Comics

Unikum im sozialistischen Blätterwald

Die beiden Comics ATZE und MOSAIK prägten fast 50 Jahre lang die Jugend in der DDR. Inwiefern die Comics die Heranwachsenden politisch beeinflussten, zeigt derzeit eine Ausstellung in der Hochschule für Grafik und Buchkunst.
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Agnes und ihr Präsident. In: ATZE 1/1976, S. 5

Wie für viele andere seiner Altersgenossen, war der DDR-Comic MOSAIK für den Literaturwissenschaftler Dr. Thomas Kramer ein buntes Unikum im alltagsgrauen sozialistischen Blätterwald. Auch wenn das bunte und schnell vergriffene MOSAIK viel beliebter war als die weniger populäre Zeitschrift ATZE, liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf Letzterer. Denn inhaltlich unterschied sich ATZE von MOSAIK, weil es verstärkt der propagandistischen, ideologischen Vermittlung von Geschichte diente. Die Ausstellung setzt sich mit den Geschichtsbildern in den Comics auseinander und will ergründen, welchen Anteil die politische Meinungsbildung an der Unterhaltung durch Comics hatte.

Kunst als Instrument 

Der Bildungsauftrag wurde allerdings über fast jedes Medium durchgesetzt. Kunst als politisches Instrument. Nicht nur das Bild der sozialistischen Wirklichkeit spiegelte sich in den Comics wieder, auch technologische Zukunftsideen, die letztendlich nicht umgesetzt wurden, haben die Zeichner in den DDR-Comics verwirklicht. Weltall-Reisen der Digedags, den beliebten MOSAIK-Haupthelden beispielsweise, waren unübersehbar mit aktuellen Ereignissen verknüpft. Eine eindeutige Sinnzuweisung zu bestimmten Themen herrschte vor. Eben all das, was sich in der DDR innen- und außenpolitisch abspielte und parallel im „Neuen Deutschland“ oder über mediale Kanäle thematisch behandelt wurde, fanden die Leser aller Altersgruppen in Comics vor.

Die Exponate der Ausstellung "Atze und Mosaik. Geschichte und Politik zwischen 1914 und 1989 in DDR-Comics" stammen zu 98% aus Kramers Archiv. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit populären Medien mit dem Schwerpunkt auf Comics. Der Literaturwissenschaftler will mit der Ausstellung über die politische Rolle der Comics zur Diskussion anregen. Die DDR-Comics sind als kulturbildend und identitätsstiftend zu betrachten. Weniger steht eine Künstlergruppe im Mittelpunkt, als vielmehr die Einbindung der Comics in den zeithistorischen Kontext.

Verniedlichung und Realismus 

Besonders MOSAIK war begehrt. Hannes Hegen, der kurz an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, zeichnete die bunte Welt der Digedags. Während sich MOSAIK mit verniedlichten Figuren abhob, waren die Figuren aus ATZE realistischer gezeichnet. Überlegungen, den konventionellen akademischen Zeichenstil zu verändern, wurden über die Jahrzehnte trotz des großen Potentials nicht angestrebt. 

Die DDR-Jugendpolitik setzte über die eigene Verbreitung viel daran, dass der Bildungsauftrag über die Comics auch bis zum Ende der DDR so blieb. Herausgeber war der Verlag der Staatsjugend selbst – alles unter strenger Kontrolle. Dennoch entfiel dem einen oder anderen Funktionär, dass die Zeichner wie zum Beispiel Horst Klöpfel sich von Figuren aus der Welt des Films, auch aus dem Westen, inspirieren ließen. Stichwort Dr. Schiwago – auch solche und andere Beispiele werden in der Ausstellung vorgestellt.

 

mephisto 97.6 Redakteurin Trang Dang mit einem Beitrag zu Comics in der DDR - Teil 1
 

 

mephisto 97.6 Redakteurin Trang Dang mit einem Beitrag zu Comics in der DDR - Teil 2
 
 

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Wer sich also näher mit den Comics seiner Jugend befassen will, der kann das noch bis zum 18. März in der Hochschule für  Grafik und Buchkunst tun.

 

Weitere Termine : 12. März - Führung und Vortrag mit Dr. Thomas Kramer.