Stadtimkern

Urban Beekeeping

Es geschieht in Gärten, auf den Dächern Leipzigs und vielleicht sogar im Hinterhof des Nachbarn. Möglicherweise machen es sogar die Freunde. Aber was um alles in der Welt ist an der urbanen Bienenhaltung so faszinierend? Der Guide für Hobby-Imker.
Blick ins Bienenvolk

Wenn es an einem windstillen Tag einmal ganz leise auf dem Augustusplatz ist, kann man vor der Oper leise die Bienen summen hören.

Denn auf dem Dach der Leipziger Oper stehen seit letztem Jahr ein paar Bienenstöcke. Doch der Trend Urban Beekeeping, oder auch städtisches Imkern genannt, hat sich nicht nur hier angesiedelt. Junge Städter und auch immer mehr kreative Cyber-Punks sind vom eigenen Honig und der Bienenhaltung fasziniert.

Ein bestechendes Hobby

Steve Luhn und Dominic Görke sind zwar weder Hipster oder Cyber-Punks, nennen sich aber trotzdem die „Leipziger Stadtimker“. Dabei passen sie ganz und gar nicht ins Landläufige Image des Imkers: Jenes Pfeife rauchenden Mannes in Latzhose, er gemütlich auf dem Land seinem Altmänner-Hobby frönt. Wie viele andere 20somethings haben die Beiden sich von der urbanen Bienenhaltung anstecken lassen. Aber was hat es mit dem Trend der städtischen Bienenhaltung auf sich?

Mit den zugepflasterten Innenstädten und tristen Plattenbauten kommen uns Menschen die verbauten Städte oft karg und lebensfeindlich vor. Doch das scheinen die Bienen offenbar ganz anders zu sehen. Die fleißigen Honigsammlerinnen fühlen sich PUUH-delwohl. Dennoch gibt es gute Gründe für Stadtbienen.

Winnie Puuh

 

Viele verbinden mit dem Imkern, dass die auf dem Land sind. Das ist aber gar nicht gut für die Bienen. Die Vielfalt der Pollen ist einfach geringer.

Dominic Görke, Leipziger Stadtimker

BEE Happy, Maya

Und tatsächlich finden die Bienen vom Frühling bis zum späten Herbst in der Stadt paradiesische Zustände vor, während ihre Verwandten in ländlichen Regionen oft nicht genug Nahrung finden.

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Wenn die Bienen sterben, hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben.

So lautet das bekannte Zitat von Albert Einstein. Ob er das jedoch jemals wirklich so gesagt hat, ist sehr umstritten und es gibt keinerlei endgültige Quelle dafür. Auch wenn ihm das Zitat nur fälschlicherweise zugesprochen wird, birgt es doch sehr viel Wahrheit in sich. Denn das Thema Bienensterben ist eine ernstzunehmende Gefahr für den Menschen. Schließlich zählen Honigbienen abgesehen von Rindern und Schweinen volkswirtschaftlich zu den wichtigsten Nutztieren. So lässt sich in Deutschland schon seit Jahren ein Rückgang der Bienen um fast 40 Prozent beobachten.

Neben natürlichen Feinden wie den Varroa-Milben, Pestizidbelastung oder zu wenig Nahrung sorgen auch die schlechten Wetterverhältnisse für das oft beschworene „Bienensterben“. Besonders in Leipzig hat der schlechte Frühling den Honigsammlern zugesetzt.

Die waren zu Beginn der Obstbaumblüte relativ schwach. Was die anderen Jahre nie so war. Also eigentlich das schlimmste Frühjahr, das hatten wir so noch nicht erlebt. Die Völker waren klein, mickrig.

Dominic Görke, Stadtimker

Neben einer langsamen Volksentwicklung machte er sich auch über die Verluste der wertvollen Bienenköniginnen Gedanken, wenn sie den Winter nicht überstehen. Auch zwei komplette Völker hätten sie schon verloren.  

Steve Luhn ist der zweite des Stadtimker-Duos. Er erzählt: „Zu Anfang hat sich das bei uns sehr bemerkbar gemacht, weil die Obstbaumblüte mit Beginn des schlechten Wetter in vollem Gange war und da haben die Völker so gut wie nichts eingetragen. Dann jetzt zum Schluss kam der Raps hinzu,sodass die Völker dann doch noch einiges an Honig und Nektar eintragen konnten. Aber von der Obstbaumblüte ist so gut wie nichts in den Honig dieses Jahr gekommen, weil es einfach nur verregnet war und viel zu kalt.“

(Fast) nur Honig im Kopf

Die Motive hinter dem Urban-Beekeeping-Boom sind ähnlich wie beim urbanen Gärtnern oder dem Bio Lifestyle: lokal produzierte und gesunde Lebensmittel, Sehnsucht nach Natur und Rückkehr zu den Wurzeln, Selbstversorger-Fantasien, Nachhaltigkeit oder als Ausgleich zum hektischen Berufsalltag. Wenn aus alten Fabrikhallen schicke, aber unbezahlbare Lofts werden und junge Großstadtmenschen urbanes Stadtimkern praktizieren, dann wird ein Phänomen zum Trend. Was für eine Wandlung vom biederen Altherren-Hobby zum stylischen Großstadt-Accessoire - was für ein Kontrast zum Pfeifenimker in Latzhose.

„Doch brauchen wir die lästigen Fliegetiere überhaupt?“, mag sich jetzt so mancher Honighasser fragen. Sie stören doch nur und stechen mich womöglich sogar, denken vielleicht auch Sie gerade. Was würde passieren, wenn alle Bienen morgen ausgestorben wären?

Wenn die Bienen wegfallen würden als Bestäuber, gäbe es wesentlich weniger und schlechter ausgeprägtes Obst. Eine schön geformte Erdbeere kommt schließlich durch die Bestäubung der Biene zustande.

Steve Luhn, Stadtimker

Das Interesse am Stadthonig ist jedenfalls groß, nicht nur von Seiten der Medien, die das Thema von allen Seiten beleuchten. Honig aus der Stadt ist en vogue.

mephisto 97.6-Reporter Marvin Fadil spricht mit den Leipziger Stadtimkern über die städtische Bienenhaltung.

Marvin Fadil geht dem Phänomen "Stadtimkern" nach
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Marvin Fadil
09.06.2017 - 22:58
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