Protest gegen Zirkus

Untertanen der Krone

"Wir lieben Tiere!", hört man von Zirkusbetreibern und Tierrechtlern gleichermaßen. Dennoch sind die Fronten zwischen beiden Parteien verhärtet.
Peta-Aktivisten vor dem Circus Krone

Seit Mittwoch hat der Circus Krone das größte europäische Zirkuszelt über Leipzigs Kleinmesse gespannt. Der Zirkus feiert in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen und bietet seine besten Waren und Künste zur Schau - die Betreiber sprechen von einem Programm der Extraklasse. Doch vor allem unter Tierrechtlern gerät der Zirkus in starke Kritik und die Debatte um artgerechte Tierhaltung entbrennt erneut. Gestern protestierten darum Vertreter der Tierrechtsorganisation Peta vor dem Eingang zum Zirkus.

"Kein Zirkuszelt ist groß genug für wilde Herzen"

Die Aktivisten arbeiten bereits seit einigen Jahren gegen den Circus Krone und seine Konkurrenten: Die Tiere würden nicht gut behandelt, heißt es, sie seien zu eingeengt, hätten nicht genug Auslauf und würden zu harter Arbeit gezwungen, um den Zuschauern ihren Spaß zu bereiten. Vermehrt würden die Tiere stereotype Verhaltensweisen aufzeigen - Verhaltensweisen, die aus Gefangenschaft rührten. Dazu gehören Bewegungsstörungen wie ständiges Hin-und-her-Laufen, die meist routiniert ohne Ziel ausgeführt werden und der Natur des Tieres nicht entsprechen. Christin Lauf, eine Vertreterin der Organisation, sagte vor Ort:

"Wir finden, dass es nicht artgerecht ist, Tiere mit Wägen durch die Länder zu fahren, sie zu Vorstellungen zu zwingen - das geht nur mit Zuckerbrot und Peitsche. Ein Elefant gehört einfach nicht in Menschenhand. Elefanten und Löwen und Tiger, all diese Wildtiere, die hier dabei sind, gehören in die Freiheit. Man kann solche Tiere nicht auf so kleinem Raum artgerecht halten. Artgerecht ist nur die Freiheit." 

Proteste wie gestern sollen, so Christin Lauf, dazu dienen, die Zuschauer über die Zustände im Zirkus aufzuklären. Es gehe nicht darum, den Zirkus generell zu boykottieren, man wolle aber Tiervorstellungen verhindern und dafür die Rolle von Artisten verstärken. Andere Zirkusse hätten auch ohne Tiere großen Erfolg, so Lauf.

Nach deutschem Gesetz verstößt der Zirkus momentan nicht gegen das Wildtiergesetz. Die Aktivisten sind allerdings der Meinung, man müsse endlich damit anfangen, überholte Gesetze der modernen Zeit anzupassen und somit die Situation der Tiere verbessern.

"Den Tieren im Circus Krone geht es gut!"

Die Zirkusbetreiber weisen die Anschuldigungen zurück. "Wir lieben unsere Tiere und so behandeln wir sie auch", sagte Pressesprecherin Susanne Matzenau. Der Zirkus müsse sich ständigen Kontrollen durch Amtstierärzte unterziehen und dabei den vorgegebenen Normen selbstverständlich entsprechen.

Zirkusgegner würden oft ein verzerrtes Bild von den tatsächlichen Zuständen haben und mit falschen Argumenten diskutieren. So wären viele der Wildtiere in der freien Laufbahn nicht mehr fähig zu überleben. Nach Generationen im Zirkus seien die Tiere nur dieses Leben gewöhnt und damit zufrieden, sie wollten sogar neue Kunststücke lernen.

Während die Pressesprecherin Matzenau relativ gelassen auf die Proteste am Freitag reagierte, zeigt sich die Homepage vom Circus Krone in anderer Weise. Hier wird zwar ausführlich die artgerechte Haltung der Tiere bestätigt, jedoch wendet man sich vehement gegen Tierrechtler. Diese würden eine Hetzjagd gegen den Zirkus führen. Weiter heißt es auf der Seite: "Wir appellieren an die Bevölkerung, Politiker und Medien, deren Phrasen nicht länger Aufmerksamkeit zu schenken. Fanatismus hat bekanntlich immer nur Zerstörung und Leid herbeigeführt, niemals etwas Konstruktives geleistet." Organisationen wie Peta würden alte Traditionen zerstören und ganze Berufszweige auslöschen wollen.

Im Gegenzug werden Besucher dazu eingeladen, sich die Gegebenheiten genauer im anliegenden Zirkuszoo anzusehen. Hier kann jeder Mensch im Besitz einer Eintrittskarte die Gehege der Tiere unter die Lupe nehmen und den Tieren nahkommen.

Zwei Seiten einer Medaille

In dieser Debatte argumentieren beide Seiten zunächst gleich. Aus der Liebe zu Tieren begründet sich ihr Tun und Treiben; man müsse endlich alle Welt über die Wahrheit aufklären.

Die Aktivisten hoffen, mit weiteren Demonstrationen und Petitionen eine Veränderung der Lage herbeizuführen. Eine Chance sehen sie in der jüngeren Generation. Vor allem die Sparte der 16- bis Mitte-30-Jährigen mache sich mehr Gedanken über Tierhaltung, was schon an bewussterer (vegetarischer oder veganer) Ernährung abzulesen sei. Doch die Besucher finden vermehrt, ein Zirkus funktioniere nur mit Tieren. Sie freuen sich auf das Spektakel und glauben an das Wohlbefinden der Exoten. Die Zirkusbetreiber sehen nach wie vor kein Problem und müssen sich wohl zunächst keine Sorgen um eine wesentliche Umstrukturierung machen. Doch der Streit um die Tierhaltung wird nicht schnell vergehen - ob er nun zu einer Änderung führt oder nicht.

mephisto 97.6-Moderator Florian Farken im Gespräch mit Redakteurin Flora Kampmann
Protest im Zirkus

 

 

Kommentare

Kein Wunder das die jüngere Generation für solche Manipulationen empfänglicher sind. Das ändert sich mit der Zeit, dass hat weniger mit Überlegen zu tun, sondern mehr mit Lifestyle und schick.

Gerade die Tierrechtsorganisationen arbeiten mit Allgemeinplätzen, dies sieht man auch an den Äußerungen. Ich hoffe die Demonstranten waren vorher selbst im Zirkus und haben sich dort informiert.

Danke für diesen guten Artikel. Er tastet sich in meiner Wahrnehmung wirklich vorsichtig und nicht ideologisch eingefärbt an die Thematik heran.
Ich habe mich gegen einen Besuch im Zirkus entschieden, da ich die wirtschaftliche Verwertung von Tieren als nicht unterstützenswert empfinde.

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Flora Kampmann
30.08.2014 - 23:39