Fluglärm

Unter den Wolken

Über 12 Jahren ein umstrittenes Thema: Fluglärm. Auf der einen Seite die Anliegen der Anwohner - andererseits tausende Arbeitsplätze und wirtschaftliche Profite. Jetzt wurde die gefäßschädigende Wirkung von Fluglärm wissenschaftlich nachgewiesen.
Vor allem Fracht- und Militärmaschienen bringen die Flughafen-Anlieger um den Schlaf.
Vor allem Frachtmaschinen bringen die Flughafen-Anlieger um den Schlaf.

Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei
Bis hier hör' ich die Motoren
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei
Und es dröhnt in meinen Ohren

Reinhard Mey

So romantisch beschreibt es der wohlbekannte Ohrwurm Über den Wolken. Peter Richter, von der Interessengemeinschaft Nachtflugverbot, würde den Lärm der Turbinen eher mit einem Rasenmäher vergleichen. Einige seiner Mitstreiter seien schon in den Keller gezogen, um endlich in Ruhe schlafen zu können. Der Flughafen Leipzig/Halle ist einer der Letzten, wo auch nachts Flüge starten und landen dürfen. Diese Lücke wird von einer Menge Frachttransportunternehmen kräftig genutzt. Richter schätzt zwischen 80.000 bis 120.000 Anwohner in der Gegend, die vom Nachtlärm auf der An- oder Abflugseite betroffen sind. Insgesamt hat die Initiative schon um die 120.000 Euro ausgegeben - besonders für Anwälte und Gerichtsverfahren, von denen bisher alle gescheitert sind.

Gesundheitsrisiken nachgewiesen

Die letzten Klagen wurden vor allem mit den gesundheitlichen und psychischen Folgen des Fluglärms begründet. Die umstrittene Norah-Studie lieferte Ergebnisse, die zwar die Steigerung des Risikos von Herzschwäche und Depressionen bestätigten aber andere vorher bestätigte Folgen, wie Erhöhung des Blutdrucks als nicht signifikant bewertete. Die Studie wurde von mehreren Professoren stark kritisiert, da sie angeblich massive Mängel in der Erhebung aufwies und außerdem nicht repräsentativ sei. Neueste Ergebnisse des Mainzer Universitätsklinikums fanden heraus, dass Fluglärm bei gesunden Menschen zu Gefäßfunktionsstörungen, erhöhtem Stresshormonspiegel und zu einer verminderten Schlafqualität mit drastischen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System führen kann. "Das Ohr schläft nie", so Gerda Noppeney von der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf. Die Initiative fordert schon seit langem eine Kernruhezeit von 22 bis 6 Uhr morgens und eine nächtliche Lärmgrenze von 55 dB außen und 45 dB innen. Das würde effektiv auf ein Nachtflugverbot hinauslaufen.

Wirtschaftliche Relevanz für Leipzig

Nicht zu verachten ist aber die große Rolle, die der Flughafen samt Frachttransportunternehmern und Zulieferern spielt. Er beschäftigt über 7.000 Arbeitskräfte und ist somit einer der größten Arbeitgeber der Region. Während das Passagieraufkommen im letzten Jahr sank, florierte das Geschäft der Post-Tochter DHL. Der Flughafen Leipzig/Halle profitiert seit 2008 vom Geschäftsmodell, welches die komplette Sendekette wichtiger Güter organisiert während die klassischen Airlines an Bedeutung verlieren. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich bezeichnete Leipzig als einen Flughafen der Möglichkeiten. "Wir stehen klar zum 24-Stunden-Betrieb und werden weiter investieren", so der CDU-Politiker im Interview mit der BILD.

Jedes Jahr müssen die Nachtschutzkriterien überprüft und gegebenenfalls anhand der gemessenen Lautstärken abgeändert werden. So muss der Flughafen Schutzmaßnahmen im Umfeld ergreifen, beispielsweise den Einbau von Lüftern und Schallschutzwänden. Die Interessengemeinschaft Nachtflugverbot hält diese Maßnahmen für unzureichend. Die juristischen Maßnahmen seien bis auf den Gang zum Europäischen Gerichtshof weitestgehend ausgeschöpft. Ob es eventuell zu einer anderweitigen Einigungen kommen wird, ist fraglich.

Redakteurin Hanna Ahrenberg über die Debatte um den Fluglärm in Leipzig:

mephisto 97.6 Redakteurin Hanna Ahrenberg mit einem Beitrag über Fluglärm
 
 

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Hanna Ahrenberg, Thomas Tasler
24.02.2017 - 17:21