Schneider, gesprochen. Er ist sowohl Philosophieprofessor als auch Direktor der Unibibliothek Leipzig. 

Was waren Ihre Gedanken, als Sie das letzte Mal einen echten Menschenaffen gegenüberstanden?

Ulrich Johannes Schneider: Das wird wohl in einem Zoo gewesen sein. Ganz genau erinnern kann ich mich nicht. Aber es war wahrscheinlich der Leipziger Zoo.

Was sind das für Gefühle, wenn man einen Menschenaffen hinter dem Gitter sieht?

Es ist schon dieses Gefühl, dass es sehr faszinierende Tiere sind. Man möchte sie genauer beobachten, weil sie uns so ähnlich sind im Aussehen und im Verhalten. Man liest in ihre Gesichter auch Gefühle hinein. Und diese Faszination hat es wohl immer gegeben.

Inwiefern unterscheidet sich die Neugierde der Menschen damals in der Neuzeit von der, die Sie heute spüren?

Jetzt kann ich die Leute nicht fragen aus den früheren Jahrhunderten. Aber nach den Auskünften, die die Bücher, die Texte und die Bilder geben, war das so ein ähnliches Verhältnis damals. Man muss sich überlegen, Affen kamen nach Europa in sehr geringer Zahl und das aus sehr weit entfernten Inseln wie Borneo, Sumatra. Dort fand man Gewürze und handelte damit.
Man wollte von den Affentieren nichts, außer sie anzusehen. Man nutzte sie nicht.

Was meinen Sie hat überwogen, die Lust am Spektakel oder das wissenschaftliche Interesse?

Das wissenschaftliche Interesse war damals von der allgemeinen Kuriosität nicht unterschieden. Man behandelte  die Tiere wie Exemplare der Schöpfung Gottes und bewunderte sie in ihrer Menschenähnlichkeit. Man suchte von Anfang an die Unterschiede zum Menschen.
Das erste Zitat der Ausstellung stammt aus einem Buch um 1500. „Es ist ein Wesen, dessen Namen man nicht kennt.“ Und danach „Das ist so ähnlich wie der Mensch.“

Grundlage der Ausstellung ist der Katalog mit gleichnamigen Tieren. Darin hat der Autor Mustafa Haikal die Beziehung zwischen den Affen und Menschen dokumentiert. Was hören Sie, was sind die Emotionen, die die Ausstellung auslöst?

Im Katalog sind 200 Bilder aus den Beständen der UB Leipzig und es sind viele Texte im Katalog. Die haben wir in der Ausstellung so nicht präsentiert. Da sind die Bilder im Vordergrund. Aus Texten und Bildern des Katalogs lernt man eine gewisse Nachdenklichkeit.
Man liest die Berichte der Kapitäne,  der Seeleute, derer, die den Affen begegnet sind auf
auf der Überfahrt meistens und die vom Schicksal in Europa erzählen. Und das war ja meist ein trauriges Schicksal.  

Wie hat die Ausstellung Ihr Verständnis von Wissenschaft verändert?

Ich habe Immer so mein Problem, persönlich als Kulturwissenschaftler, mit Medizinern, Anatomen und Physiologen. Ich finde es faszinierend, wie sie die Tiere zerlegen. Es ist aber auch die Ausstellung des Todes in verschiedenen Formen. Dabei ist der Tod das allernatürlichste im Leben. Man muss sich da nicht wundern.
Die Grausamkeit kam ja auch weniger von den Medizinern her als von den Menschen, die die Affen zugerichtet haben. Die ihnen Kleider und Alkohol zum Trinken gegeben haben oder ähnliches. Unwissenheit hat dabei eine große Rolle gespielt. Man hat ihnen kein Recht gegeben als Tiere Tiere zu sein. Man hat sie gefangen unter Bedingungen, die die Tiere von vorneherein schon zum Tode verurteilt haben. Man wird sehr nachdenklich.

Es ist nicht unbedingt eine normale Ausstellung. Was würden Sie für eine Bilanz ziehen nach diesen Monaten?

Wir haben einen Besucherbuch ausliegen, das wird auch fleißig benutzt. Dort haben wir sehr viele gute Kommentare, die uns gratulieren zu der Ausstellung. Und dass es interessant sei, diesen Tieren zu begegnen. Manche haben einen Namen, Sally und Pongo. Wir haben auch ein
Rahmenprogramm gemacht, das gut besucht war.
Nächste und letzte Veranstaltung ist morgen Abend in der Bibliotheca Albertina mit dem Autor des Katalogs, Mustafa Haikal. Insgesamt hatten wir ein großes Echo und sind sehr zufrieden.
 

Das Interview zum Nachhören:

Moderatorin Anna Vogel im Gespräch mit Ulrich Johannes Schneider, dem Direktor der Unibibliothek Leipzig zu der aktuellen Ausstellung.
 

 

 

Kommentieren

Die Ausstellung bisher nicht gesehen?

Dann auf in die Bibliotheca Albertina. Bis zum 25. September ist die Ausstellung Unheimliche Nähe - Menschenaffen als europäische Sensation noch zu sehen. Am 11. August ist auch die letzte Veranstaltung des Rahmenprogramms:
Der Autor des Ausstellungskatalogs, Mustafa Haikal, hält einen Vortrag zum Thema Master Pongo. Ein Gorillaschicksal zwischen Spektakel und Wissenschaft.
Los geht's um 19 Uhr in der Bibliotheca Albertina.